Gedichte
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23 Dez 2025 15:41 #55566
von Kaninchen
Am Tag vor Heiligabend,
läuft Opa mit dem Staubsaugband.
Die Plätzchen sind schon halb vernascht,
die Katze liegt im Tannenzweig verschascht.
Die Gans im Ofen schnauft vor sich hin,
und Tante Ruth sucht ihren Sinn.
Die Kinder zählen laut bis zehn –
„Wann kommt das Christkind? Ist’s zu sehn?“
Doch mitten in dem bunten Treiben
spürt man’s leise in sich bleiben:
Ein Lächeln, das durchs Herz nun zieht –
weil Weihnachten vor der Türe steht.
Am Tag vor Heiligabend,
läuft Opa mit dem Staubsaugband.
Die Plätzchen sind schon halb vernascht,
die Katze liegt im Tannenzweig verschascht.
Die Gans im Ofen schnauft vor sich hin,
und Tante Ruth sucht ihren Sinn.
Die Kinder zählen laut bis zehn –
„Wann kommt das Christkind? Ist’s zu sehn?“
Doch mitten in dem bunten Treiben
spürt man’s leise in sich bleiben:
Ein Lächeln, das durchs Herz nun zieht –
weil Weihnachten vor der Türe steht.
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29 Dez 2025 15:13 #55602
von Kaninchen
Träume während der Rauhnächte werden wahr
Zwölfenzeit
Die Tage zwischen den Jahren
immer schon geheimnisvoll waren.
Von Weihnachten bis Heilig Dreikönig
sind auch die Tagstunden recht wenig.
Die Nächte aber doch sehr lang.
Manchem wird da recht bang.
Man kann es niemandem verdenken,
muss er an Geister und auch Hexen denken.
Besonders aber in früherer Zeit,
man war nicht aufgeklärt, wie heut‘.
Heidnische Bräuche und Sitten
wurden verdrängt durch christlichen Riten.
In den Nächten der „Zwölfenzeit“
wurde vom Knecht kein Dirndl gfreit.
Keine Magd geht gern vor das Haus,
denn das „Wilde Gesindel“ bereitet ihr Graus.
Die wilde Jagd geht über Wiesen und Felder
und Hexen und Truden durchstreifen die Wälder.
Der Teufel selbst treibt die Jäger durchs Land,
huscht mit Gebraus, im schwarzen Gewand!
Man wäscht keine Wäsche, keine Bäuerin spinnt,
weil ansonsten „Frau Bercht“ ein Opfer nimmt!
Im neuen Jahr, wird gesagt, holt sie sogleich,
den Nachwuchst, prompt, für ihr Seelenreich.
Das „Wilde Gesindel“ verheißt Gutes jedoch auch,
streift es über Bäume, Felder und Strauch.
Wo es seine Spuren im Land hinterlässt,
bringt die Ernte im Herbst das Allerbest‘.
Mit dem Gebetgeläute trat Ruhe ein,
Arbeit sollte dann auch beendet sein.
Passé war gleichfalls das Kartenspiel,
weil früh man damals in die Bettstatt fiel.
Die Decke zog man über’s Gesicht,
die Teufelsfratze sieht man dann nicht.
Mystisch waren sie, sind es noch heut‘,
die Rauhnächte, jene, der Zwölfenzeit!
Hexnespuk, nach altem Brauch,
verhindert, glaubhaft, geweihter Rauch
und „Allelujawasser“, ohne Flachs,
doch mancher schwört auf „Drudnhax“!
Stefan Mühle, Hasselbach
Zwölfenzeit
Die Tage zwischen den Jahren
immer schon geheimnisvoll waren.
Von Weihnachten bis Heilig Dreikönig
sind auch die Tagstunden recht wenig.
Die Nächte aber doch sehr lang.
Manchem wird da recht bang.
Man kann es niemandem verdenken,
muss er an Geister und auch Hexen denken.
Besonders aber in früherer Zeit,
man war nicht aufgeklärt, wie heut‘.
Heidnische Bräuche und Sitten
wurden verdrängt durch christlichen Riten.
In den Nächten der „Zwölfenzeit“
wurde vom Knecht kein Dirndl gfreit.
Keine Magd geht gern vor das Haus,
denn das „Wilde Gesindel“ bereitet ihr Graus.
Die wilde Jagd geht über Wiesen und Felder
und Hexen und Truden durchstreifen die Wälder.
Der Teufel selbst treibt die Jäger durchs Land,
huscht mit Gebraus, im schwarzen Gewand!
Man wäscht keine Wäsche, keine Bäuerin spinnt,
weil ansonsten „Frau Bercht“ ein Opfer nimmt!
Im neuen Jahr, wird gesagt, holt sie sogleich,
den Nachwuchst, prompt, für ihr Seelenreich.
Das „Wilde Gesindel“ verheißt Gutes jedoch auch,
streift es über Bäume, Felder und Strauch.
Wo es seine Spuren im Land hinterlässt,
bringt die Ernte im Herbst das Allerbest‘.
Mit dem Gebetgeläute trat Ruhe ein,
Arbeit sollte dann auch beendet sein.
Passé war gleichfalls das Kartenspiel,
weil früh man damals in die Bettstatt fiel.
Die Decke zog man über’s Gesicht,
die Teufelsfratze sieht man dann nicht.
Mystisch waren sie, sind es noch heut‘,
die Rauhnächte, jene, der Zwölfenzeit!
