Gedichte
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05 Apr 2018 07:32 - 05 Apr 2018 07:33 #17059
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06 Apr 2018 07:23 - 06 Apr 2018 07:25 #17068
von Kaninchen
Rudolf Baumbach (* 28. September 1840 in Kranichfeld; † 21. September 1905 in Meiningen)
war ein deutscher Dichter. Sein Pseudonym war Paul Bach.
Rosen
und Disteln
Röslein aus der Hecke blickt.
„Ei, das muss ich brechen!“
Doch der Hans ist ungeschickt,
Und die Dornen stechen.
Aus der Hand des wunden Manns
Kommt das Blut geronnen,
Und den Finger taucht der Hans
Grollend in den Bronnen.
Saß ein Kräuterweib am Born,
Sprach mit weiser Zunge:
„Keine Rose ohne Dorn.
Merk’ dir das, mein Junge!“
Häuschen glättet sein Gesicht,
Lässt den Strauch im Rücken,
Weil die dumme Rose sticht,
Will er Disteln pflücken.
Disteln haben keinen Stolz,
Sind bescheid’ne Dinger. —
Au! Da sitzt der Distel Bolz
Tief in seinem Finger.
Häuschen lass den Distelstrauch,
Sollst dich nicht erbosen.
Schau, die Disteln stechen auch;
Brich du lieber Rosen.
Rudolf Baumbach
Aus der Sammlung Aus halbvergangener Zeit
Rudolf Baumbach (* 28. September 1840 in Kranichfeld; † 21. September 1905 in Meiningen)
war ein deutscher Dichter. Sein Pseudonym war Paul Bach.
Rosen
und Disteln
Röslein aus der Hecke blickt.
„Ei, das muss ich brechen!“
Doch der Hans ist ungeschickt,
Und die Dornen stechen.
Aus der Hand des wunden Manns
Kommt das Blut geronnen,
Und den Finger taucht der Hans
Grollend in den Bronnen.
Saß ein Kräuterweib am Born,
Sprach mit weiser Zunge:
„Keine Rose ohne Dorn.
Merk’ dir das, mein Junge!“
Häuschen glättet sein Gesicht,
Lässt den Strauch im Rücken,
Weil die dumme Rose sticht,
Will er Disteln pflücken.
Disteln haben keinen Stolz,
Sind bescheid’ne Dinger. —
Au! Da sitzt der Distel Bolz
Tief in seinem Finger.
Häuschen lass den Distelstrauch,
Sollst dich nicht erbosen.
Schau, die Disteln stechen auch;
Brich du lieber Rosen.
Rudolf Baumbach
Aus der Sammlung Aus halbvergangener Zeit
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07 Apr 2018 08:11 - 07 Apr 2018 08:12 #17088
von Kaninchen
Morgenstund hat Gold im Mund
Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich ”Euer Gnaden.“
Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
Joachim Ringelnatz
Kuttel Daddeldu ist eine karikaturistische Kunstfigur von Joachim Ringelnatz.
Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich ”Euer Gnaden.“
Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
Joachim Ringelnatz
Kuttel Daddeldu ist eine karikaturistische Kunstfigur von Joachim Ringelnatz.
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08 Apr 2018 07:58 - 08 Apr 2018 07:59 #17106
von Kaninchen
Unnennbare Tage
Hier lieg‘ ich auf dem Frühlingshügel,
die Wolke wird mein Flügel,
ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag‘ mir, alleinzige Liebe,
wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.
Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
es dringt der Sonne goldner Kuss
mit tief bis ins Geblüt hinein;
die Augen, wunderbar berauschet,
tun, als schliefen sie ein,
nur noch das Ohr der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das,
ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
mein Herz, o sage,
was webst du für Erinnerung
in golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte, unnennbare Tage!
Eduard Mörike
Mörike zwanzigjährig als Student in Tübingen.
Bleistiftzeichnung von 1824
Widmungsgedicht (1838)
Ist´s der Dichter,
ist´s der Richter,
ist´s der leichtbestochne Freund,
dem ich diese Lieder schenke? -
Wenn ich es genau bedenke,
sind sie alle drei gemeint.
Der Deinige E Mörike
Hier lieg‘ ich auf dem Frühlingshügel,
die Wolke wird mein Flügel,
ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag‘ mir, alleinzige Liebe,
wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.
Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
es dringt der Sonne goldner Kuss
mit tief bis ins Geblüt hinein;
die Augen, wunderbar berauschet,
tun, als schliefen sie ein,
nur noch das Ohr der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das,
ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
mein Herz, o sage,
was webst du für Erinnerung
in golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte, unnennbare Tage!
Eduard Mörike
Mörike zwanzigjährig als Student in Tübingen.
Bleistiftzeichnung von 1824
Widmungsgedicht (1838)
Ist´s der Dichter,
ist´s der Richter,
ist´s der leichtbestochne Freund,
dem ich diese Lieder schenke? -
Wenn ich es genau bedenke,
sind sie alle drei gemeint.
Der Deinige E Mörike
Letzte Änderung: 08 Apr 2018 07:59 von Kaninchen.
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09 Apr 2018 07:51 #17122
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10 Apr 2018 07:27 - 10 Apr 2018 07:29 #17134
von Kaninchen
Christian Morgenstern
Möwenlied
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
Ich laß sie lieber leben -
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
Christian Morgenstern
Möwenlied
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
Ich laß sie lieber leben -
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
Letzte Änderung: 10 Apr 2018 07:29 von Kaninchen.
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