Gedichte
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12 Sep 2019 08:07 #24537
von Kaninchen
Auf dem Fliegenplaneten
von Christian Morgenstern
Auf dem Fliegenplaneten,
da geht es dem Menschen nicht gut:
Denn was er hier der Fliege,
die Fliege dort ihm tut.
An Bändern voll Honig kleben
Die Menschen dort allesamt,
und andre sind zu Verleben
in süßliches Bier verdammt.
In einem nur scheinen die Fliegen
Dem Menschen vorauszustehn:
Man bäckt uns nicht in Semmeln,
noch trinkt man uns aus Versehn.
von Christian Morgenstern
Auf dem Fliegenplaneten,
da geht es dem Menschen nicht gut:
Denn was er hier der Fliege,
die Fliege dort ihm tut.
An Bändern voll Honig kleben
Die Menschen dort allesamt,
und andre sind zu Verleben
in süßliches Bier verdammt.
In einem nur scheinen die Fliegen
Dem Menschen vorauszustehn:
Man bäckt uns nicht in Semmeln,
noch trinkt man uns aus Versehn.
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13 Sep 2019 08:01 #24556
von Kaninchen
Herbstbeginn
Der Herbst streut weiße Nebel aus,
Es kann nicht immer Sommer sein!
Der Abend lockt mit Lampenschein
Mich aus der Kühle früh ins Haus.
Bald stehen Baum und Garten leer,
Dann glüht nur noch der wilde Wein
Ums Haus, und bald verglüht auch der,
Es kann nicht immer Sommer sein.
Was mich zur Jugendzeit erfreut,
Es hat den alten frohen Schein
Nicht mehr und freut mich nimmer heut -
Es kann nicht immer Sommer sein.
O Liebe, wundersame Glut,
Die durch die Jahre Lust und Mühn
Mir immer hat gebrannt im Blut -
O Liebe, kannst auch du verglühn?
Hermann Hesse
Herbstbeginn
Der Herbst streut weiße Nebel aus,
Es kann nicht immer Sommer sein!
Der Abend lockt mit Lampenschein
Mich aus der Kühle früh ins Haus.
Bald stehen Baum und Garten leer,
Dann glüht nur noch der wilde Wein
Ums Haus, und bald verglüht auch der,
Es kann nicht immer Sommer sein.
Was mich zur Jugendzeit erfreut,
Es hat den alten frohen Schein
Nicht mehr und freut mich nimmer heut -
Es kann nicht immer Sommer sein.
O Liebe, wundersame Glut,
Die durch die Jahre Lust und Mühn
Mir immer hat gebrannt im Blut -
O Liebe, kannst auch du verglühn?
Hermann Hesse
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14 Sep 2019 08:02 - 14 Sep 2019 08:05 #24570
von Kaninchen
Letzte Änderung: 14 Sep 2019 08:05 von Kaninchen.
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15 Sep 2019 08:15 #24589
von Kaninchen
Des Vollmonds Lieben und Leiden
Ich ging allein - es war schon spät -,
Die Gassen waren leer und öd;
Da sah ich, wie der Vollmond sich
Ganz heimlich durch ein Fenster schlich.
Durchs Fenster in ein Kämmerlein
Zu einem Mädchen, dem zulieb
Ich spät noch in den Straßen blieb,
Und dem ich selbst schon fast ein Jahr
Vergeblich nachgestiegen war.
Seit jener unglücksel'gen Nacht
Hab' ich kein Auge zugemacht;
Die Eifersucht hat mich erfaßt,
Ich hab' dem Monde aufgepaßt.
Doch er, er kam zu meiner Freud
Nicht wieder zu derselben Zeit,
Und erst in letzter Nacht, da schlich
Er wieder durch die Gassen sich. -
Doch ach, wie sah er traurig aus.
Er war so blaß - es war ein Graus.
Er war so blaß, er war so falb,
Er war nicht ganz, er war nicht halb.
Man sah's im an, daß er fürwahr
Bereits im letzten Viertel war.
Als ich darauf ihm nachgespürt,
Da ist ein säuisch Ding passiert.
Zum Mägdlein ging er nicht, o nein!
Er stieg - beim Apotheker ein.
Durchs Fenster stieg er heimlich still -
Ich möcht' nur wissen, was er will.
Du guter Mond, was ist mit dir?
