Gedichte

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20 Aug 2021 08:02 #37478 von Kaninchen
Verstehe kein Wort   

D Liebi

S git öppis, s isch finer
As s allerfinschti Gwäb,
Und doch isch es stercher
As isigi Stäb.
S isch früscher as s Bluescht, wo am Öpfelbaum stoht,
Wie Schnee uf de Bärge, wo nümme vergoht,
Bald bitter wie Galle,
Bald süesser as Hung,
S läbt mängs hundert Johr und blibt allewil jung,
S isch höcher as d Stärne
Und teufer as s Meer:
Was müesst mer au afoh, wenn d Liebi nid wer !

Sophie Haemmerli-Marti    
(1868 - 1942), Aargauer Dichtern, gilt heute als wichtigste Mundartdichterin der Schweiz

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21 Aug 2021 07:13 #37496 von Kaninchen
 

Ich trat hinein zur Küchentür ...

Ich trat hinein zur Küchentür
Und brannte an mein Pfeifchen mir,
Das heißt, ich hätt' es angebrannt,
Hätt' es nicht ohnehin gebrannt.

Mein Pfeifchen, ei das brannte fein,
Ich trat auch nicht deshalb hinein,
Ich trat nur ein, weil ich gesehn
Ein Mädel drin am Herde stehn.

Sie schürt die Glut, legt Holz darauf,
Die Flamme lodert lustig auf,
Doch heller flammt es noch fürwahr
Aus ihrem dunklen Augenpaar !

Ich trat hinein, sie sah mich an,
Da hatte sie mir's angetan:
Mein brennend Pfeiflein ging mir aus,
Ich trug ein brennend Herz nach Haus !

Sándor Petőfi 
1823 - 1849, gefallen, ungarischer Schauspieler, Soldat, Student und Dichter, übersetzte u. a. Schiller und Shakespeare

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22 Aug 2021 07:32 #37504 von Kaninchen
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.
Auch Früchte gehören zu unsrer Diät.
Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.

Erich Mühsam (1878 - 1934

Quelle: Mühsam, E., Gedichte. Aus: Der Gesang der Vegetarier. Ein alkoholfreies Trinklied

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23 Aug 2021 07:34 #37524 von Kaninchen
An die Hausmutter

Wenn du nur frisch und fröhlich bist,
gleich sind wir's alle auch,
und uns umweht's zu jeder Frist
wie milder Frühlingshauch.

Du bist die Sonn' in unserm Haus;
strahlst da nur wolkenfrei,
so blüht im wildsten Zeitgebraus
uns doch der schönste Mai.

Walt's Gott denn, daß es Tag für Tag
nur so durch dich uns mait,
dann sprechen wir, was kommen mag,
stets, stets von guter Zeit.

 

Friedrich Adolf Krummacher
1767 - 1845
deutscher Dichter

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24 Aug 2021 07:20 #37538 von Kaninchen
"Hugo", sprach ich. Hugo nieste.
"Hugo", sprach ich. Hugo spießte
Eine Filzlaus mit dem Pfeil.
"Hugo", sprach ich, "Weidmannsheil !"

Carl Georg von Maassen (1880 - 1940), deutscher Literaturhistoriker, Bibliophiler und Gastrosoph

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25 Aug 2021 07:15 #37553 von Kaninchen
»Ich meine doch«, so sprach er mal,
»Die Welt ist recht pläsierlich.
Das dumme Geschwätz von Schmerz und Qual
Erscheint mir ganz ungebührlich.
Mit reinem kindlichem Gemüt
Genieß' ich, was mir beschieden,
Und durch mein ganzes Wesen zieht
Ein himmlischer Seelenfrieden.«

Kaum hat er diesen Spruch getan –
Aujau –, so schreit er kläglich.
Der alte hohle Backenzahn
Wird wieder mal unerträglich.

Wilhelm Busch

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