Gedichte

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26 Okt 2023 11:21 #45758 von Kaninchen
 

Johann Wolfgang von Goethe

Beherzigung

Feiger Gedanken
bängliches Schwanken,
weibisches Zagen,
ängstliches Klagen
wendet kein Elend,
macht Dich nicht frei.

Allen Gewalten
zum Trutz sich erhalten,
nimmer sich beugen,
kräftig sich zeigen,
rufet die Arme der Götter herbei.

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27 Okt 2023 10:20 #45767 von Kaninchen
 

Obgleich die Welt ja, sozusagen,
wohl manchmal etwas mangelhaft,
wird sie doch in den nächsten Tagen
vermutlich noch nicht abgeschafft.

So lange Herz und Auge offen
um sich am Schönen zu erfreun,
so lange, darf man freudig hoffen,
wird auch die Welt vorhanden sein.

Wilhelm Busch

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28 Okt 2023 17:08 #45781 von Kaninchen
 

Ein Künstler auf dem hohen Seil
der altgeworden mittlerweil,
stieg eines Tages vom Gerüst
und sprach : Nun will ich unten bleiben
und nur noch Hausgymnastik treiben,
was zur Verdauung nötig ist.

Da riefen alle : Oh, wie schad !
Der Meister scheint doch allnachgrad
zu schwach und steif zum Seilbesteigen !
Ha ! denkt er, dies wird sich zeigen !

Und richtig, eh der Markt geschlossen,
treibt er aufs neu die alten Possen,
hoch in der Luft, und zwar mit Glück,
bis auf ein kleines Mißgeschick.
Er fiel herab in großer Eile
und knickte sich die Wirbelsäule.

Der alte Narr ! Jetzt bleibt er krumm !
So äußert sich das Publikum.

Wilhelm Busch

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29 Okt 2023 09:46 #45790 von Kaninchen
 

Matthias Claudius

Die Liebe

Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel,
und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel,
und schlägt sie ewiglich.

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01 Nov 2023 10:48 #45824 von Kaninchen
 

Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch), die Sonne glüht, -
Weg drum mit der Schwermut aus Deinem Gemüt !
Banne die Sorge, genieße was frommt,
eh´ Stille, Schnee und Winter kommt.

Theodor Fontane

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02 Nov 2023 10:24 #45833 von Kaninchen
 

Dieses ist das Bild der Welt,
die man für die beste hält :
Fast wie eine Mördergrube,
fast wie eines Burschen Stube,
fast so wie ein Opernhaus,
fast wie ein Magisterschmaus,
fast wie Köpfe von Poeten,
fast wie schöne Raritäten,
fast wie abgesetztes Geld,
sieht sie aus, die beste Welt.

Johann Wolfgang von Goethe

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