Du kommst mir schon bedenklich für.
Fast scheint es mir - ich glaube fast -,
Daß du, o Mond, den Schnupfen hast,
Hast heut vielleicht zuviel studiert,
Dem Stein der Weisen nachgespürt,
Und steigst beim Apotheker drum
Hinein ins Laboratorium.
Da wandte sich und sah mich an
Und sprach zu mir der blasse Mann,
So ist es nicht wie du es denkst! -
Vom Schnupfen, Freund, bleib' ich verschont,
Ich bin die Nachtluft schon gewohnt.
Den Stein der Weisen fand ich längst.
Drum steig ich hier nicht heimlich ein -
Ich suche - Hi=Ha=Höllenstein.
Und suchst du Hi=Ha=Höllenstein,
So dauerst du mich sehr;
und jenes schöne Mägdelein,
Das lieb' ich nimmermehr.
Wilhelm Busch
Des Vollmonds Lieben und Leiden
Ich ging allein - es war schon spät -,
Die Gassen waren leer und öd;
Da sah ich, wie der Vollmond sich
Ganz heimlich durch ein Fenster schlich.
Durchs Fenster in ein Kämmerlein
Zu einem Mädchen, dem zulieb
Ich spät noch in den Straßen blieb,
Und dem ich selbst schon fast ein Jahr
Vergeblich nachgestiegen war.
Seit jener unglücksel'gen Nacht
Hab' ich kein Auge zugemacht;
Die Eifersucht hat mich erfaßt,
Ich hab' dem Monde aufgepaßt.
Doch er, er kam zu meiner Freud
Nicht wieder zu derselben Zeit,
Und erst in letzter Nacht, da schlich
Er wieder durch die Gassen sich. -
Doch ach, wie sah er traurig aus.
Er war so blaß - es war ein Graus.
Er war so blaß, er war so falb,
Er war nicht ganz, er war nicht halb.
Man sah's im an, daß er fürwahr
Bereits im letzten Viertel war.
Als ich darauf ihm nachgespürt,
Da ist ein säuisch Ding passiert.
Zum Mägdlein ging er nicht, o nein!
Er stieg - beim Apotheker ein.
Durchs Fenster stieg er heimlich still -
Ich möcht' nur wissen, was er will.
Du guter Mond, was ist mit dir?
Du kommst mir schon bedenklich für.
Fast scheint es mir - ich glaube fast -,
Daß du, o Mond, den Schnupfen hast,
Hast heut vielleicht zuviel studiert,
Dem Stein der Weisen nachgespürt,
Und steigst beim Apotheker drum
Hinein ins Laboratorium.
Da wandte sich und sah mich an
Und sprach zu mir der blasse Mann,
So ist es nicht wie du es denkst! -
Vom Schnupfen, Freund, bleib' ich verschont,
Ich bin die Nachtluft schon gewohnt.
Den Stein der Weisen fand ich längst.
Drum steig ich hier nicht heimlich ein -
Ich suche - Hi=Ha=Höllenstein.
Und suchst du Hi=Ha=Höllenstein,
So dauerst du mich sehr;
und jenes schöne Mägdelein,
Das lieb' ich nimmermehr.
Wilhelm Busch
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16 Sep 2019 07:21 #24596
von Kaninchen
Von schönen Lippen fortgedrängt
Von schönen Lippen fortgedrängt, getrieben
Aus schönen Armen, die uns fest umschlossen!
Ich wäre gern noch einen Tag geblieben,
Da kam der Schwager schon mit seinen Rossen.
Das ist das Leben, Kind! ein ewig Jammern,
Ein ewig Abschiednehmen, ew'ges Trennen!
Konnt' denn dein Herz das mein'ge nicht umklammern?
Hat selbst dein Auge mich nicht halten können?
Heinrich Heine
Von schönen Lippen fortgedrängt, getrieben
Aus schönen Armen, die uns fest umschlossen!
Ich wäre gern noch einen Tag geblieben,
Da kam der Schwager schon mit seinen Rossen.
Das ist das Leben, Kind! ein ewig Jammern,
Ein ewig Abschiednehmen, ew'ges Trennen!
Konnt' denn dein Herz das mein'ge nicht umklammern?
Hat selbst dein Auge mich nicht halten können?
Heinrich Heine
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17 Sep 2019 07:42 #24612
von Kaninchen
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