Gedichte
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20 Nov 2017 07:03 - 20 Nov 2017 07:10 #14877
von Kaninchen
Die sanften Engelsfrätzchen
Hüt' dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzen,
Doch schlimmer sind die sanften Engelsfrätzchen.
Ein solches bot mir einst ein süßes Schmätzchen,
Doch wie ich kam, da fühlt ich scharfe Tatzen.
Hüt' dich, mein Freund, vor schwarzen, alten Katzen,
Doch schlimmer sind die weißen, jungen Kätzchen.
Ein solches macht' ich einst zu meinem Schätzchen,
Doch tät mein Schätzchen mir das Herz zerkratzen.
O süßes Frätzchen, wundersüßes Mädchen!
Wie konnte mich dein klares Äuglein täuschen?
Wie konnt' dein Pfötchen mir das Herz zerfleischen?
O meines Kätzchens wunderzartes Pfötchen!
Könnt' ich dich an die glüh'nden Lippen pressen,
Und könnt' mein Herz verbluten unterdessen!
(Heinrich Heine)
Hüt' dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzen,
Doch schlimmer sind die sanften Engelsfrätzchen.
Ein solches bot mir einst ein süßes Schmätzchen,
Doch wie ich kam, da fühlt ich scharfe Tatzen.
Hüt' dich, mein Freund, vor schwarzen, alten Katzen,
Doch schlimmer sind die weißen, jungen Kätzchen.
Ein solches macht' ich einst zu meinem Schätzchen,
Doch tät mein Schätzchen mir das Herz zerkratzen.
O süßes Frätzchen, wundersüßes Mädchen!
Wie konnte mich dein klares Äuglein täuschen?
Wie konnt' dein Pfötchen mir das Herz zerfleischen?
O meines Kätzchens wunderzartes Pfötchen!
Könnt' ich dich an die glüh'nden Lippen pressen,
Und könnt' mein Herz verbluten unterdessen!
(Heinrich Heine)
Letzte Änderung: 20 Nov 2017 07:10 von Kaninchen.
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22 Nov 2017 07:16 - 22 Nov 2017 07:18 #14902
von Kaninchen
Klabund
Das erste Spiel
Wir liegen in der Welt. Das erste Spiel
Treibt wohl die Mutter mit den Brüsten leis.
Dann tritt die Amme in den krausen Kreis,
Sie weiß sehr wenig und sie lehrt uns viel.
Der Bleisoldat schießt nun nach seinem Ziel.
Beim Murmelschieben winkt manch schöner Preis.
Mit Reifen rennen freut den Buben.
Sei's für sich, sei's mit dem zärtlichen Gespiel,
Dem Mädchen, dem die erste Andacht gilt.
Bald spielt sie mit dem Knaben ganz allein.
Sie streichelt ihn. Sie schmollt. Sie lacht. Sie schilt.
Er flieht zu Würfel, Dirnenscherz und Wein.
Sie wendet schaudernd sich von seinem Bild
Und stößt unwissend ihn in Nacht hinein.
Klabund
Geboren: 4. November 1890, Krosno Odrzanskie, Polen
Gestorben: 14. August 1928, Davos, Schweiz
Das erste Spiel
Wir liegen in der Welt. Das erste Spiel
Treibt wohl die Mutter mit den Brüsten leis.
Dann tritt die Amme in den krausen Kreis,
Sie weiß sehr wenig und sie lehrt uns viel.
Der Bleisoldat schießt nun nach seinem Ziel.
Beim Murmelschieben winkt manch schöner Preis.
Mit Reifen rennen freut den Buben.
Sei's für sich, sei's mit dem zärtlichen Gespiel,
Dem Mädchen, dem die erste Andacht gilt.
Bald spielt sie mit dem Knaben ganz allein.
Sie streichelt ihn. Sie schmollt. Sie lacht. Sie schilt.
Er flieht zu Würfel, Dirnenscherz und Wein.
Sie wendet schaudernd sich von seinem Bild
Und stößt unwissend ihn in Nacht hinein.
Klabund
Geboren: 4. November 1890, Krosno Odrzanskie, Polen
Gestorben: 14. August 1928, Davos, Schweiz
Letzte Änderung: 22 Nov 2017 07:18 von Kaninchen.
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23 Nov 2017 06:43 - 24 Nov 2017 09:25 #14914
von Kaninchen
Ein kleines Lied
Ein kleines Lied. Wie geht's nur an,
Dass man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? Erzähle!
Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.
Marie von Ebner-Eschenbach
Ein kleines Lied. Wie geht's nur an,
Dass man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? Erzähle!
Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.
Marie von Ebner-Eschenbach
Letzte Änderung: 24 Nov 2017 09:25 von Feschtbrueder.
