Gedichte
- Kaninchen
-
- Abwesend
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28367
07 Sep 2021 07:39 #37740
von Kaninchen
Die Deutschen im Auslande
Ihr Deutschen unter fremden Sternen,
In meergeschiedenen weiten Fernen,
Ihr sollt die Sprache nie verlernen.
Die wohllautreiche, starke, milde,
Die schönheitvollen Klanggebilde,
Die in des alten Lands Gefilde
Dereinst zu euch die Mutter sprach;
In euren Herzen tönt sie nach:
Wer sie vergißt – dem Weh und Schmach !
Die Sprache Shakespeares trägt der Britte
Ich lob' ihn drum! – wie seine Sitte
Getreu in fremder Lande Mitte:
Und Schiller soll vergessen sein ?
Ihr deutschen Männer rufet: Nein !
Ihr deutschen Frauen, stimmet ein,
Und eure Mädchen soll'n und Knaben
Als köstlichste von allen Gaben
Das Kleinod deutscher Sprache haben !
Felix Dahn (1834 - 1912), deutscher Professor für Rechtswissenschaften, Schriftsteller und Historiker
Die Sütterlinschrift, meist einfach Sütterlin genannt, ist eine im Jahr 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschrift für das Erlernen von Schreibschrift in der Schule.
Ihr Deutschen unter fremden Sternen,
In meergeschiedenen weiten Fernen,
Ihr sollt die Sprache nie verlernen.
Die wohllautreiche, starke, milde,
Die schönheitvollen Klanggebilde,
Die in des alten Lands Gefilde
Dereinst zu euch die Mutter sprach;
In euren Herzen tönt sie nach:
Wer sie vergißt – dem Weh und Schmach !
Die Sprache Shakespeares trägt der Britte
Ich lob' ihn drum! – wie seine Sitte
Getreu in fremder Lande Mitte:
Und Schiller soll vergessen sein ?
Ihr deutschen Männer rufet: Nein !
Ihr deutschen Frauen, stimmet ein,
Und eure Mädchen soll'n und Knaben
Als köstlichste von allen Gaben
Das Kleinod deutscher Sprache haben !
Felix Dahn (1834 - 1912), deutscher Professor für Rechtswissenschaften, Schriftsteller und Historiker
Die Sütterlinschrift, meist einfach Sütterlin genannt, ist eine im Jahr 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschrift für das Erlernen von Schreibschrift in der Schule.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Abwesend
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28367
08 Sep 2021 07:59 #37756
von Kaninchen
Wechsel
Mit Brünetten hat's eine Ende !
Ich gerate dieses Jahr
Wieder in die blauen Augen,
Wieder in das blonde Haar.
Die Blondine, die ich liebe,
Ist so fromm, so sanft, so mild !
In der Hand den Lilienstengel,
Wäre sie ein Heil'genbild.
Schlanke, schwärmerische Glieder,
Wenig Fleisch, sehr viel Gemüt;
Und für Liebe, Hoffnung, Glaube
Ihre ganze Seele glüht.
Sie behauptet, sie verstünde
Gar kein Deutsch – ich glaub es nicht.
Niemals hättest du gelesen
Klopstocks himmlisches Gedicht ?
Heinrich Heine
1797-1856 deutscher Dichter
Mit Brünetten hat's eine Ende !
Ich gerate dieses Jahr
Wieder in die blauen Augen,
Wieder in das blonde Haar.
Die Blondine, die ich liebe,
Ist so fromm, so sanft, so mild !
In der Hand den Lilienstengel,
Wäre sie ein Heil'genbild.
Schlanke, schwärmerische Glieder,
Wenig Fleisch, sehr viel Gemüt;
Und für Liebe, Hoffnung, Glaube
Ihre ganze Seele glüht.
Sie behauptet, sie verstünde
Gar kein Deutsch – ich glaub es nicht.
Niemals hättest du gelesen
Klopstocks himmlisches Gedicht ?
Heinrich Heine
1797-1856 deutscher Dichter
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Abwesend
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28367
09 Sep 2021 07:25 #37766
von Kaninchen
Reiz des Lebens
Immer hab' ich es geliebt,
Dass es Leute, die lebendig,
Solche, die nur öd-verständig,
Solche, die schon halb elendig,
Und auch ganze Narren gibt !
Was auch hätten wir zu tun,
Und was könnt' uns amüsieren,
Schwankten wir nicht zwischen Tieren
Und den göttlichsten Manieren ?
Alles Leben müsste ruhn.
Blas, du Erdenwirbelwind,
Uns das Dasein scharf zu beizen !
Wollen uns nicht gegenspreizen -
Und besonders soll's uns reizen
Wenn wir selbst die Narren sind !
Hanns von Gumppenberg
1866-1928
deutscher Dichter
Reiz des Lebens
Immer hab' ich es geliebt,
Dass es Leute, die lebendig,
Solche, die nur öd-verständig,
Solche, die schon halb elendig,
Und auch ganze Narren gibt !
Was auch hätten wir zu tun,
Und was könnt' uns amüsieren,
Schwankten wir nicht zwischen Tieren
Und den göttlichsten Manieren ?
