Gedichte
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10 Nov 2020 07:28 #32204
von Kaninchen
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11 Nov 2020 07:17 #32226
von Kaninchen
Das Paradies
Sein Glück für einen Apfel geben
O Adam, welche Lüsternheit !
Statt deiner hätt' ich sollen leben,
So wär' das Paradies noch heut.
Wie aber, wenn alsdann die Traube
Die Probefrucht gewesen wär' ?
Wie da, mein Freund ? – Ei nun, ich glaube –
Das Paradies wär' auch nicht mehr.
Gotthold Ephraim Lessing
1729 - 1781
Sein Glück für einen Apfel geben
O Adam, welche Lüsternheit !
Statt deiner hätt' ich sollen leben,
So wär' das Paradies noch heut.
Wie aber, wenn alsdann die Traube
Die Probefrucht gewesen wär' ?
Wie da, mein Freund ? – Ei nun, ich glaube –
Das Paradies wär' auch nicht mehr.
Gotthold Ephraim Lessing
1729 - 1781
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12 Nov 2020 07:19 #32247
von Kaninchen
Noth
All' Euer girrendes Herzeleid
Thut lange nicht so weh,
Wie Winterkälte im dünnen Kleid,
Die bloßen Füße im Schnee.
All' Eure romantische Seelennoth
Schafft nicht so herbe Pein,
Wie ohne Dach und ohne Brod
Sich betten auf einen Stein.
Ada Christen (1839 - 1901), Pseudonym für Christiane von Breden, geb. Friederik, österreichische Dichterin, Bühnenschriftstellerin und Erzählerin
Quelle: Christen, Aus der Tiefe. Neue Gedichte, 1878. Originaltext
All' Euer girrendes Herzeleid
Thut lange nicht so weh,
Wie Winterkälte im dünnen Kleid,
Die bloßen Füße im Schnee.
All' Eure romantische Seelennoth
Schafft nicht so herbe Pein,
Wie ohne Dach und ohne Brod
Sich betten auf einen Stein.
Ada Christen (1839 - 1901), Pseudonym für Christiane von Breden, geb. Friederik, österreichische Dichterin, Bühnenschriftstellerin und Erzählerin
Quelle: Christen, Aus der Tiefe. Neue Gedichte, 1878. Originaltext
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13 Nov 2020 07:16 #32265
von Kaninchen
Überall wo du auch wandelst,
Schaust du mich zu allen Stunden,
Und je mehr du mich mißhandelst,
Treuer bleib ich dir verbunden.
Denn mich fesselt holde Bosheit,
Wie mich Güte stets vertrieben;
Willst du sicher meiner los sein,
Mußt du dich in mich verlieben.
Heinrich Heine
Schaust du mich zu allen Stunden,
Und je mehr du mich mißhandelst,
Treuer bleib ich dir verbunden.
Denn mich fesselt holde Bosheit,
Wie mich Güte stets vertrieben;
Willst du sicher meiner los sein,
Mußt du dich in mich verlieben.
Heinrich Heine
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14 Nov 2020 08:03 #32282
von Kaninchen
Romanze
Auf dem Berge, dort oben, da wehet der Wind,
Da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind;
Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand,
Den Blick in die Ferne hinaus gewandt.
In die Ferne hinüber schweift all ihr Sinn;
Ihr Lieber, ihr Treuer, der ging dahin!
Sonst ging er, sonst kam er; nun kommt er nicht mehr !
Nun ist's um Mariechen so todt und so leer !
In den Busen da fallen die Thränen hinein;
Da trinket ein Kindlein sie saugend mit ein.
Es schmeichelt der Mutter die kindliche Hand;
Ihr Blick ist hinaus in die Ferne gewandt.
Auch, wie sausend wehet der Wind so kalt !
Mariechen, dein Liebster ging aus in den Wald;
Ihm reichten die tanzenden Elfen die Hand;
Er folgte der lockenden Schaar, und verschwand.
Auf den Bergen dort oben, da wehet der Wind;
Da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind,
Und schaut in die Nacht hin, mit weinendem Blick.
Dahin ist ihr Liebster, und kehrt nicht zurück.
-
Christoph August Tiedge
1752 - 1841
deutscher Schriftsteller
Quelle: Tiedge, C. A., Gedichte. Kleinere Dichtungen, 1807
Auf dem Berge, dort oben, da wehet der Wind,
Da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind;
Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand,
Den Blick in die Ferne hinaus gewandt.
In die Ferne hinüber schweift all ihr Sinn;
Ihr Lieber, ihr Treuer, der ging dahin!
Sonst ging er, sonst kam er; nun kommt er nicht mehr !
Nun ist's um Mariechen so todt und so leer !
In den Busen da fallen die Thränen hinein;
Da trinket ein Kindlein sie saugend mit ein.
Es schmeichelt der Mutter die kindliche Hand;
Ihr Blick ist hinaus in die Ferne gewandt.
Auch, wie sausend wehet der Wind so kalt !
Mariechen, dein Liebster ging aus in den Wald;
Ihm reichten die tanzenden Elfen die Hand;
Er folgte der lockenden Schaar, und verschwand.
Auf den Bergen dort oben, da wehet der Wind;
Da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind,
Und schaut in die Nacht hin, mit weinendem Blick.
Dahin ist ihr Liebster, und kehrt nicht zurück.
-
Christoph August Tiedge
1752 - 1841
deutscher Schriftsteller
Quelle: Tiedge, C. A., Gedichte. Kleinere Dichtungen, 1807
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15 Nov 2020 08:22 #32306
von Kaninchen
Friede der Kreatur
Spinnen waren mir auch zuwider
All meine jungen Jahre,
Ließen sich von der Decke nieder
In die Scheitelhaare.
Saßen verdächtig in den Ecken
Oder rannten, mich zu erschrecken
Über Tischgefild und Hände,
Und das Töten nahm kein Ende.
Erst als schon die Haare grauten,
Begann ich sie zu schonen.
Mit den ruhig Angeschauten
Brüderlich zu wohnen;
Jetzt mit ihren kleinen Sorgen,
Halten sie sich still geborgen,
Läßt sich einmal eine sehen,
Lassen wir uns weislich gehen.
Hätt‘ ich nun ein Kind, ein kleines,
In väterlichen Ehren,
Recht ein liebliches und feines,
Würd‘ ichs mutig lehren
Spinnen mit den Händchen fassen
Und sie freundlich zu entlassen;
Früher lernt‘ es Friede halten,
Als es mir gelang, dem Alten!
Gottfried Keller
Friede der Kreatur
Spinnen waren mir auch zuwider
All meine jungen Jahre,
Ließen sich von der Decke nieder
In die Scheitelhaare.
Saßen verdächtig in den Ecken
Oder rannten, mich zu erschrecken
Über Tischgefild und Hände,
Und das Töten nahm kein Ende.
Erst als schon die Haare grauten,
Begann ich sie zu schonen.
Mit den ruhig Angeschauten
Brüderlich zu wohnen;
Jetzt mit ihren kleinen Sorgen,
Halten sie sich still geborgen,
Läßt sich einmal eine sehen,
Lassen wir uns weislich gehen.
Hätt‘ ich nun ein Kind, ein kleines,
In väterlichen Ehren,
Recht ein liebliches und feines,
Würd‘ ichs mutig lehren
Spinnen mit den Händchen fassen
Und sie freundlich zu entlassen;
Früher lernt‘ es Friede halten,
Als es mir gelang, dem Alten!
Gottfried Keller
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