Gedichte
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19 Okt 2022 17:29 #42353
von Kaninchen
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23 Okt 2022 11:03 #42389
von Kaninchen
Die arme Frau
Mein Mann ? Mein dicker Mann, der Dichter ?
Du lieber Gott, da seid mir still !
Ein Don Juan ? Ein braver, schlichter
Bourgeois - wie Gott ihn haben will.
Da steht in seinen schmalen Büchern,
wie viele Frauen er geküßt;
von seidenen Haaren, seidenen Tüchern,
Begehren, Brunst, Gelüst ...
Liebwerte Schwestern, laßt die Briefe,
den anonymen Veilchenstrauß !
Es könnt´ ihn stören, wenn er schliefe.
Denn meist ruht sich der Dicke aus.
Und faul und fett und so gefräßig
ist er, und immer indigniert.
Und dabei gluckert er unmäßig
vom Rotwein, den er teüeriert.
Ich sah euch wilder und erpichter
von Tag zu Tag - ach ! Laßt das sein !
Mein Mann ? Mein dicker Mann, der Dichter ?
In Büchern : Ja.
Im Leben : Nein.
Kurt Tucholsky
Pseudonym Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel
dt. Schriftsteller
Quelle: Tucholsky, Werke, 1907-1935
in die Weltbühne
wieder in Fromme Gesänge. Aus großer Zeit (Theobald Tiger)
Die arme Frau
Mein Mann ? Mein dicker Mann, der Dichter ?
Du lieber Gott, da seid mir still !
Ein Don Juan ? Ein braver, schlichter
Bourgeois - wie Gott ihn haben will.
Da steht in seinen schmalen Büchern,
wie viele Frauen er geküßt;
von seidenen Haaren, seidenen Tüchern,
Begehren, Brunst, Gelüst ...
Liebwerte Schwestern, laßt die Briefe,
den anonymen Veilchenstrauß !
Es könnt´ ihn stören, wenn er schliefe.
Denn meist ruht sich der Dicke aus.
Und faul und fett und so gefräßig
ist er, und immer indigniert.
Und dabei gluckert er unmäßig
vom Rotwein, den er teüeriert.
Ich sah euch wilder und erpichter
von Tag zu Tag - ach ! Laßt das sein !
Mein Mann ? Mein dicker Mann, der Dichter ?
In Büchern : Ja.
Im Leben : Nein.
Kurt Tucholsky
Pseudonym Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel
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Quelle: Tucholsky, Werke, 1907-1935
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24 Okt 2022 12:38 - 24 Okt 2022 12:41 #42399
von Kaninchen
Letzte Änderung: 24 Okt 2022 12:41 von Kaninchen.
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25 Okt 2022 13:26 #42410
von Kaninchen
Manche Töne sind mir Verdruß, doch bleibet am meisten
Hundegebell mir verhaßt; kläffend zerreißt es mein Ohr.
Einen Hund nur hör ich sehr oft mit frohem Behagen
bellend kläffen, den Hund, den sich der Nachbar erzog.
Denn er bellte mir einst mein Mädchen an, da sie sich heimlich
zu mir stahl, und verriet unser Geheimnis beinah.
Jetzo, hör ich ihn bellen, so denk ich nur immer :
Sie kommt wohl !
Oder ich denke der Zeit, da die Erwartete kam.
Johann Wolfgang von Goethe
Manche Töne sind mir Verdruß, doch bleibet am meisten
Hundegebell mir verhaßt; kläffend zerreißt es mein Ohr.
Einen Hund nur hör ich sehr oft mit frohem Behagen
bellend kläffen, den Hund, den sich der Nachbar erzog.
Denn er bellte mir einst mein Mädchen an, da sie sich heimlich
zu mir stahl, und verriet unser Geheimnis beinah.
Jetzo, hör ich ihn bellen, so denk ich nur immer :
Sie kommt wohl !
Oder ich denke der Zeit, da die Erwartete kam.
Johann Wolfgang von Goethe
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26 Okt 2022 11:52 #42420
von Kaninchen
Friede der Kreatur
Spinnen waren mir sehr zuwider
all´ meine jungen Jahre,
ließen sich von der Decke nieder
in meine Scheitelhaare,
saßen verdächtig in den Ecken,
oder rannten mich zu erschrecken,
über Tisch und Wände,
das Töten nahm kein Ende.
Erst als schon die Haare grauten,
begann ich sie zu schonen,
mit den ruhiger Angeschauten
brüderlich zu wohnen:
jetzt, mit ihren kleinen Sorgen
halten sie sich still geborgen,
läßt sich eine sehen, lassen wir uns gehen.
Hätt´ ich nun ein Kind, ein kleines,
in väterlichen Ehren,
recht ein liebliches und feines,
würd´ ich´s mutig lehren
Spinnen mit dem Händchen fassen
und sie freundlich zu entlassen,
früher lernt´ es Frieden halten,
als es mir gelang, dem Alten !
Gottfried Keller
schweiz. Dichter
Friede der Kreatur
Spinnen waren mir sehr zuwider
all´ meine jungen Jahre,
ließen sich von der Decke nieder
in meine Scheitelhaare,
saßen verdächtig in den Ecken,
oder rannten mich zu erschrecken,
über Tisch und Wände,
das Töten nahm kein Ende.
Erst als schon die Haare grauten,
begann ich sie zu schonen,
mit den ruhiger Angeschauten
brüderlich zu wohnen:
jetzt, mit ihren kleinen Sorgen
halten sie sich still geborgen,
läßt sich eine sehen, lassen wir uns gehen.
Hätt´ ich nun ein Kind, ein kleines,
in väterlichen Ehren,
recht ein liebliches und feines,
würd´ ich´s mutig lehren
Spinnen mit dem Händchen fassen
und sie freundlich zu entlassen,
früher lernt´ es Frieden halten,
als es mir gelang, dem Alten !
Gottfried Keller
schweiz. Dichter
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28 Okt 2022 13:05 #42440
von Kaninchen
Er stellt sich vor sein Spiegelglas
und arrangiert noch dies und das.
Er dreht hinaus des Bartes Spitzen,
sieht zu, wie seine Ringe blitzen,
probiert auch mal, wie sich das macht,
wenn er so herzgewinnend lacht,
übt seines Auges Zauberkraft,
legt die Krawatte musterhaft,
wirft einen süßen Scheideblick
auf sein geliebtes Bild zurück,
geht dann hinaus zur Promenade,
umschwebt vom Dufte der Pomade,
und ärgert sich als wie ein Stint,
daß andre Leute eitel sind.
Wilhelm Busch
Er stellt sich vor sein Spiegelglas
und arrangiert noch dies und das.
Er dreht hinaus des Bartes Spitzen,
sieht zu, wie seine Ringe blitzen,
probiert auch mal, wie sich das macht,
wenn er so herzgewinnend lacht,
übt seines Auges Zauberkraft,
legt die Krawatte musterhaft,
wirft einen süßen Scheideblick
auf sein geliebtes Bild zurück,
geht dann hinaus zur Promenade,
umschwebt vom Dufte der Pomade,
und ärgert sich als wie ein Stint,
daß andre Leute eitel sind.
Wilhelm Busch
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