Gedichte
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18 Jan 2020 12:19 #26535
von Kaninchen
Wenn alle Stricke reißen
Ein Gedicht von Hans Witteborg
Das Lebensboot liegt fest vertäut
am Uferrand, am sicheren Steg.
Das prüfst du täglich auch erneut,
sonst löst es sich und schwimmt dir weg.
Soviel zur Sorgfalt, die ich hege.
Doch wenn der Fluß mit Macht die Seile reibt
und alle Stricke reißen, driftet es vom Stege
dorthin wo es die Strömung treibt.
Ein Irrtum ist es, wenn man glaubt
man hätte alles stets im Griff!
Plötzlich wird man der Illusion beraubt
Schicksal bestimmt den Kurs vom Lebensschiff!
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren für private Zwecke frei verwendet werden
Ein Gedicht von Hans Witteborg
Das Lebensboot liegt fest vertäut
am Uferrand, am sicheren Steg.
Das prüfst du täglich auch erneut,
sonst löst es sich und schwimmt dir weg.
Soviel zur Sorgfalt, die ich hege.
Doch wenn der Fluß mit Macht die Seile reibt
und alle Stricke reißen, driftet es vom Stege
dorthin wo es die Strömung treibt.
Ein Irrtum ist es, wenn man glaubt
man hätte alles stets im Griff!
Plötzlich wird man der Illusion beraubt
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19 Jan 2020 08:41 #26542
von Kaninchen
Das Schöne
Ich hörte einen Lautenton
In kühlen Waldesgründen
Und schlich ihm nach - er war entfloh'n,
Ich konnt' ihn nirgends finden.
Da sah ich eine Blum' am Bach
In Himmelsbläue stehen,
Das Blümlein wollt' ich brechen, ach!
Es war nicht mehr zu sehen!
Und traurig ging ich weiter fort,
Und weinte helle Thränen,
Und suchte da und suchte dort,
Und immer wuchs mein Sehnen.
Ein Mägdlein kam, im Abendglanz
Wie ich's noch nie gefunden,
Das Blümlein stand in ihrem Kranz,
Das mir am Bach entschwunden;
Sie trug die Laute in dem Arm,
Die mir so süß geklungen:
Es wurde mir das Herz so warm,
Das erst der Gram bezwungen.
Sie sprach zu mir: Ich will dein Glück
Dir freudig offenbaren!
Das Schöne nimmt der Augenblick,
Nur Liebe kann's bewahren.
Aloys Schreiber
1761-1841, deutscher Lehrer und Professor der Ästhetik, Hofhistoriker, Schriftsteller und Reisebuchautor
Ich hörte einen Lautenton
In kühlen Waldesgründen
Und schlich ihm nach - er war entfloh'n,
Ich konnt' ihn nirgends finden.
Da sah ich eine Blum' am Bach
In Himmelsbläue stehen,
Das Blümlein wollt' ich brechen, ach!
Es war nicht mehr zu sehen!
Und traurig ging ich weiter fort,
Und weinte helle Thränen,
Und suchte da und suchte dort,
Und immer wuchs mein Sehnen.
Ein Mägdlein kam, im Abendglanz
Wie ich's noch nie gefunden,
Das Blümlein stand in ihrem Kranz,
Das mir am Bach entschwunden;
Sie trug die Laute in dem Arm,
Die mir so süß geklungen:
Es wurde mir das Herz so warm,
Das erst der Gram bezwungen.
Sie sprach zu mir: Ich will dein Glück
Dir freudig offenbaren!
Das Schöne nimmt der Augenblick,
Nur Liebe kann's bewahren.
Aloys Schreiber
1761-1841, deutscher Lehrer und Professor der Ästhetik, Hofhistoriker, Schriftsteller und Reisebuchautor
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20 Jan 2020 08:15 #26556
von Kaninchen
Ob großes oder kleines Amt
Gehorsam sind wir allesamt
Die Mienen ernst, die Scheitel licht,
tun wir laut Vorschrift unsre Pflicht.
