Gedichte
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08 Mär 2018 07:14 - 08 Mär 2018 07:15 #16577
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Letzte Änderung: 08 Mär 2018 07:15 von Kaninchen.
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09 Mär 2018 06:53 - 09 Mär 2018 21:10 #16595
von Kaninchen
Flucht
In der Freie will ich leben,
In dem Sarge dumpft der Tod.
Sieh nur dort das Abendrot
Um die heitern Hügel weben,
In der Freie blüht das Leben,
In der Enge hockt die Not.
Eilt drum, eilt hinaus zu streben,
Eh`das Herz zu stocken droht,
Licht und Luft und Raum ist not.
In der Freie will ich leben,
Traute Vögel, laßt uns schweben,
Folgsam der Natur Gebot.
Karl Lappe
(* 24. April 1773 in Wusterhusen;
† 28. Oktober 1843 in Stralsund;
vollständiger Name: Karl Gottlieb Lappe) war ein pommerscher Dichter.
In der Freie will ich leben,
In dem Sarge dumpft der Tod.
Sieh nur dort das Abendrot
Um die heitern Hügel weben,
In der Freie blüht das Leben,
In der Enge hockt die Not.
Eilt drum, eilt hinaus zu streben,
Eh`das Herz zu stocken droht,
Licht und Luft und Raum ist not.
In der Freie will ich leben,
Traute Vögel, laßt uns schweben,
Folgsam der Natur Gebot.
Karl Lappe
(* 24. April 1773 in Wusterhusen;
† 28. Oktober 1843 in Stralsund;
vollständiger Name: Karl Gottlieb Lappe) war ein pommerscher Dichter.
Letzte Änderung: 09 Mär 2018 21:10 von Feschtbrueder. Grund: Bildplatzierung
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10 Mär 2018 06:51 - 10 Mär 2018 06:53 #16614
von Kaninchen
Heimatlose
Ich bin fast
Gestorben vor Schreck:
In dem Haus, wo ich zu Gast
War, im Versteck,
Bewegte sich, regte sich,
Plötzlich hinter einem Brett
In einem Kasten neben dem Klosett
Ohne Beinchen,
Stumm, fremd und nett
Ein Meerschweinchen.
Sah mich bange an,
Sah mich lange an,
Sann wohl hin und sann her,
Wagte sich dann heran,
Und fragte mich:
"Wo ist das Meer?"
Heimatlose
Ich bin fast
Gestorben vor Schreck:
In dem Haus, wo ich zu Gast
War, im Versteck,
Bewegte sich, regte sich,
Plötzlich hinter einem Brett
In einem Kasten neben dem Klosett
Ohne Beinchen,
Stumm, fremd und nett
Ein Meerschweinchen.
Sah mich bange an,
Sah mich lange an,
Sann wohl hin und sann her,
Wagte sich dann heran,
Und fragte mich:
"Wo ist das Meer?"
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11 Mär 2018 07:27 #16631
von Kaninchen
Frühling
Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
»Er kam, er kam ja immer noch«,
Die Bäume nicken sich's zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.
Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.«
O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh':
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.
Theodor Fontane
Geboren: 30. Dez 1819 · Neuruppin, Deutschland
Gestorben: 20. Sep 1898 · Berlin, Deutschland
Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
»Er kam, er kam ja immer noch«,
Die Bäume nicken sich's zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.
Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.«
O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh':
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.
Theodor Fontane
Geboren: 30. Dez 1819 · Neuruppin, Deutschland
Gestorben: 20. Sep 1898 · Berlin, Deutschland
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12 Mär 2018 06:40 #16653
von Kaninchen
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13 Mär 2018 07:07 - 13 Mär 2018 08:24 #16670
von Kaninchen
Blick aus der Tonne
Betrachte ich die Welt aus meiner Tonne,
so ist sie unwahrscheinlich kunterbunt.
Gleich einer goldnen Ampel strahlt die Sonne
in mein Palais, durch jenen kleinen Spund.
Aus diesem Spund floß einst in edler Klarheit
geläutert alter, abgeklärter Wein,
jetzt dringt die tiefste, schönste Lebenswahrheit
durch diesen gleichen Spund zu mir hinein.
Du lernst den Schein der Welt erkennen und verachten,
lernst unterscheiden Echtes von dem Schund,
die kleinsten Dinge liebend zu betrachten,
lernst du mit klarem Blick, durch diesen Spund.
Der Krönungswagen wird zum Gauklerkarren
in der Arena, flitterhaft und bunt,
die Höflingsschar ein Häuflein eitler Narren.
So ist die Welt, gesehn durch diesen Spund.
Komm, setz dich nieder zu mir in die Tonne
und freue dich aus tiefstem Herzensgrund.
Ihr andern aber, geht uns aus der Sonne,
verdunkelt nicht durch Unverstand den Spund.
Fred Endrikat
Blick aus der Tonne
Betrachte ich die Welt aus meiner Tonne,
so ist sie unwahrscheinlich kunterbunt.
Gleich einer goldnen Ampel strahlt die Sonne
in mein Palais, durch jenen kleinen Spund.
Aus diesem Spund floß einst in edler Klarheit
geläutert alter, abgeklärter Wein,
jetzt dringt die tiefste, schönste Lebenswahrheit
durch diesen gleichen Spund zu mir hinein.
Du lernst den Schein der Welt erkennen und verachten,
lernst unterscheiden Echtes von dem Schund,
die kleinsten Dinge liebend zu betrachten,
lernst du mit klarem Blick, durch diesen Spund.
Der Krönungswagen wird zum Gauklerkarren
in der Arena, flitterhaft und bunt,
die Höflingsschar ein Häuflein eitler Narren.
So ist die Welt, gesehn durch diesen Spund.
Komm, setz dich nieder zu mir in die Tonne
und freue dich aus tiefstem Herzensgrund.
Ihr andern aber, geht uns aus der Sonne,
verdunkelt nicht durch Unverstand den Spund.
Fred Endrikat
Letzte Änderung: 13 Mär 2018 08:24 von Feschtbrueder. Grund: Korr.
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