Gedichte

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26 Jan 2022 08:24 #39628 von Kaninchen
Ich fühl´ mich wie ein kleiner Zwerg
neben diesem Wäscheberg.
Drum halte ich mich lieber ran,
und schmeiße die Maschine an.

Dann geht das Sortieren an,
weiß zu weiß, und bunt zu bunt


Pulver in das Fach hinein,
ich schalte die Maschine ein.
sie dreht sich rund und rund herum,
der Waschgang geht im Flug herum.

Dann schalt ich die Maschine aus
und nehme alle Sachen raus
Für Wolle Wäsche und das Feine
geht es als nächstes auf die Leine.

Bügeln ist leider ein Muß.
Dann ist aber endlich Schluß.

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27 Jan 2022 08:07 #39636 von Kaninchen
Ein jeder Tag hat seine Plage;
Hat nun der Monat 30 Tage,
So ist das Elend klar.

In Dir kann man sicher sagen,
daß man die kleinste Last getragen,
O schöner Februar


Georg Christian Vernhardi
1722 - 1789
deutscher Schriftsteller

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28 Jan 2022 08:04 #39646 von Kaninchen
Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschen
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.

O bittre Winterhärte
Die Nasen sind erfroren
Und die Klavierkonzerte
Zerreißen uns die Ohren.

Weit besser ist es im Summer
Da kann ich im Walde spazieren
Allein mit meinem Kummer
Und Liebeslieder skandieren.


Heinrich Heine

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29 Jan 2022 11:29 #39655 von Kaninchen
Der echte Dichter
(Wie man sich früher ihn dachte)

Ein Dichter, ein echter, der Lyrik betreibt,
Mit einer Köchin ist er beweibt.
Seine Kinder sind schmuddlig und unerzogen,
Kommt der Mietszettelmann, so wird tüchtig gelogen,
Gelogen, gemogelt, wird überhaupt viel,
Fabulieren ist ja Zweck und Ziel.

Und ist er gekämmt und gewaschen zuzeiten,
So schafft das nur Verlegenheiten,
Und ist er gar ohne Wechsel und Schulden
Und empfängt er pro Zeile ´nen halben Gulden
Oder pendeln ihm Orden am Frack hin und her,
so ist er garkein Dichter mehr,
Eines echten Dichters eigene Welt
ist der Himmel - und ein Zigeunerzelt.


Theodor Fontane

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30 Jan 2022 13:34 #39664 von Kaninchen
Da bist Du ja wieder,
und lachst
wie damals
da du uns im Boot ertapptest draußen auf
den stillen Wassern
und da wir uns ins Abendrot
verirrt hätten, wenn du nicht plötzlich hinter
uns gestanden ...
alter, mißgünstiger Gesell du !
ewig allein und einsam !

Freilich
so allein und einsam bin ich ja nun auch !
Und wenn ich´s recht bedenke
möchte ich eigentlich nur : es könnte mir Alles
auch so wurst sein, was auf dieser Welt vorgeht
wie dir ...
alter, lieber, kluger Mond !


Cäsar Flaischlen

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31 Jan 2022 08:32 #39674 von Kaninchen
Letzte Fahrt

An meinem Todestag - ich werd´ ihn nicht erleben -
da soll es mittags Rote Grütze geben,
mit einer fetten, weißen Sahneschicht ...
von wegen : Leibgericht.

Mein Kind, der Ludolf, bohrt sich kleine Dinger
aus seiner Nase - niemand haut ihm auf die Finger.
Er strahlt als einziger im Trauerhaus
und ich lieg da und denk : "Ach, polk dich aus !"

Dann tragen Männer mich vors Haus hinunter,
nun faßt der Karlchen die Blondine unter,
die mir zuletzt noch dies und jenes lieh...
Sie findet : Trauer kleidet sie.

Der Zug ruckt an und alle Damen
die jemals, wenn was fehlte, zu mir kamen,
vollzählig sind sie heut noch da...
Und vorne rollt Papa.

Da fährt die ich damals ohne
die leiseste Erfahrung küßte - die Matrone
sitzt schlicht im Fond, mit kleinem Trauerhut.
Altmodisch war sie, aber sie war gut.

Und Lotte ! Lottchen mit dem kleinen Jungen !
Briefträger jetzt ! Wie ist mir der gelungen ?
Ich sah ihn nie, doch wo er immer schritt,
mein Postscheck ging durch sechzehn Jahre mit.

Auf rotem, samtnem Kissen im Spaliere
da tragen feierlich zwei Reichswehroffiziere
die Orden durch die ganze Stadt,
die mir mein Kaiser einst verliehen hat.

Und hinterm Sarg mit seinen Silberputten
da schreiten zwoundzwanzig Nutten -
sie schluchzen innig und mit viel System -
ich war zuletzt als Kunde sehr bequem.

Das Ganze halt ! Jetzt wird es dionysisch !
Nun singt ein Chor, ich lächle metaphysisch
Wie wird die schwarzgestrichne Kiste groß !
Ich schweige tief
Und bin mich endlich los.


Kurt Tucholsky

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