Der Dienst ist alles.
Nebenher sind unsre Taschen leicht und leer.
Im Amtsbereich von Fall zu Fall
beziehn wir uns auf eine Zahl.
Und schicken unserm Stand zum Ruhm
die Kinder aufs Gymnasium.
Josef Weinheber
geboren 1892
gestorben 1945
Gehorsam sind wir allesamt
Die Mienen ernst, die Scheitel licht,
tun wir laut Vorschrift unsre Pflicht.
Der Dienst ist alles.
Nebenher sind unsre Taschen leicht und leer.
Im Amtsbereich von Fall zu Fall
beziehn wir uns auf eine Zahl.
Und schicken unserm Stand zum Ruhm
die Kinder aufs Gymnasium.
Josef Weinheber
geboren 1892
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21 Jan 2020 07:38 #26563
von Kaninchen
Mensch, mein Urteil will nicht frech sein,
Und ich übe gern Geduld;
Neunmal Pech mag neunmal Pech sein –
Aber zehnmal Pech ist: Schuld.
Alfred Kerr
(1867 - 1948)
eigentlich Alfred Kempner, deutscher Schriftsteller und Journalist
Und ich übe gern Geduld;
Neunmal Pech mag neunmal Pech sein –
Aber zehnmal Pech ist: Schuld.
Alfred Kerr
(1867 - 1948)
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22 Jan 2020 07:43 #26575
von Kaninchen
Der Abend kommt von weit gegangen
Der Abend kommt von weit gegangen
durch den verschneiten, leisen Tann.
Dann preßt er seine Winterwangen
an alle Fenster lauschend an.
Und stille wird ein jedes Haus:
die Alten in den Sesseln sinnen,
die Mütter sind wie Königinnen,
die Kinder wollen nicht beginnen
mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen
nicht mehr. Der Abend horcht nach innen,
und innen horchen sie hinaus.
Rainer Maria Rilke
Der Abend kommt von weit gegangen
Der Abend kommt von weit gegangen
durch den verschneiten, leisen Tann.
Dann preßt er seine Winterwangen
an alle Fenster lauschend an.
Und stille wird ein jedes Haus:
die Alten in den Sesseln sinnen,
die Mütter sind wie Königinnen,
die Kinder wollen nicht beginnen
mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen
nicht mehr. Der Abend horcht nach innen,
und innen horchen sie hinaus.
Rainer Maria Rilke
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23 Jan 2020 07:47 #26592
von Kaninchen
Gustav Falke
Es schneit
Der erste Schnee, weich und dicht,
Die ersten wirbelnden Flocken.
Die Kinder drängen ihr Gesicht
Ans Fenster und frohlocken.
Da wird nun das letzte bisschen Grün
Leise, leise begraben.
Aber die jungen Wangen glühn,
Sie wollen den Winter haben.
Schlittenfahrt und Schellenklang
Und Schneebälle um die Ohren!
- Kinderglück, wo bist du? Lang,
Lang verschneit und erfroren.
Fallen die Flocken weich und dicht,
Stehen wir wohl erschrocken,
Aber die Kleinen begreifens nicht,
Glänzen vor Glück und frohlocken.
Gustav Falke
Es schneit
Der erste Schnee, weich und dicht,
Die ersten wirbelnden Flocken.
Die Kinder drängen ihr Gesicht
Ans Fenster und frohlocken.
Da wird nun das letzte bisschen Grün
Leise, leise begraben.
Aber die jungen Wangen glühn,
Sie wollen den Winter haben.
Schlittenfahrt und Schellenklang
Und Schneebälle um die Ohren!
- Kinderglück, wo bist du? Lang,
Lang verschneit und erfroren.
Fallen die Flocken weich und dicht,
Stehen wir wohl erschrocken,
Aber die Kleinen begreifens nicht,
Glänzen vor Glück und frohlocken.
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