Gedichte
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
08 Apr 2021 07:29 #35016
von Kaninchen
Ich schlüpfe in mein seidenes Gewand
Ich schlüpfe in mein seidenes Gewand
lege nicht erst um das Gürtelband.
Male mir die Augenbrauen schön,
am offnen Fenster will ich stehn.
O diese Seide bleibt nie still –
wenn sie sich öffnet – nun dann will
ich sagen – dann sag ich geschwind:
O, das ist der Frühlingswind.
Unbekannte chinesische Dichterin
Ich schlüpfe in mein seidenes Gewand
Ich schlüpfe in mein seidenes Gewand
lege nicht erst um das Gürtelband.
Male mir die Augenbrauen schön,
am offnen Fenster will ich stehn.
O diese Seide bleibt nie still –
wenn sie sich öffnet – nun dann will
ich sagen – dann sag ich geschwind:
O, das ist der Frühlingswind.
Unbekannte chinesische Dichterin
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
09 Apr 2021 07:21 #35038
von Kaninchen
Erkenntnis…
Mit dummen Mädchen, hab ich gedacht,
nichts ist mit Dummen anzufangen;
doch als ich mich an die Klugen gemacht,
da ist es mir noch schlimmer ergangen.
Die Klugen waren mir viel zu klug,
ihr Fragen machte mich ungeduldig,
und wenn ich selber das Wichtigste frug,
da blieben sie lachend die Antwort schuldig.
Heinrich Heine
Erkenntnis…
Mit dummen Mädchen, hab ich gedacht,
nichts ist mit Dummen anzufangen;
doch als ich mich an die Klugen gemacht,
da ist es mir noch schlimmer ergangen.
Die Klugen waren mir viel zu klug,
ihr Fragen machte mich ungeduldig,
und wenn ich selber das Wichtigste frug,
da blieben sie lachend die Antwort schuldig.
Heinrich Heine
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
10 Apr 2021 07:54 #35059
von Kaninchen
Die Abergläubische
Sie litt an starkem Aberglauben.
Man mühte sich, ihn ihr zu rauben,
und mehr als eine riet der Schönen,
sie möge sich ihn abgewöhnen.
Allein sie sprach: "Das geht nicht gut.
Es steckt mir so in Fleisch und Blut,
daß ich zum Beispiel meinen Mann
am Freitag nicht betrügen kann."
Arthur Pserhofer
1873 - 1907
deutscher Kabarettist, Schriftsteller und Komponist
Sie litt an starkem Aberglauben.
Man mühte sich, ihn ihr zu rauben,
und mehr als eine riet der Schönen,
sie möge sich ihn abgewöhnen.
Allein sie sprach: "Das geht nicht gut.
Es steckt mir so in Fleisch und Blut,
daß ich zum Beispiel meinen Mann
am Freitag nicht betrügen kann."
Arthur Pserhofer
1873 - 1907
deutscher Kabarettist, Schriftsteller und Komponist
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
11 Apr 2021 08:18 #35081
von Kaninchen
Die Sternseherin Lise
Ich sehe oft um Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
Die Stern' am Himmel an.
Sie gehn da, hin und her zerstreut
Als Lämmer auf der Flur;
In Rudeln auch, und aufgereiht
Wie Perlen an der Schnur.
Und funkeln alle weit und breit
Und funkeln rein und schön;
Ich seh’ die große Herrlichkeit
Und kann mich satt nicht sehn….
Dann saget unterm Himmelszelt
Mein Herz mir in der Brust:
“Es gibt was Bessers in der Welt
Als all ihr Schmerz und Lust.“
Ich werf mich auf mein Lager hin,
Und liege lange wach,
Und suche es in meinem Sinn:
Und sehne mich darnach.
Matthias Claudius (1740 - 1815), deutscher Dichter, Redakteur, Erzähler und Herausgeber des Wandsbecker Boten, Pseudonym Asmus
Quelle: Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812
Die Sternseherin Lise
Ich sehe oft um Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
Die Stern' am Himmel an.