Alles Leben müsste ruhn.
Blas, du Erdenwirbelwind,
Uns das Dasein scharf zu beizen !
Wollen uns nicht gegenspreizen -
Und besonders soll's uns reizen
Wenn wir selbst die Narren sind !
Hanns von Gumppenberg
1866-1928
deutscher Dichter
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Abwesend
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28367
10 Sep 2021 07:25 #37786
von Kaninchen
Gründer
Geschäftig sind die Menschenkinder,
Die große Zunft von kleinen Meistern,
Als Mitbegründer, Miterfinder
Sich diese Welt zurechtzukleistern.
Nur leider kann man sich nicht einen,
Wie man das Dinge am besten mache.
Das Bauen mit belebten Steinen
Ist eine höchst verzwickte Sache.
Welch ein Gedrängel und Getriebe
Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage,
Und unaufhörlich setzt es Hiebe,
Und unaufhörlich tönt die Klage.
Gottlob, es gibt auch stille Leute,
Die meiden dies Gewühl und hassen's
Und bauen auf der andern Seite
Sich eine Welt des Unterlassens.
Wilhelm Busch
Geschäftig sind die Menschenkinder,
Die große Zunft von kleinen Meistern,
Als Mitbegründer, Miterfinder
Sich diese Welt zurechtzukleistern.
Nur leider kann man sich nicht einen,
Wie man das Dinge am besten mache.
Das Bauen mit belebten Steinen
Ist eine höchst verzwickte Sache.
Welch ein Gedrängel und Getriebe
Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage,
Und unaufhörlich setzt es Hiebe,
Und unaufhörlich tönt die Klage.
Gottlob, es gibt auch stille Leute,
Die meiden dies Gewühl und hassen's
Und bauen auf der andern Seite
Sich eine Welt des Unterlassens.
Wilhelm Busch
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Abwesend
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28367
11 Sep 2021 07:45 #37802
von Kaninchen
O wie lieblich
O wie lieblich, o wie schicklich
sozusagen herzerquicklich
ist doch für eine Gegend,
wenn zwei Leute, die vermögend,
außerdem mit sich zufrieden,
aber von Geschlecht verschieden,
wenn nun diese, sag ich, ihre
dazu nötigen Papiere
sowie die Haushaltssachen
endlich mal in Ordnung machen
und in Ehren und beizeiten
hin zum Standesamte schreiten,
wie es denen, welche lieben,
vom Gesetze vorgeschrieben,
dann ruft jeder freudiglich:
Gott sei Dank! Sie haben sich.
Wilhelm Busch
O wie lieblich, o wie schicklich
sozusagen herzerquicklich
ist doch für eine Gegend,
wenn zwei Leute, die vermögend,
außerdem mit sich zufrieden,
aber von Geschlecht verschieden,
wenn nun diese, sag ich, ihre
dazu nötigen Papiere
sowie die Haushaltssachen
endlich mal in Ordnung machen
und in Ehren und beizeiten
hin zum Standesamte schreiten,
wie es denen, welche lieben,
vom Gesetze vorgeschrieben,
dann ruft jeder freudiglich:
Gott sei Dank! Sie haben sich.
Wilhelm Busch
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Abwesend
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28367
12 Sep 2021 07:48 #37812
von Kaninchen
Sehnsucht im Herbst
O welch ein Lied mit süßen Heimatsklängen,
Welch ein Akkord voll Glück und Schmerz,
Als ob die Nachtigallen alle sängen,
Erregt aufs Neue mir das Herz !
Ihr Nachtigallen, könnt ich mit euch ziehn !
Mich zieht es hin zu jenen linden Lüften,
Wie es den Vogel nach dem Maimond zieht,
Zu Lorbeerhainen, ach zu Sonnentriften !
Mein Vaterland ist, wo der Frühling blüht,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht!
Mein Sinn, mein – Trübsinn nach der Heimat steht !
O lockend Lied, wer ist wie du beredt ?
Ludwig Eichrodt
1827 - 1892
deutscher Schriftsteller, seinen »Gedichten des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermeier und seines Freundes Horatius Treuherz« verdankt der Zeitstil seinen Namen ›Biedermeier‹
O welch ein Lied mit süßen Heimatsklängen,
Welch ein Akkord voll Glück und Schmerz,
Als ob die Nachtigallen alle sängen,
Erregt aufs Neue mir das Herz !
Ihr Nachtigallen, könnt ich mit euch ziehn !
Mich zieht es hin zu jenen linden Lüften,
Wie es den Vogel nach dem Maimond zieht,
Zu Lorbeerhainen, ach zu Sonnentriften !
Mein Vaterland ist, wo der Frühling blüht,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht!
Mein Sinn, mein – Trübsinn nach der Heimat steht !
O lockend Lied, wer ist wie du beredt ?
Ludwig Eichrodt
1827 - 1892
deutscher Schriftsteller, seinen »Gedichten des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermeier und seines Freundes Horatius Treuherz« verdankt der Zeitstil seinen Namen ›Biedermeier‹
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.174 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte