Gedichte

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03 Sep 2022 12:25 #41884 von Kaninchen
 

Ich habe den Frühling gesehen,
ich habe die Blumen begrüßt
der Nachtigall Stimmen belauschet,
ein himmlisches Mädchen geküßt.

Der liebliche Lenz ist entschwunden,
die Rosen sind alle verblüht,
in das Grab ist mein Liebchen versunken,
und verstummt ist der Nachtigall Lied.

Der liebliche Lenz kehret wieder,
die Blumen blühn all wieder auf,
die Nachtigall stimmt frohe Lieder,
nur mein Liebchen, das wacht nimmer auf,

Was ist doch der Mensch hier auf Erden,
wie eine Blume, so fällt er ab,
da kommt ein rauher Wind gezogen
und stürzt uns alle in das Grab.

Volksweise

 

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04 Sep 2022 14:29 #41896 von Kaninchen
 

Heidenröslein

Johann Wolfgang von Goethe

Sah´ ein Knab´ ein Röslein steh´n,
Röslein auf der Heiden,
war so jung und morgenschön,
lief er schnell, es nah zu seh´n,
sah´s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach : "Ich breche Dich,
Röslein auf der Heiden".
Röslein sprach : "Ich steche Dich,
daß Du ewig denkst an mich,
und ich will´s nicht leiden".
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
´s Röslein auf der Heiden.
Röslein wehrte sich und stach,
half ihm doch kein Weh und Ach,
mußt´ es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.


Verfasst ca. 1770
veröffentlicht 1789

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06 Sep 2022 11:42 #41915 von Kaninchen
 

Max Dauthendey

Nachtfalter

Nachtfalter kommen verloren
wie Gedanken aus dem Dunkel geboren,
sie müssen dem Tag aus dem Wege gehen
und kommen zum Fenster um hell zu sehen.
Und in die Nachtstille versunken,
flattern sie zuckend und trunken,
sie haben nie Sonne, nie Honig genossen,
die Blumen alle sind ihnen verschlossen.
Nur wo bei Lampen die Sehnsucht wacht,
Verliebte sich grämen in schlafloser Nacht
da stürzen sie sich in das Licht, sich zu wärmen.
Das Licht, das Tränen bescheint und Härmen :
Die Falter der Nacht, die Sonne nie kennen,
sie müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen.

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08 Sep 2022 09:05 #41934 von Kaninchen
 

Auf dem Berge, dort oben, da wehet der Wind,
da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind;
Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand,
den Blick in die Ferne hinausgewandt.

In die Ferne hinüber schweift all ihr Sinn;
Ihr Lieber, ihr Treuer, der ging dahin !
Sonst ging er, sonst kam er ; Nun kommt er nicht mehr !
Nun ist´s um Mariechen so todt und so leer !

In den Busen, da fallen die Thränen hinein;
Da trinket ein Kindlein sie saugend mit ein.
Es schmeichelt der Mutter die kindliche Hand;
Ihr Blick ist hinaus in die Ferne gewandt.

Ach wie sausend wehet der Wind so kalt !
Mariechen, Dein Liebster ging aus in den Wald;
Ihm reichten die tanzenden Elfen die Hand;
Er folgte der lockenden Schar und verschwand.

Auf den Bergen dort oben, da wehet der Wind ;
Da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind,
und schaut in die Nacht hinein mit weinendem Blick.
Dahin ist ihr Liebster und kehrt nicht zurück.

Christoph August Tiedge

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09 Sep 2022 13:14 #41947 von Kaninchen
 

Hab´ oft im Kreise der Lieben
im duftigen Grase geruht
und mir ein Liedlein gesungen
und alles war hübsch und gut.

Hab´ einsam auch mich gehärmet
in bangem, düsterem Mut,
und habe wieder gesungen,
und alles war wieder gut.

Und manches, was ich erfahren,
verkocht´ ich in stiller Wut,
und kam ich wieder zu singen,
war alles auch wieder gut.

Sollst nicht uns lange klagen
was alles wehe dir tuht,
nur frisch, nur frisch nur gesungen !
Und alles wird wieder gut.

Adelbert von Chamisso
deutsch-franz. Dichter
Naturforscher

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10 Sep 2022 16:04 #41958 von Kaninchen
 

Heimliche Liebe

Kein Feuer, keine Kohle
kann brennen so heiß,
als heimliche Liebe,
von der niemand weiß.

Keine Rose, keine Nelke,
kann blühen so schön,
als wenn zwei Verliebte
beieinander tun stehn.

Setze Du mir einen Spiegel
ins Herze hinein,
damit Du kannst sehen
wie so treu ich  es mein.

Volksgut 

 

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