Gedichte

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03 Dez 2021 07:12 #38960 von Kaninchen
Wer kann in guten Tagen,
So lang das Glücke mild,
Und es zu Tische gilt,
Von rechter Liebe sagen ?
Ob einer ist mein Freund,
Und ob er's treulich meint,
Wird daran nicht erkennet,
Wenn er mich Bruder nennet.

Wenn's Glück einst von mir weichet,
Wer's dann am besten meint,
Und mir die Hände reichet,
Der ist mein rechter Freund.

Adam Olearius
1603 - 1671
eigentl. Oehlschlegel oder Ölschläger
deutscher Schriftsteller und Diplomat

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04 Dez 2021 07:41 #38978 von Kaninchen
Konkurrenz

Ich kenne ein liebliches Mädchen,
für das mein Herz entbrennt;
jedoch ihr Vater ist leider
mein schlimmster Konkurrent.
Gelangt seine Firma zur Blüte,
dann komme ich auf den Hund,
doch siege ich in dem Kampfe,
geht er gewißlich zugrund.

Bleibt jener andere Sieger,
ist sie eine gute Partie,
dann gibt er mir armer Schlucker
die einzige Tochter nie;
doch schlage ich ihn aus dem Felde,
ist die Heirat ein mißlicher Schritt,
dann bringt meine Herzallerliebste
keinen einzigen Kreuzer mit.

"Einst waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb
und konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief."
Leb' wohl, mein schwarzbraunes Mädchen,
Leb' wohl, o Liebe und Lenz !
Viel schlimmer als meertiefes Wasser
ist unsere Konkurrenz.

Heinrich Schäffer
1753 - 1833
deutscher Dichter

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05 Dez 2021 07:52 #39004 von Kaninchen
GOTTFRIED KELLER

Winternacht

Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,
Still und blendend lag der weiße Schnee
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.

Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Ästen klomm die Nix’ herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.

Auf dem dünnen Glase stand ich da,
Das die schwarze Tiefe von mir schied:
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.

Mit ersticktem Jammer tastet’ sie
An der harten Decke her und hin,
Ich vergeß’ das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn !

1851

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06 Dez 2021 07:21 - 06 Dez 2021 07:23 #39019 von Kaninchen
Über den Wolken
Lauschen die Sterne,
Hinter den Nebeln
Lächelt die Ferne.
Brich durch die Ängste,
Fliege, mein Mut !
Deine Gestirne
Führen dich gut.

 

Hermann Kurz
1812 - 1873 bis 1848
deutscher Theologe und Schriftsteller
Letzte Änderung: 06 Dez 2021 07:23 von Kaninchen.

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09 Dez 2021 17:41 #39042 von Kaninchen
Ein Held ohne Herz,
eine Jungfer ohne Scherz,
ein Freier ohne Liebe,
ein Jahrmarkt ohne Diebe,
ein Speicher ohne Mäuse,
ein alter Pelz ohne Läuse,
ein alter Bock ohne Bart:
die alle sind verkehrter Art.

 

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10 Dez 2021 09:18 #39053 von Kaninchen
Die drei Spatzen

 


Christian Morgenstern

In einem leeren Haselstrauch
Da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
Und mitten drin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
Und obendrüber da schneit es, hu !

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hats niemand nicht.

Sie hören alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

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