Gedichte
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28 Feb 2026 15:52 #56916
von Kaninchen
Seemärchen
Und als die Nixe den Fischer gefaßt,
Da machte sie sich abseiten;
Sie schwarnm hinaus mit lüsterner Hast,
Hinaus in die nächtlichen Weiten.
Sie schwamm in gewaltigen Kreisen herum,
Bald oben, bald tief am. Grunde,
Sie wälzt mit dem Armen sich um und um
Und küßt ihm das Rot vom Munde.
Drei Tage hatte sie Zeitvertreib
Mit ihm in den Meeresweiten,
Am vierten ließ sie den toten Leib
Aus ihren Armen gleiten.
Da schoß sie empor an das sonnige Licht
Und schaute hinüber zum Lande;
Sie schminkte mit Purpur das weiße Gesicht
Und nahte sich singend dem Strande.
Gottfried Keller
Seemärchen
Und als die Nixe den Fischer gefaßt,
Da machte sie sich abseiten;
Sie schwarnm hinaus mit lüsterner Hast,
Hinaus in die nächtlichen Weiten.
Sie schwamm in gewaltigen Kreisen herum,
Bald oben, bald tief am. Grunde,
Sie wälzt mit dem Armen sich um und um
Und küßt ihm das Rot vom Munde.
Drei Tage hatte sie Zeitvertreib
Mit ihm in den Meeresweiten,
Am vierten ließ sie den toten Leib
Aus ihren Armen gleiten.
Da schoß sie empor an das sonnige Licht
Und schaute hinüber zum Lande;
Sie schminkte mit Purpur das weiße Gesicht
Und nahte sich singend dem Strande.
Gottfried Keller
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01 Mär 2026 10:36 #56929
von Kaninchen
Du musst das Leben nicht verstehen
von Rainer Maria Rilke.
Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
Du musst das Leben nicht verstehen
von Rainer Maria Rilke.
Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
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02 Mär 2026 15:40 - 02 Mär 2026 15:40 #56965
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Am Sachsenplatz. Die Nachtigall
Es sang eine Nacht ...
Eine Nachti ..
Ja Nachtigall am Sachsenplatz
Heute morgen. - Hast du in Berlin
Das je gehört? - Sie sang, so schien
Es mir, für mich, für Ringelnatz.
Und gab mir doch Verlegenheit,
Weil sie dasselbe Jauchzen sang,
Das allen Dichtern früherer Zeit
Durchs Herz in ihre Verse klang.
In schöne Verse!
Nachtigall,
Besuche bitte ab und zu
Den Sachsenplatz;
Dort wohne ich. - Ich weiß, daß du
Nicht Verse suchst von Ringelnatz.
Und hatten doch die Schwärmer recht,
Die dich besangen gut und schlecht.
Joachim Ringelnatz
Es sang eine Nacht ...
Eine Nachti ..
Ja Nachtigall am Sachsenplatz
Heute morgen. - Hast du in Berlin
Das je gehört? - Sie sang, so schien
Es mir, für mich, für Ringelnatz.
Und gab mir doch Verlegenheit,
Weil sie dasselbe Jauchzen sang,
Das allen Dichtern früherer Zeit
Durchs Herz in ihre Verse klang.
In schöne Verse!
Nachtigall,
Besuche bitte ab und zu
Den Sachsenplatz;
Dort wohne ich. - Ich weiß, daß du
Nicht Verse suchst von Ringelnatz.
Und hatten doch die Schwärmer recht,
Die dich besangen gut und schlecht.
Joachim Ringelnatz
Letzte Änderung: 02 Mär 2026 15:40 von Feschtbrueder.
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03 Mär 2026 10:35 #56977
von Kaninchen
Sohneswunsch
Ein Mitmensch schrie ganz laut: Hurrah
als Babs ihm sagt, er würd’ Papa,
sofort erzählt er’s allenthalben
und stolz kassiert er Beifallsalven,
nun erst kam er als Mann sich vor,
ein Mann ohn’ Erbe ist ein Tor!
Sein Sohn, der wird Karl Gustav heißen,
mit ihm will er die Welt bereisen,
ihm alles zeigen, nah und fern
und machen ihn zu einem Herrn,
der später den Betrieb wird führen,
die Produktion von Fenster, Türen.
Vor lauter Stolz und Freude auch,
da tätigt er nun Kauf um Kauf.
Als erstes eine Eisenbahn,
dann kamen Fuß- und Handball dran,
ein Schachspiel auch und Boxhandschuhe
und ein Computer für die Schule.
Ein Zimmer voll kauft er noch ein,
sein Sohn, der sollte glücklich sein.
Im neunten Monat war’s soweit,
für die Geburt war man bereit.
Er drückt nervös im Krankenhaus
die zwölfte Zigarette aus,
als endlich kam der Arzt zu ihm
und sagte leis’, es sei nicht schlimm,
denn Zwillinge, die gäb’ es oft,
wenn manches Mal auch unverhofft,
doch seine Mädchen wär’n entzückend, …
das konnt’ den Vater nicht beglücken,
denn er wollt’ einen Sohn nur haben,
warum nur Frauen stets versagen …?!
Hans Harress
Sohneswunsch
Ein Mitmensch schrie ganz laut: Hurrah
als Babs ihm sagt, er würd’ Papa,
sofort erzählt er’s allenthalben
und stolz kassiert er Beifallsalven,
nun erst kam er als Mann sich vor,
ein Mann ohn’ Erbe ist ein Tor!
Sein Sohn, der wird Karl Gustav heißen,
mit ihm will er die Welt bereisen,
ihm alles zeigen, nah und fern
und machen ihn zu einem Herrn,
der später den Betrieb wird führen,
die Produktion von Fenster, Türen.
Vor lauter Stolz und Freude auch,
da tätigt er nun Kauf um Kauf.
Als erstes eine Eisenbahn,
dann kamen Fuß- und Handball dran,
ein Schachspiel auch und Boxhandschuhe
und ein Computer für die Schule.
Ein Zimmer voll kauft er noch ein,
sein Sohn, der sollte glücklich sein.
Im neunten Monat war’s soweit,
für die Geburt war man bereit.
Er drückt nervös im Krankenhaus
die zwölfte Zigarette aus,
als endlich kam der Arzt zu ihm
und sagte leis’, es sei nicht schlimm,
denn Zwillinge, die gäb’ es oft,
wenn manches Mal auch unverhofft,
doch seine Mädchen wär’n entzückend, …
das konnt’ den Vater nicht beglücken,
denn er wollt’ einen Sohn nur haben,
warum nur Frauen stets versagen …?!
Hans Harress
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04 Mär 2026 13:30 #57007
von Kaninchen
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05 Mär 2026 09:29 #57020
von Kaninchen
Hund und Katze
Das Gedicht "Hund und Katze" schrieb Wilhelm Busch.
Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.
Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.
Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.
Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.
Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.
Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.
Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.
Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.
Wilhelm Busch
Das Gedicht "Hund und Katze" schrieb Wilhelm Busch.
Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.
Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.
Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.
Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.
Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.
Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.
Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.
Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.
Wilhelm Busch
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