Gedichte
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30 Apr 2021 07:34 #35402
von Kaninchen
Maler Frühling
Der Frühling ist ein Maler,
er malet alles an,
die Berge mit den Wäldern,
die Täler mit den Feldern:
Was der doch malen kann !
Auch meine lieben Blumen
schmückt er mit Farbenpracht:
Wie sie so herrlich strahlen !
So schön kann keiner malen,
so schön, wie er es macht.
O könnt ich doch so malen,
ich malt ihm einen Strauß
und spräch in frohem Mute
für alles Lieb und Gute
so meinen Dank ihm aus !
Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874), eigentlich August Heinrich Hoffmann, deutscher Schriftsteller
Der Frühling ist ein Maler,
er malet alles an,
die Berge mit den Wäldern,
die Täler mit den Feldern:
Was der doch malen kann !
Auch meine lieben Blumen
schmückt er mit Farbenpracht:
Wie sie so herrlich strahlen !
So schön kann keiner malen,
so schön, wie er es macht.
O könnt ich doch so malen,
ich malt ihm einen Strauß
und spräch in frohem Mute
für alles Lieb und Gute
so meinen Dank ihm aus !
Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874), eigentlich August Heinrich Hoffmann, deutscher Schriftsteller
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01 Mai 2021 07:14 #35426
von Kaninchen
Busch, Wilhelm
Jeder weiß, was so ein Maikäfer
für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
Fliegt und kriecht und krabbelt er.
Max und Moritz, immer munter,
Schütteln sie vom Baum herunter.
In die Tüte von Papiere
Sperren sie die Krabbeltiere.
Fort damit und in die Ecke
Unter Onkel Fritzens Decke!
Bald zu Bett geht Onkel Fritze
In der spitzen Zippelmütze;
Seine Augen macht er zu,
Hüllt sich ein und schläft in Ruh.
Doch die Käfer, kritze, kratze!
Kommen schnell aus der Matratze.
Schon faßt einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.
"Bau!" schreit er. "Was ist das hier ?"
Und erfaßt das Ungetier.
Und den Onkel, voller Grausen,
Sieht man aus dem Bette sausen.
"Autsch!" - Schon wieder hat er einen
Im Genicke, an den Beinen;
Hin und her und rundherum
Kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.
Onkel Fritz, in dieser Not,
Haut und trampelt alles tot
Guckste wohl, jetzt ist's vorbei
Mit der Käferkrabbelei !
Onkel Fritz hat wieder Ruh
Und macht seine Augen zu.
Jeder weiß, was so ein Maikäfer
für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
Fliegt und kriecht und krabbelt er.
Max und Moritz, immer munter,
Schütteln sie vom Baum herunter.
In die Tüte von Papiere
Sperren sie die Krabbeltiere.
Fort damit und in die Ecke
Unter Onkel Fritzens Decke!
Bald zu Bett geht Onkel Fritze
In der spitzen Zippelmütze;
Seine Augen macht er zu,
Hüllt sich ein und schläft in Ruh.
Doch die Käfer, kritze, kratze!
Kommen schnell aus der Matratze.
Schon faßt einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.
"Bau!" schreit er. "Was ist das hier ?"
Und erfaßt das Ungetier.
Und den Onkel, voller Grausen,
Sieht man aus dem Bette sausen.
"Autsch!" - Schon wieder hat er einen
Im Genicke, an den Beinen;
Hin und her und rundherum
Kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.
Onkel Fritz, in dieser Not,
Haut und trampelt alles tot
Guckste wohl, jetzt ist's vorbei
Mit der Käferkrabbelei !
Onkel Fritz hat wieder Ruh
Und macht seine Augen zu.
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02 Mai 2021 08:14 #35444
von Kaninchen
Der Gartenlaube !
Alle groß, und klein,
Freunde, tretet ein !
Hier ist Lustverein;
Traulich girrt die Taube
In der Gartenlaube.
Nach des Tages Müh’n,
Nach der Sonne Glüh’n,
Ruhet aus im Grün !
Purpurn reift die Traube
An der Gartenlaube.
Des Geschäftes Drang
Rollt die Welt entlang;
Hier lockt Becherklang;
Fern vom Straßenstaube
Grünt die Gartenlaube.
