Gedichte

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10 Jan 2020 07:21 #26473 von Kaninchen
Ein Mensch, von Arbeit überhäuft

Ein Mensch, von Arbeit überhäuft,
indes die Zeit von dannen läuft,
hat zu erledigen eine Menge,
und kommt, so sagt man, ins Gedränge.

Inmitten all der Zappelnot
trifft ihn der Schlag, und er ist tot.
Was grad so wichtig noch erschienen,
fällt hin: Was bleibt von den Terminen?
Nur dieser einzige zuletzt:
Am Mittwoch wird er beigesetzt -
und schau, den hält er pünktlich ein,
denn er hat Zeit jetzt, es zu sein.

Eugen Roth

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11 Jan 2020 07:38 #26480 von Feschtbrueder
Fürsorgliche Warnung

Wenn du auf Wolke sieben schwebst
und deinen schönsten Traum erlebst:
Hab acht!

Denn wenn du dich dort nicht gut hältst
und dann aus allen Wolken fällst:
Gut' Nacht!

Wolfgang Lörzer

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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11 Jan 2020 07:51 #26485 von Kaninchen
Vergebliche Mühe

Ein Mensch, der willens, lang zu leben,
Beschließt, dem Tod zu widerstreben
Um a) durch strenges Selbstbelauern
Die Krisenzeit zu überdauern
Um b) zu hindern die Vermorschung
Durch wissenschaftlich ernste Forschung.

Zu letzterm Zwecke wird bezogen
Ein Horoskop beim Astrologen,
Um nicht bezüglich der Planeten
In eine falsche Bahn zu treten.
Ist so gebannt Saturnens Kraft,
Hilft weiterhin die Turnerschaft.

Die Rümpfe rollend, Knie beugend,
Ganz zweifellos wirkt kräftezeugend.
Die Rohkost bringt das Vitamin;
Wein und Tabak, er gibt sie hin.
Auch gilt´s den Vorrat an Hormonen
In reiferm Alter streng zu schonen.

So braut er sich den Lebenssaft
Aus ausgekochter Wissenschaft.
Ein Mensch, wie dieser, muß auf Erden
Unfehlbar hundertjährig werden.
Das Schicksal aber, das nicht muß,
Maccht unversehens mit ihm Schluß.

Eugen Roth
(1895 - 1976)

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12 Jan 2020 08:05 - 12 Jan 2020 08:10 #26492 von Kaninchen


Das Wassertröpflein

Johann Wolfgang von Goethe

Tröpflein muß zur Erde fallen,
muß das zarte Blümchen netzen,
muß mit Quellen weiter wallen,
muß das Fischlein auch ergötzen,
muß im Bach die Mühle schlagen,
muß im Strom die Schiffe tragen.
Und wo wären denn die Meere,
wenn nicht erst das Tröpflein wäre.
Letzte Änderung: 12 Jan 2020 08:10 von Kaninchen.

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13 Jan 2020 07:29 #26504 von Kaninchen


Gern weil' ich beim frohen Mahl,
Wo die Freiheit ihren Sitz hat,
Tischbeherrscher der Pokal
Und Minister ist, wer Witz hat.
Wo im Herzen Heiterkeit,
Morgenröte im Gesicht ist;
Wo der Kreis der Gäste weit
Und der Kreis der Flaschen dicht ist.

Alexander Sergejewitsch Puschkin
(1799 - 1837)
russischer Dichter, Erzähler, Dramatiker und Romanautor

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14 Jan 2020 07:50 #26515 von Kaninchen


Ein winterliches Gedicht

Erst gestern war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.
Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.
Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.
Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder,
der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster stehn die Wälder.

Alexander Sergejewitsch Puschkin

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