Gedichte

Mehr
12 Okt 2022 17:25 #42283 von Kaninchen
Sehnsucht

Ich sehne mich den ganzen Tag
nach einer Stunde Müßiggang,
nach einem kleinen Winkelchen,
fern allem Lärm und Tagesdrang;
Nach einer Stunde, da mein Herz
die schönen Worte ungestört
und alles, was Du mir gesagt,
süß im geheimen wieder hört.

Friede port
dt. Lyrikerin
u.a. mit Paul Heyse befreundet

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
13 Okt 2022 17:49 #42294 von Kaninchen
 

Venus stellt sich lieblich dar,
aber laß Dich nicht verblenden :
Ihre falsche Süßigkeit
wird allzeit mit Gallen enden;
Venus bringt um Ehr´ und Habe,
Venus schwächet Geist und Brust,
gibt zu Zentnern Reu´ und Schmerzen
und zu Loten schnöde Lust.

Johann Grob
schweiz. Epigrammdichter

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
14 Okt 2022 07:17 #42304 von Kaninchen
 

Altweibersommer

Einstmals nannte man es "weiben",
wenn die Spinnen ihre Netze
webten - und zu allen Zeiten
taten sie dies ohne Hetze.

Und am allerliebsten dann
später, wenn der Sommer alt,
so entstand dann irgendwann
der "Altweibersommer" halt

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
15 Okt 2022 08:01 #42314 von Kaninchen
 

Joseph von Eichendorff

Herbst

Nun laß den Sommer gehen,
laß Sturm und Winde wehen,
bleibt diese Rose mein,
wie könnt´ ich traurig sein ?

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
17 Okt 2022 18:56 #42333 von Kaninchen
 

Im Herbst sammelte ich
alle meine Sorgen und vergrub
sie in meinem Garten.
Als der Frühling wiederkehrte - im April -
um die Erde zu heiraten,
da wuchsen in meinem Garten schöne Blumen.

Khalil Gibran

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
19 Okt 2022 17:25 #42352 von Kaninchen
Gern bin ich allein an des Meeresstrand
wenn der Sturmwind heult und die See geht hohl,
wenn die Wogen mit Macht rollen zu Land,
oh wie wird mir so kühn und so wonnig und wohl !

Die segelnde Möwe, sie ruft ihren Gruß
aus jagenden Wolken herab;
Die schäumende Woge, sie leckt meinen Fuß
als wüßten sie beide, wie gern ich sie hab´.

Und der Sturm, der lustig das Haar mir zaust,
und die Möw´ und die Wolke, die droben zieht,
und das Meer, das da vor mir brandet und braust,
sie lehren mich alle manch herrliches Lied.

Doch des Lebens erbärmlicher Sorgendrang,
oh wie sinkt er zurück, wie vergeß´ ich ihn
wenn die Wogenmusik und der Sturmgesang
durch das hochaufschauernde Herz mir ziehn !

Hermann Allmers
dt. Schriftsteller
"Marschendichter"

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Ladezeit der Seite: 0.104 Sekunden
Powered by Kunena Forum