Gedichte
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27 Dez 2019 07:39 #26259
von Kaninchen
Man wird nicht besser mit den Jahren
Man wird nicht besser mit den Jahren,
Wie sollt' es auch, man wird bequem
Und bringt, um sich die Reu' zu sparen,
Die Fehler all in ein System.
Das gibt dann eine glatte Fläche,
Man gleitet unbehindert fort,
Und »allgemeine Menschenschwäche«
Wird unser Trost- und Losungswort.
Die Fragen alle sind erledigt,
Das eine geht, das andre nicht,
Nur manchmal eine stumme Predigt
Hält uns der Kinder Angesicht.
Theodor Fontane
Man wird nicht besser mit den Jahren,
Wie sollt' es auch, man wird bequem
Und bringt, um sich die Reu' zu sparen,
Die Fehler all in ein System.
Das gibt dann eine glatte Fläche,
Man gleitet unbehindert fort,
Und »allgemeine Menschenschwäche«
Wird unser Trost- und Losungswort.
Die Fragen alle sind erledigt,
Das eine geht, das andre nicht,
Nur manchmal eine stumme Predigt
Hält uns der Kinder Angesicht.
Theodor Fontane
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28 Dez 2019 07:51 #26276
von Kaninchen
Alles still!
von Theodor Fontane
Alles still! Es tanzt den Reigen Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen Und der Winterhimmel nur.
Alles still! Vergeblich lauschet Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet, Und kein Bächlein summt vorbei.
Alles still! Die Dorfeshütten Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten Eines weiten Friedhofs stehn.
Alles still! Nichts hör ich klopfen Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen Auf die kalte Winterpracht.
Alles still!
von Theodor Fontane
Alles still! Es tanzt den Reigen Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen Und der Winterhimmel nur.
Alles still! Vergeblich lauschet Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet, Und kein Bächlein summt vorbei.
Alles still! Die Dorfeshütten Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten Eines weiten Friedhofs stehn.
Alles still! Nichts hör ich klopfen Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen Auf die kalte Winterpracht.
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- Feschtbrueder
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28 Dez 2019 10:03 #26282
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Winternacht
Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum.
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie im Traum.
Die fiel dazu wie im Traum....
Die sank so leis hernieder
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.
Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum.
Und dazu fiel eine Flocke,
so leise wie im Traum.
So leis als wie ein Traum.
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiss,
als wie von Engleinflaum.
Da war die ganze Erde weiss,
als wie von Engleinflaum.
Christian Morgenstern
Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum.
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie im Traum.
Die fiel dazu wie im Traum....
Die sank so leis hernieder
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.
Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum.
Und dazu fiel eine Flocke,
so leise wie im Traum.
So leis als wie ein Traum.
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiss,
als wie von Engleinflaum.
Da war die ganze Erde weiss,
als wie von Engleinflaum.
Christian Morgenstern
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29 Dez 2019 08:16 #26290
von Kaninchen
Weihnachten wird es für die Welt
von Adele Schopenhauer
Weihnachten wird es für die Welt!
Mir aber - ist mein Lenz bestellt,
Mir ging in solcher Jahresnacht
Einst leuchtend auf der Liebe Pracht!
Und an der Kindheit Weihnachtsbaum
Stand Englein gleich der erste Traum!
Und aus dem eiskrystall'nen Schooß
Rang sich die erste Blüte los -
Seitdem schau' ich nun jedes Jahr
Nicht was noch ist - nur was einst war!
von Adele Schopenhauer
Weihnachten wird es für die Welt!
Mir aber - ist mein Lenz bestellt,
Mir ging in solcher Jahresnacht
Einst leuchtend auf der Liebe Pracht!
Und an der Kindheit Weihnachtsbaum
Stand Englein gleich der erste Traum!
Und aus dem eiskrystall'nen Schooß
Rang sich die erste Blüte los -
Seitdem schau' ich nun jedes Jahr
Nicht was noch ist - nur was einst war!
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30 Dez 2019 07:54 #26309
von Kaninchen
Vom Schlaraffenland
von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Kommt, wir wollen uns begeben jetzo ins Schlaraffenland
Seht, da ist ein lustig Leben und das Trauern unbekannt ,
seht da lässt sich billig zechen und umsonst recht lustig sein.
