Gedichte

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03 Feb 2019 06:39 - 03 Feb 2019 06:50 #21452 von Feschtbrueder

Kaninchen schrieb: Den "August" hab ich mir gemopst - ist´s erlaubt ?
.....


Na klar ist‘s erlaubt, ich hab’s auch gemopst. B)

Es bleibt nicht nur beim status quo, sondern wird immer schlimmer, je mehr Psychopathen in (höchste) politische Ämter gewählt werden oder schon dort sitzen. :evil:

Aber eben: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ (oder noch lachen kann.)

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Letzte Änderung: 03 Feb 2019 06:50 von Feschtbrueder.

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03 Feb 2019 09:01 #21464 von Kaninchen


Lob des Esels

Du gutes Thier, auf dessen Haut wir schreiben,
Das uns bald trägt, bald führt,
Nein, länger will ich dir nicht schuldig bleiben
Das Lob, das dir gebührt.

Man spottet deiner Ohren widerrechtlich,
Und höhnt dich, armer Tropf!
Doch tröste dich; sie wurden nur verächtlich
An eines Königs Kopf.

Und wer es dir etwa verargen könnte,
Daß du so langsam bist,
Der denke, daß der Spruch: Festina lente:
Der Weisen Losung ist.

Du bist aus allen Thieren, die wir reiten,
Allein ein Sonntagskind;
Du sahst dereinst den Engel schon von weiten,
Und Bileam war blind.

Du bist das Bild der nun in unsern Tagen
Gepries'nen Duldsamkeit!
Dir gilt es gleich Gold oder Mist zu tragen,
Und hältst, wenn man dich bläut.

Du bist das Thier, das seinem Herrn zur Speise
Mehl trägt und Disteln frißt:
Wer läugnet nun, daß du auf diese Weise
Der beste Bürger bist!

Auch ist kein Thier an Freunden und Bekannten
So reich, als du es bist,
Obgleich von deinen Brüdern und Verwandten
Nicht jeder Disteln frißt.

Und singst du gleich nicht so, wie die Nachtigallen,
So ist doch laut dein Ton!
D'rum braucht man auf dem Weg des Ruhms vor allen
Dich nun zum Postillon.

Bei alle dem ist dir kein Thier auf Erden
Gleich an Genügsamkeit;
Du trägst trotz all den Plagen und Beschwerden,
Ein simples, graues Kleid.

Du lebst mit deinen Disteln hier zufrieden,
Die dir dein Fleiß gewinnt,
Und mancher, ach! frißt Ananas hienieden,
Der Disteln nicht verdient.

Johann Aloys Blumauer


Bild Quelle
Tiere von ulysses bei Kunstnet



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04 Feb 2019 06:10 #21474 von Feschtbrueder


Die Entwicklung der Menschheit
(aus dem Jahr 1932)

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreissigsten Etage.

Da sassen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schiessen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übriglässt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
dass Cäsar Plattfüsse hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

Erich Kästner


Lieber Herr Kästner, darf ich‘s wagen,
Ihnen mit Verlaub Anno 2019 zu sagen.
Was die Evolution bis heute geschaffen,
ist viel schlimmer noch als die alten Affen.

Feschtbrueder


:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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04 Feb 2019 08:18 #21484 von Kaninchen


Das Mädchen an ihren Spiegel

O Spiegel, wie lebendig scheint
Mein liebes Bild aus dir!
Mein Rath, mein Zeitvertreib, mein Freund,
Mein Alles bist du mir.

Du unterhältst mich stundenlang
Mit freundlichem Gesicht;
In jedem Umgang fühlt man Zwang,
Nur in dem deinen nicht.

Und ist mir oft so ärgerlich,
Daß ich's nicht sagen kann,
So fängt beim ersten Blick auf dich
Mein Mund zu lächeln an.

Die schönste Freundesharmonie
Herrscht zwischen mir und dir,
Du seufzest mit aus Sympathie,
Und lachst und weinst mit mir.

Kein Freund auf Erden stimmt so sehr
Nach meinen Launen sich,
Kein Freund auf Erden liebt mich mehr,
Als du, mein zweitest Ich! -

Du bist mein Lehrer jederzeit,
Nie werd' ich deiner satt;
All' meine Liebenswürdigkeit
Verdank' ich deinem Rath.

Aufrichtiger, als du bist, kann
Kein Freund auf Erden sein;
Du zeigst mir jedes Fleckchen an,
Und wär es noch so klein.

Dabei bist du galant und sag'st
Mir stets, wie schön ich sei,
Und Complimente, die du machst,
Sind keine Schmeichelei.

O Lieber, thu nur immerhin,
Wie du bisher gethan,
Und werde, wenn ich älter bin,
Mir ja kein Grobian.

Johann Aloys Blumauer
Aus der Sammlung Satyrische, scherzhafte und erotische Gedichte


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05 Feb 2019 07:34 - 05 Feb 2019 07:34 #21504 von Kaninchen


Großmutter

Wir sitzen zu Nachts beisammen.
Und unsre Mutter spinnt.
Wir hängen an ihrer Schürze,
Wie eben die Kinder sind.

Und ziehen an ihrem Tuche
Und steigen an ihr empor
Und spielen mit ihren Haaren,
Den gold‘nen Ringen im Ohr.

Da hören wir auf einmal
Gar einen seltsamen Ton;
Es war, als fiel ein Steinchen
In ein Geschirr von Thon.

Wir sehn uns um, die Mutter
Ward drüber todesblaß:
Großmutter ist krank, Herr Jesus,
Was wohl bedeutet das?

Und morgens hat die Kunde
Ein Bote früh gebracht:
Großmutter ist gestorben,
Gestorben heute Nacht.

Die Mutter greift nach der Schürze
Und fängt zu schluchzen an;
Wir weinten mit, als die Mutter
Wir so bitterlich weinen sahn.

Franz Binhack
Letzte Änderung: 05 Feb 2019 07:34 von Kaninchen.

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06 Feb 2019 13:23 #21522 von Kaninchen





Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.
Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.
Und nun komm, du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen:
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!
Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.
Seht, er läuft zum Ufer nieder!
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!
Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!
Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen!
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach, und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein!
Nein, nicht länger
Kann ichs lassen:
Will ihn fassen!
Das ist Tücke!
Ach, nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!
O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!
Willst am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten!
Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!
Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!
Und sie laufen! Nass und nässer
Wirds im Saal und auf den Stufen:
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister, hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.
In die Ecke,
Besen! Besen!
Seids gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.

Johann Wolfgang von Goethe

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