Mag der Winter auch
Plündern Baum und Strauch,
Nie dem kalten Hauch
Fall’ ein Blatt zum Raube
Unsrer Gartenlaube.
Stets einhelliger
und geselliger,
Stets gefälliger,
Schattiger belaube
Sich die Gartenlaube !
Friedrich Rückert
Freunde, tretet ein !
Hier ist Lustverein;
Traulich girrt die Taube
In der Gartenlaube.
Nach des Tages Müh’n,
Nach der Sonne Glüh’n,
Ruhet aus im Grün !
Purpurn reift die Traube
An der Gartenlaube.
Des Geschäftes Drang
Rollt die Welt entlang;
Hier lockt Becherklang;
Fern vom Straßenstaube
Grünt die Gartenlaube.
Mag der Winter auch
Plündern Baum und Strauch,
Nie dem kalten Hauch
Fall’ ein Blatt zum Raube
Unsrer Gartenlaube.
Stets einhelliger
und geselliger,
Stets gefälliger,
Schattiger belaube
Sich die Gartenlaube !
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03 Mai 2021 13:17 #35464
von Kaninchen
Gutmann und Gutweib
Altschottisch
Und morgen fällt St. Martins Fest,
Gutweib liebt ihren Mann;
Da knetet sie ihm Puddings ein
Und bäckt sie in der Pfann'.
Im Bette liegen beide nun,
Da saust ein wilder West;
Und Gutmann spricht zur guten Frau:
"Du riegle die Türe fest !"
"Bin kaum erholt und halb erwarmt,
Wie käm ich da zu Ruh?
Und klapperte sie einhundert Jahr,
Ich riegelte sie nicht zu!"
Drauf eine Wette schlossen sie
Ganz leise sich ins Ohr:
So wer das erste Wörtlein spräch',
Der schöbe den Riegel vor.
Zwei Wanderer kommen um Mitternacht
Und wissen nicht, wo sie stehn;
Die Lampe losch, der Herd verglomm,
Zu hören ist nichts, zu sehn.
"Was ist das für ein Hexenort ?
Da bricht uns die Geduld!"
Doch hörten sie kein Sterbenswort,
Des war die Türe schuld.
Den weißen Pudding speisten sie,
Den Schwarzen ganz vertraut;
Und Gutweib sagte sich selber viel,
Doch keine Silbe laut.
Zum anderen sprach der eine dann:
"Wie trocken ist mir der Hals!
Der Schrank, der klafft, und geistig riechts,
Da findet sich's allenfalls.
Ein Fläschchen Schnaps ergreif ich da,
Das trifft sich doch geschickt!
Ich bring es dir, du bringst es mir,
Und bald sind wir erquickt."
Doch Gutmann sprang so heftig auf
Und fuhr sie drohend an:
"Bezahlen soll mit teurem Geld,
Wer mir den Schnaps vertan !"
Und Gutweib sprang auch froh heran,
Drei Sprünge, als wär sie reich:
"Du Gutmann sprachst das erste Wort,
Nun riegle die Türe gleich !"
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung
Altschottisch
Und morgen fällt St. Martins Fest,
Gutweib liebt ihren Mann;
Da knetet sie ihm Puddings ein
Und bäckt sie in der Pfann'.
Im Bette liegen beide nun,
Da saust ein wilder West;
Und Gutmann spricht zur guten Frau:
"Du riegle die Türe fest !"
"Bin kaum erholt und halb erwarmt,
Wie käm ich da zu Ruh?
Und klapperte sie einhundert Jahr,
Ich riegelte sie nicht zu!"
Drauf eine Wette schlossen sie
Ganz leise sich ins Ohr:
So wer das erste Wörtlein spräch',
Der schöbe den Riegel vor.
Zwei Wanderer kommen um Mitternacht
Und wissen nicht, wo sie stehn;
Die Lampe losch, der Herd verglomm,
Zu hören ist nichts, zu sehn.
"Was ist das für ein Hexenort ?
Da bricht uns die Geduld!"
Doch hörten sie kein Sterbenswort,
Des war die Türe schuld.
Den weißen Pudding speisten sie,
Den Schwarzen ganz vertraut;
Und Gutweib sagte sich selber viel,
Doch keine Silbe laut.