Sie gehn da, hin und her zerstreut
Als Lämmer auf der Flur;
In Rudeln auch, und aufgereiht
Wie Perlen an der Schnur.
Und funkeln alle weit und breit
Und funkeln rein und schön;
Ich seh’ die große Herrlichkeit
Und kann mich satt nicht sehn….
Dann saget unterm Himmelszelt
Mein Herz mir in der Brust:
“Es gibt was Bessers in der Welt
Als all ihr Schmerz und Lust.“
Ich werf mich auf mein Lager hin,
Und liege lange wach,
Und suche es in meinem Sinn:
Und sehne mich darnach.
Matthias Claudius (1740 - 1815), deutscher Dichter, Redakteur, Erzähler und Herausgeber des Wandsbecker Boten, Pseudonym Asmus
Quelle: Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
12 Apr 2021 13:23 #35093
von Kaninchen
Gebet eines Spielmanns
Ich möchte wohl, wenn's möglich wär
Daß Gott bekäm, was ich bekam
Die Sorgen all, und all den Gram
Und daß ich Gott wär, so wie er.
Dann ging es ihm, wie's mir geschah
Ich zahlt ihm was mir ward zurück
Wie immer nur dem Schlechten ja
Gewährt wird seiner Güter Glück
So hole er sich dort den Dank
Und nicht bei mir für seine Gaben
Mir lieh er keinen Heller blank
Die Seele nur – die kann er haben.
Unbekannt
Spielmann mit dressierten Affen 1284
Ich möchte wohl, wenn's möglich wär
Daß Gott bekäm, was ich bekam
Die Sorgen all, und all den Gram
Und daß ich Gott wär, so wie er.
Dann ging es ihm, wie's mir geschah
Ich zahlt ihm was mir ward zurück
Wie immer nur dem Schlechten ja
Gewährt wird seiner Güter Glück
So hole er sich dort den Dank
Und nicht bei mir für seine Gaben
Mir lieh er keinen Heller blank
Die Seele nur – die kann er haben.
Unbekannt
Spielmann mit dressierten Affen 1284
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
13 Apr 2021 07:15 #35102
von Kaninchen
So bist du's wieder,
Vertrauter Raum ?
Die Jahre schwanden,
Mir ist's, wie Traum.
Die Jahre schwanden,
Seitdem voll Gram
Auf jenen Stufen
Ich Abschied nahm.
Noch zieht, wie damals
Im Thal der Fluß,
Es rauscht der Garten
Mir seinen Gruß;
Am Fenster grünt noch
Der Reben Kranz –
Nur wir, wie sind wir
Verwandelt ganz !
Die wir uns bauten
Mit kühnem Sinn,
Die goldnen Schlösser,
Wo sind sie hin !
Die goldnen Träume,
Von Lieb' und Lust –
Und doch, was wogst du,
Beklemmte Brust ?
Emanuel Geibel
(1815 - 1884), deutscher Lyriker und Dramatiker
Quelle: Geibel, E., Gedichte. Gedichte und Gedenkblätter, Stuttgart 1865. Zwölf Jugendlieder. Originaltext
Vertrauter Raum ?
Die Jahre schwanden,
Mir ist's, wie Traum.
Die Jahre schwanden,
Seitdem voll Gram
Auf jenen Stufen
Ich Abschied nahm.
Noch zieht, wie damals
Im Thal der Fluß,
Es rauscht der Garten
Mir seinen Gruß;
Am Fenster grünt noch
Der Reben Kranz –
Nur wir, wie sind wir
Verwandelt ganz !
Die wir uns bauten
Mit kühnem Sinn,
Die goldnen Schlösser,
Wo sind sie hin !
Die goldnen Träume,
Von Lieb' und Lust –
Und doch, was wogst du,
Beklemmte Brust ?
Emanuel Geibel
(1815 - 1884), deutscher Lyriker und Dramatiker
Quelle: Geibel, E., Gedichte. Gedichte und Gedenkblätter, Stuttgart 1865. Zwölf Jugendlieder. Originaltext
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.114 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte