Gedichte

Mehr
05 Jan 2020 08:27 #26401 von Kaninchen


Ehespruch

von Emanuel Geibel

Das ist die rechte Ehe,
Wo zweie sind gemeint,
Durch alles Glück und Wehe
Zu pilgern treu vereint:
Der eine Stab des andern
Und liebe Last zugleich,
Gemeinsam Rast und Wandern
Und Ziel das Himmelreich.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Feschtbrueder
  • Feschtbrueders Avatar Autor
  • Offline
  • Administrator
  • Administrator
Mehr
05 Jan 2020 17:34 #26407 von Feschtbrueder



Die Heil'gen Drei Könige

Die Heil'gen Drei Könige aus Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
"Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?"

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
Die Könige zogen weiter;
Sie folgten einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehn über Josephs Haus,
Da sind sie hineingegangen;
Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
Die Heil'gen Drei Könige sangen.

Heinrich Heine

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
06 Jan 2020 08:23 #26425 von Kaninchen


Epiphanias


Die Heil'gen Drei König' mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.

Die Heil'gen Drei König' sind kommen allhier;
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn zu dreien der vierte wär',
So wär' ein Heil'ger Drei König mehr.

Ich Erster bin der Weiß' und auch der Schön',
Bei Tage solltet ihr erst mich sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
Werd' ich sein Tag kein Mädchen mir erfreu'n.

Ich aber bin der Braun' und bin der Lang',
Bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerei'n;
Da werd' ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der Schwarz' und bin der Klein'
Und mag auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern, ich trinke gern,
Ich esse, trinke und bedanke mich gern.

Die Heil'gen Drei König' sind wohlgesinnt,
Sie suchen die Mutter und das Kind;
Der Joseph fromm sitzt auch dabei,
Der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Frau'n.
Aber keine Ochsen und Esel schau'n,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und zieh'n unseres Weges weitet fort.

Johann Wolfgang von Goethe

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
07 Jan 2020 08:20 #26442 von Kaninchen


Januar

Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiss;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift!

Doch meint er`s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker schämet euch,
kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an.

Robert Reinick
1805-1852,
deutscher Dichter und Maler

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
08 Jan 2020 07:47 #26450 von Kaninchen
Winters Flucht

von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Dem Winter wird der Tag zu lang,
Ihn schreckt der Vögel Lustgesang;
Er horcht, und hört's mit Gram und Neid,
Und was er sieht, das tut ihm leid;

Er flieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihm Pein;
Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und spat:
Wo ist mein silberweißes Kleid?
Mein Hut, mit Demantstaub beschneit?

Er schämt sich wie ein Bettelmann,
Und läuft, was er nur laufen kann

. Und hinterdrein scherzt Jung und Alt
In Luft und Wasser, Feld und Wald;

Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt;
Doch weil's noch fehlt an Spott und Hohn,
So quakt der Frosch vor Ostern schon.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
09 Jan 2020 07:44 #26461 von Kaninchen

Gotthard-Postkutsche 1830

Aus der guten alten Zeit

Gedicht von Rudolf Baumbach

Es melden Bücher und Sagen
so manches Wunderding
von einem gelben Wagen,
der durch die Länder ging.
Die Kutsche fuhr – man denke –
des Tags drei Meilen weit
Und hielt vor jeder Schenke. –
O gute, alte Zeit!

Es ward von den Passagieren
zuvor das Haus bestellt.
Sie schieden von den Ihren,
als ging's ans End der Welt.
Sie trugen die Louisdore
vernäht in Stiefeln und Kleid,
im Sack zwei Feuerrohre –
O gute, alte Zeit!

Oft, wenn die Reisegenossen
sich sehnten nach Bett und Wirt,
da brummte der Schwager verdrossen:
"Potz Blitz! Ich hab mich verirrt!"
Von fern her Wolfsgeheule,
kein Obdach weit und breit;
es schnaubten zitternd die Gäule –
O gute, alte Zeit!

Auch war es sehr ergötzlich,
wenn mit gewaltigem Krach
in einem Hohlweg plötzlich
der Wagen zusammenbrach.
War nur ein Rad gebrochen,
so herrschte Fröhlichkeit.
mitunter brachen auch Knochen –
O gute, alte Zeit!

Der Abenteuer Perle
war doch das Waldwirtshaus.
Es spannten verdächtige Kerle
die müden Schimmel aus.
Ein Bett mit Federdecken
stand für den Gast bereit,
das zeigte blutige Flecken –
O gute, alte Zeit!

Und waren der Gäste hundert
verschwunden im Waldwirtshaus,
dann schickte der Rat verwundert
berittene Häscher aus.
Die Leichen wurden gefunden,
bestattet und geweiht,
der Wirt gerädert, geschunden
O gute, alte Zeit!











Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Ladezeit der Seite: 0.176 Sekunden
Powered by Kunena Forum