Gedichte

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10 Nov 2021 07:26 #38579 von Kaninchen
Der Geadelte

Als Bürger ging ich gestern schlafen und schnarcht' als Bürger durch die Nacht,
Und heute früh bin ich geadelt aus meinem Bürgertraum erwacht.
Da fühlt' ich grob und plump im Magen mein bürgerliches Abendbrot:
So hat man mit dem Bürgerwesen im Adel seine liebe Noth !

Wilhelm Müller
1794 - 1827
genannt Griechen-Müller, deutscher Liederdichter und Philhellene

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11 Nov 2021 07:33 - 11 Nov 2021 07:34 #38594 von Kaninchen
Im Herbst bei kaltem Wetter
fallen vom Baum die Blätter.

- Donnerwetter !

Im Frühjahr dann
sind sie wieder dran.

Sieh mal an.

Heinz Erhardt
Letzte Änderung: 11 Nov 2021 07:34 von Kaninchen.

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12 Nov 2021 07:36 #38605 von Kaninchen
In dem Wasser schnalzt der Fisch,
Lustig wer noch ledig ist.


Achim von Arnim
deutscher Dichter der Romantik
Quelle: Brentano/Arnim, Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, 3 Bde., 1805-1808. An Herrn Kapellmeister Reichardt

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13 Nov 2021 07:41 #38617 von Kaninchen
Der Schadenfrohe

Ein Dornstrauch stand im Wiesental
An einer Stiege, welche schmal,
Und ging vorüber irgendwer,
Den griff er an und kratzte er.
Ein Lämmlein kam dahergehupft.
Das hat er ebenfalls gerupft.

Es sieht ihn traurig an und spricht:
»Du brauchst doch meine Wolle nicht,
Und niemals tat ich dir ein Leid.
Weshalb zerrupfst du denn mein Kleid ?
Es tut mir weh und ist auch schad.«

»Ei«, rief der Freche, »darum grad !«

Wilhelm Busch

 

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14 Nov 2021 08:15 #38636 von Kaninchen
Das Tier vermag nicht auszudrücken,
Was es im Innersten bewegt.
Doch liest man wohl aus seinen Blicken,
Was sich in seinem Herzen regt.

Versteht das Tier auch nicht zu sprechen,
So merk: Es redet doch mit dir.
Und wenn des Tieres Augen brechen,
Fühlst du gewiß: Es spricht mit mir.

Hermann Dechent
1850 - 1935
deutscher lutherischer Theologe und Pfarrer

 

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15 Nov 2021 07:29 #38651 von Kaninchen
Es gehört nicht viel dazu
Einander glücklich zu machen:
Ein bißchen Liebe nur
Und ein befreiendes Lachen
Und die Klugheit, zu wissen,
Daß wir lauter Bettler sind,
Die von Pfennigen leben müssen,
Die man am Weg gewinnt.

 

A. de Nora (1864 - 1936), Pseudonym für Anton Alfred Noder, deutscher Arzt und Dichter

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