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24 Nov 2017 06:48 - 24 Nov 2017 06:57 #14928
von Kaninchen
Trinklied im Winter
Ludwig Heinrich Christoph Hölty
Das Glas gefüllt!
Der Nordwind brüllt,
Die Sonn' ist niedergesunken!
Der kalte Bär
Blinkt Frost daher,
Getrunken, Brüder, getrunken!
Die Tannen glühn
Hell im Kamin,
Verstreuen knatternd die Funken!
Der edle Rhein
Gab uns den Wein,
Getrunken, Brüder, getrunken!
Der edle Most
Verscheucht den Frost,
Und zaubert Frühling hernieder;
Der Trinker sieht
Den Hain entblüht
Und Büsche wirbeln ihm Lieder!
Er hört Gesang,
Und Harfenklang,
Und schwankt durch blühende Lauben;
Ein Mädchenchor
Rauscht schnell hervor,
Und bringt ihm goldene Trauben!
Sauf' immerfort,
O Winternord,
Im schneebelasteten Haine;
Nur streu dein Eis,
O lieber Greis,
In keine Flaschen mit Weine!
Die stolze Frau
Färb braun und blau,
Die Ahnenschwindel erfüllet;
Nur mußt du fliehn
Den Hermelin,
Der junge Busen verhüllet!
Ludwig Heinrich Christoph Hölty
(1748 - 1776),
deutscher Lieder-, Hymnen-, Balladen- und Odendichter
Ludwig Heinrich Christoph Hölty
Das Glas gefüllt!
Der Nordwind brüllt,
Die Sonn' ist niedergesunken!
Der kalte Bär
Blinkt Frost daher,
Getrunken, Brüder, getrunken!
Die Tannen glühn
Hell im Kamin,
Verstreuen knatternd die Funken!
Der edle Rhein
Gab uns den Wein,
Getrunken, Brüder, getrunken!
Der edle Most
Verscheucht den Frost,
Und zaubert Frühling hernieder;
Der Trinker sieht
Den Hain entblüht
Und Büsche wirbeln ihm Lieder!
Er hört Gesang,
Und Harfenklang,
Und schwankt durch blühende Lauben;
Ein Mädchenchor
Rauscht schnell hervor,
Und bringt ihm goldene Trauben!
Sauf' immerfort,
O Winternord,
Im schneebelasteten Haine;
Nur streu dein Eis,
O lieber Greis,
In keine Flaschen mit Weine!
Die stolze Frau
Färb braun und blau,
Die Ahnenschwindel erfüllet;
Nur mußt du fliehn
Den Hermelin,
Der junge Busen verhüllet!
Ludwig Heinrich Christoph Hölty
(1748 - 1776),
deutscher Lieder-, Hymnen-, Balladen- und Odendichter
Letzte Änderung: 24 Nov 2017 06:57 von Kaninchen.
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24 Nov 2017 08:56 #14929
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Mich hat's gewundert, wie das Trinklied akustisch tönt.
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25 Nov 2017 07:00 #14946
von Kaninchen
Aus der Ferne
Wie schön! wenn aus vergang'nen Zeiten
Ein Jugendhauch den Geist bewegt,
Und leis' an längst verklung'ne Saiten
Des viel bewegten Herzens schlägt!
Ist es ein Traum aus frühen Tagen?
Ist es der Kindheit Sonnenblick?
Ich fühl' es tief und kann's nicht sagen,
Ich fühle erster Tage Glück.
Was mir dazwischen hingeflossen,
Vergessen ist es wie das Heut;
Was mich umgibt, wird übergossen
Vom Zauber der Vergangenheit.
Wolfgang Maximilian v. Goethe
Die Grafik zeigt Wolfgang Maximilian von Goethe, Enkel Johann Wolfgang von Goethes, der von 1820-1883 lebte. Sie wurde von Johann Joseph Schmeller um 1830 gefertigt und zeigt ihn als Knaben.
Wie schön! wenn aus vergang'nen Zeiten
Ein Jugendhauch den Geist bewegt,
Und leis' an längst verklung'ne Saiten
Des viel bewegten Herzens schlägt!
Ist es ein Traum aus frühen Tagen?
Ist es der Kindheit Sonnenblick?
Ich fühl' es tief und kann's nicht sagen,
Ich fühle erster Tage Glück.
Was mir dazwischen hingeflossen,
Vergessen ist es wie das Heut;
Was mich umgibt, wird übergossen
Vom Zauber der Vergangenheit.
Wolfgang Maximilian v. Goethe
Die Grafik zeigt Wolfgang Maximilian von Goethe, Enkel Johann Wolfgang von Goethes, der von 1820-1883 lebte. Sie wurde von Johann Joseph Schmeller um 1830 gefertigt und zeigt ihn als Knaben.
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