Zum anderen sprach der eine dann:
"Wie trocken ist mir der Hals!
Der Schrank, der klafft, und geistig riechts,
Da findet sich's allenfalls.
Ein Fläschchen Schnaps ergreif ich da,
Das trifft sich doch geschickt!
Ich bring es dir, du bringst es mir,
Und bald sind wir erquickt."
Doch Gutmann sprang so heftig auf
Und fuhr sie drohend an:
"Bezahlen soll mit teurem Geld,
Wer mir den Schnaps vertan !"
Und Gutweib sprang auch froh heran,
Drei Sprünge, als wär sie reich:
"Du Gutmann sprachst das erste Wort,
Nun riegle die Türe gleich !"
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung
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04 Mai 2021 07:38 #35479
von Kaninchen
Hat alles auf Erden
sein' Zeit und sein Ziel,
Sorge und Leiden
und fröhliches Spiel.
Zieh' deine Straße
im eigenen Licht !
Lebe lebendig !
Mehr braucht es nicht !
Das andre erfüllt sich,
so wie es muß !
Lebendiges kommt
zum lebendigen Schluß.
Unbekannt
Quelle: Sonntagsfeier. Andachten aus der Schatzkammer der Denker und Dichter
Hat alles auf Erden
sein' Zeit und sein Ziel,
Sorge und Leiden
und fröhliches Spiel.
Zieh' deine Straße
im eigenen Licht !
Lebe lebendig !
Mehr braucht es nicht !
Das andre erfüllt sich,
so wie es muß !
Lebendiges kommt
zum lebendigen Schluß.
Unbekannt
Quelle: Sonntagsfeier. Andachten aus der Schatzkammer der Denker und Dichter
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05 Mai 2021 07:49 #35510
von Kaninchen
Für Mutter...
"Mutter hat immer nur Arbeit und Plag',
kennt keine Ruhe bei Nacht und bei Tag.
Heut' ging sie fort! Darum helft alle drei:
Heut' kochen wir für die Mutter den Brei !"
Milch nimmt der Walter, das Mehl rührt er an.
Dann kommt der Zucker und Zimt noch dran;
Pfeffer, ein bißchen, ein klein wenig Salz,
Muskat und Senf und ein Löffelchen Schmalz.
Essig ein Spritzerchen muß noch hinein
Kakaopulver schmeckt herrlich und fein.
Nun wird gerührt und der Brei gekocht.
"Horcht! Hat's nicht g'rad an der Türe gepocht ?"
"Komm, liebe Mutter, der Tisch ist gedeckt !
Ja, du wirst staunen, wie gut es dir schmeckt,
und was du für tüchtige Köchinnen hast;
heut' bist du bei uns Kindern zu Gast."
Mutter probiert und beinah wird ihr schlecht.
"Fehlt was am Brei ? Ist etwas nicht recht ?"
Da lacht die Mutter, spricht mahnend dabei:
"Ja, viele Köche verderben den Brei !"
Unbekannt
"Mutter hat immer nur Arbeit und Plag',
kennt keine Ruhe bei Nacht und bei Tag.
Heut' ging sie fort! Darum helft alle drei:
Heut' kochen wir für die Mutter den Brei !"
Milch nimmt der Walter, das Mehl rührt er an.
Dann kommt der Zucker und Zimt noch dran;
Pfeffer, ein bißchen, ein klein wenig Salz,
Muskat und Senf und ein Löffelchen Schmalz.
Essig ein Spritzerchen muß noch hinein
Kakaopulver schmeckt herrlich und fein.
Nun wird gerührt und der Brei gekocht.
"Horcht! Hat's nicht g'rad an der Türe gepocht ?"
"Komm, liebe Mutter, der Tisch ist gedeckt !
Ja, du wirst staunen, wie gut es dir schmeckt,
und was du für tüchtige Köchinnen hast;
heut' bist du bei uns Kindern zu Gast."
Mutter probiert und beinah wird ihr schlecht.
"Fehlt was am Brei ? Ist etwas nicht recht ?"
Da lacht die Mutter, spricht mahnend dabei:
"Ja, viele Köche verderben den Brei !"
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