Milch und Honig fließt in Bächen, aus den Felsen quillt der Wein
Alle Speisen gut geraten, und das Finden fällt nicht schwer
Gäns und Enten gehen gebraten überall im Land umher
Mit dem Messer auf dem Rücken läuft gebraten jedes Schwein
Oh wie ist es zum entzücken, Ei, wer möchte dort nicht sein.
Und von Kuchen, Butterwecken, sind die Zweige voll und schwer
Feigen wachsen in den Hecken, Ananas im Busch umher
Keiner darf sich mühen und bücken, alles stellt von selbst sich ein
Oh, wie ist es zum entzücken, Ei, wer möchte dort nicht sein
Und die Straßen allerorten, jeder Weg und jede Bahn
sind gebaut aus Zuckertorten, und Bonbons und Marzipan
Und von Brezeln sind die Brücken, aufgeführt gar hübsch und fein
Oh, wie ist es zum entzücken, Ei, wer möchte dort nicht sein
Ja, das mag ein schönes Leben, und ein herrlich Ländchen sein
Mancher hat sich hinbegeben, aber keiner kam hinein
ja, und habt ihr keine Flügel, nie gelangt ihr bis ans Tor,
denn es liegt ein breiter Hügel ganz von Pflaumenmus davor.
Vom Schlaraffenland
von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Kommt, wir wollen uns begeben jetzo ins Schlaraffenland
Seht, da ist ein lustig Leben und das Trauern unbekannt ,
seht da lässt sich billig zechen und umsonst recht lustig sein.
Milch und Honig fließt in Bächen, aus den Felsen quillt der Wein
Alle Speisen gut geraten, und das Finden fällt nicht schwer
Gäns und Enten gehen gebraten überall im Land umher
Mit dem Messer auf dem Rücken läuft gebraten jedes Schwein
Oh wie ist es zum entzücken, Ei, wer möchte dort nicht sein.
Und von Kuchen, Butterwecken, sind die Zweige voll und schwer
Feigen wachsen in den Hecken, Ananas im Busch umher
Keiner darf sich mühen und bücken, alles stellt von selbst sich ein
Oh, wie ist es zum entzücken, Ei, wer möchte dort nicht sein
Und die Straßen allerorten, jeder Weg und jede Bahn
sind gebaut aus Zuckertorten, und Bonbons und Marzipan
Und von Brezeln sind die Brücken, aufgeführt gar hübsch und fein
Oh, wie ist es zum entzücken, Ei, wer möchte dort nicht sein
Ja, das mag ein schönes Leben, und ein herrlich Ländchen sein
Mancher hat sich hinbegeben, aber keiner kam hinein
ja, und habt ihr keine Flügel, nie gelangt ihr bis ans Tor,
denn es liegt ein breiter Hügel ganz von Pflaumenmus davor.
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31 Dez 2019 08:29 - 31 Dez 2019 08:38 #26326
von Kaninchen
Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,
Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff, Skandal,
Ich speise Hasenbraten.
Mit Cumberland, und vis-à-vis
Sitzt von den Krankenschwestern
Die sinnlichste. Ich kenne sie
Gut, wenn auch erst seit gestern.
Champagner drängt, lügt und spricht wahr.
Prosit, barmherzige Schwester!
Auf! In mein Bett! Und prost Neujahr!
Rasch! Prosit! Prost Silvester!
Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
In heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
Beginnt ein neues Leben.
Joachim Ringelnatz
Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,
Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff, Skandal,
Ich speise Hasenbraten.
Mit Cumberland, und vis-à-vis
Sitzt von den Krankenschwestern
Die sinnlichste. Ich kenne sie
Gut, wenn auch erst seit gestern.
Champagner drängt, lügt und spricht wahr.
Prosit, barmherzige Schwester!
Auf! In mein Bett! Und prost Neujahr!
Rasch! Prosit! Prost Silvester!
Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
In heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
Beginnt ein neues Leben.
Joachim Ringelnatz
Letzte Änderung: 31 Dez 2019 08:38 von Kaninchen.
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