Gedichte

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13 Feb 2026 15:31 #56566 von Kaninchen
 

Karneval

Wilhelm Busch.

Auch uns, in Ehren sei's gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.
Wie reizend fand man dazumal
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leer gemacht,

Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann können gleich die frömmsten Frau'n
Sich negativ an uns erbau'n.

Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach' uns an, doch nur von fern
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief)
Durchs umgekehrte Perspektiv.
 

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14 Feb 2026 13:05 #56581 von Kaninchen
 

Amors Pfeil

Amors Pfeil hat Widerspitzen.
Wen er traf, der lass' ihn sitzen
Und erduld' ein wenig Schmerz!

Wer geprüften Rat verachtet
Und ihn auszureißen trachtet,
Der zerfleischet ganz sein Herz.

Gottfried August Bürger

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15 Feb 2026 12:34 - 15 Feb 2026 12:35 #56608 von Feschtbrueder
Fasnacht, Fasching, Fasenet, Karneval 

Die Fasnacht diente seit jeher,
manchem zu einer Liebeschance .
Auch trank man viel und noch viel mehr,
verlor deshalb die Contenance.

Im Aufmerksamkeitsdefizit,
nahm man dies und jenes mit.

Es geschah unter dem Fasnachtssiegel
so manche Ungerechtigkeit.
Die Guten kriegten zuletzt Prügel
von der Herrschaftsobrigkeit.

Man konnte in vertauschten Rollen
den Falschen Ehrerbietung zollen.

Der Postbote, der geht als Tiger,
die Putzfrau als Fata Morgana, 
der Busfahrer als Prinz vom Niger,
die Näherin als La Jana.

In eine Maske schlüpft ein jeder,
aus Latex, Seide oder Leder. 

So mancher coole Cowboy,
wirft sein Lasso aus,
und wird plötzlich untreu,
pfeift auf die zu Haus.

Leicht gesagt im Übermut,
doch der tut ja selten gut.

Immer geschieht im Faschingstreiben
vieles, was man nicht zitiert.
So wird es immer, immer bleiben,
weil der Mensch nicht klüger wird.

So war es einst, so ist es heut,
nachher wird allerhand bereut. 

Roswitha Budinger, 2015

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Letzte Änderung: 15 Feb 2026 12:35 von Feschtbrueder.

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15 Feb 2026 16:22 #56612 von Kaninchen
 

Die Sphinx in einer Zimmerecke wacht,
schon länger, als ich denken kann,
die schöne Sphinx und schweigt mich an
im Wechselspiel von Tag und Nacht.

Mein träger Liebling, komm heran,
und leg den Kopf mir in den Schoß,
damit ich dir den Nacken kos'
und deinen Samtleib streicheln kann.

Oscar Wilde

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17 Feb 2026 10:51 #56645 von Kaninchen
 

Fastnacht

Die Fastnacht bringt uns Freuden zwar
Vielmehr denn sonst ein ganzes halbes Jahr,
Ich macht mich auf und thät spazieren gehen,
An einen Tanz,
Mir ward ein Kranz
Von Blümlein Glanz,
Des erfreut ich mich gar sehr.

Ich bot der Jungfrau meinen Gruß,
Ganz freundlich trat sie mir auf meinen Fuß,
Sie sprach: "Gut Gesell, wenn ich dir sagen sollt,
Wenn du nur wollst,
Ich wär dir hold.
Kein Silber und Gold
Ist meiner Lieb ein Sold.

Hinter meins Vaters Hof steht ein Thür,
Da ist weder Schloß noch Riegel dafür,
Da geh hinein, daß man dich nicht seh noch spür,
Sie ist geschmiert,
Daß sie nicht klirrt,
Kein Mensch dich irrt,
Tritt fröhlich hinein zu mir."

Des Nachts hob sich ein Wetter groß,
Das über Berg und tiefe Thal herfloß,
Desselben Wegs mich nie keinmahl verdroß;
Ich stahl mich aus,
Still wie ein Maus,
Und kam ins Haus,
Und lebt im Saus,
Mit der Lieben die ganze Nacht.

Achim von Arnim

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19 Feb 2026 16:44 #56688 von Kaninchen
Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da
Das Gedicht „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ stammt aus der Feder von Otto Ernst Hesse.

Wenn die Bürger schlafen gehn
In der Zipfelmütze
Und zu ihrem König flehn,
Daß er sie beschütze,
Ziehn wir festlich angetan
Hin zu den Tavernen;
Schlendrian, Schlendrian
Unter den Laternen.

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da
Die Nacht ist da, daß was gescheh'.
Ein Schiff ist nicht nur für den Hafen da,
Es muß hinaus, hinaus auf hohe See!
Berauscht euch, Freunde, trinkt und liebt und lacht
Und lebt den schönsten Augenblick,
Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht,
Bedeutet Seligkeit und Glück!

Wenn im Glase perlt der Sekt
Unter roten Ampeln
Und die Mädchen süß erschreckt
Auf dem Schoß uns strampeln,
Küssen wir die Prüderie
Von den roten Mündern;
Amnestie, Amnestie
Allen braven Sündern!

Wenn der Morgen endlich graut
Durch die dunst'gen Scheiben,
Und die Männer ohne Braut
Beieinander bleiben,
Schmieden sie im Flüsterton
Aus Gesprächen Bomben;
Rebellion, Rebellion
in den Katakomben!

Otto Ernst Hesse (1891 - 1946) war ein deutscher Dramatiker, Publizist, Komödienautor, Erzähler, Lyriker und Theaterkritiker.

Die Musik zu "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen" stammte von Theo Mackeben. Gesungen wurde der Titel erstmals von Gustaf Gründgens in dem Film "Tanz auf dem Vulkan" (1938), der im Paris des Jahres 1830 spielt.

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