Hexnespuk, nach altem Brauch,
verhindert, glaubhaft, geweihter Rauch
und „Allelujawasser“, ohne Flachs,
doch mancher schwört auf „Drudnhax“!
Stefan Mühle, Hasselbach
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30 Dez 2025 10:36 #55613
von Kaninchen
Das Gedicht „Jahreswende“ stammt aus der Feder von Ludwig Thoma.
Ich lob’ es nicht, das alte Jahr,
Ich schimpf’ es nicht. So wie es war,
So wie es jetzt noch vor uns steht,
Ehdenn es ganz von hinnen geht,
Verbraucht und alt, die Taschen voll
Von unerfüllten Wünschen, soll
Es meinethalb vergessen sein!
Das neue tänzelt nun herein,
Mit falschem Lächeln im Gesicht,
Die Augen leuchtend, und verspricht
Dem einen dies, dem andern das,
Und allen viel, und jedem was
Und spitzt das Maul, ist zuckersüß,
Das richtige Spinatgemüs!
Dem sag’ ich – gebt mir erst noch Punsch! –,
Dem sag’ ich: Ich hab’ keinen Wunsch.
Bring, was du mußt, nicht, was ich mag,
Und fahre ab am letzten Tag!
Das Gedicht „Jahreswende“ stammt aus der Feder von Ludwig Thoma.
Ich lob’ es nicht, das alte Jahr,
Ich schimpf’ es nicht. So wie es war,
So wie es jetzt noch vor uns steht,
Ehdenn es ganz von hinnen geht,
Verbraucht und alt, die Taschen voll
Von unerfüllten Wünschen, soll
Es meinethalb vergessen sein!
Das neue tänzelt nun herein,
Mit falschem Lächeln im Gesicht,
Die Augen leuchtend, und verspricht
Dem einen dies, dem andern das,
Und allen viel, und jedem was
Und spitzt das Maul, ist zuckersüß,
Das richtige Spinatgemüs!
Dem sag’ ich – gebt mir erst noch Punsch! –,
Dem sag’ ich: Ich hab’ keinen Wunsch.
Bring, was du mußt, nicht, was ich mag,
Und fahre ab am letzten Tag!
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31 Dez 2025 12:27 - 31 Dez 2025 12:47 #55623
von Kaninchen
Der Aberglaube
Ein Mann, dem eine Maus des Nachts den Schuh zerbiß,
Erzählte einst dem weisen Kato dies,
Als ein Ereigniß, das ihn sehr beängstigt hätte.
Darüber, Freund, legt ruhig euch zu Bette,
Sprach Kato; denn das Wunder wär'
Um zehnmal noch bedenklicher,
Wenn euer Schuh die Maus gebissen hätte.
Johann Aloys Blumauer (1755 - 1798), österreichischer Schriftsteller
Der Aberglaube
Ein Mann, dem eine Maus des Nachts den Schuh zerbiß,
Erzählte einst dem weisen Kato dies,
Als ein Ereigniß, das ihn sehr beängstigt hätte.
Darüber, Freund, legt ruhig euch zu Bette,
Sprach Kato; denn das Wunder wär'
Um zehnmal noch bedenklicher,
Wenn euer Schuh die Maus gebissen hätte.
Johann Aloys Blumauer (1755 - 1798), österreichischer Schriftsteller
Letzte Änderung: 31 Dez 2025 12:47 von Kaninchen.
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01 Jan 2026 16:01 #55635
von Kaninchen
Sanft erwacht der Morgen sacht,
Licht durchbricht die dunkle Nacht.
Weg und Wiesen, still und weit,
flüstern leise Ewigkeit.
Sonnenstrahlen, warm und klar,
malen Farben, wunderbar.
Hoffnung wächst in jedem Strahl,
trägt uns sanft ins neue Mal.
Vögel singen, Luft so rein,
laden uns zum Träumen ein.
In der Stille, zart und fein,
fühlt sich alles wie daheim.
Möge dieser Morgen dir,
bringen Freude, Licht und Zier.
Jeder Tag ein Neubeginn,
Sonnenaufgang tief im Sinn.
Sanft erwacht der Morgen sacht,
Licht durchbricht die dunkle Nacht.
Weg und Wiesen, still und weit,
flüstern leise Ewigkeit.
Sonnenstrahlen, warm und klar,
malen Farben, wunderbar.
Hoffnung wächst in jedem Strahl,
trägt uns sanft ins neue Mal.
Vögel singen, Luft so rein,
laden uns zum Träumen ein.
In der Stille, zart und fein,
fühlt sich alles wie daheim.
Möge dieser Morgen dir,
bringen Freude, Licht und Zier.
Jeder Tag ein Neubeginn,
Sonnenaufgang tief im Sinn.
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04 Jan 2026 12:58 - 04 Jan 2026 13:01 #55675
von Kaninchen
Paul Gauguin
Ich sitze vor meiner Tür, die Nacht riecht nach warmem Holz und Meer.
Der Rauch meiner Zigarette steigt auf wie ein dünner, frecher Geist,
der sich über die Sterne lustig macht.
Der Absinth glimmt grün wie eine verbotene Frucht,
ich schlürfe ihn langsam, als würde ich die Tropen selbst trinken.
Um mich herum schläft die Insel, doch in mir brennen die Farben —
Ocker, Purpur, das tiefe Blau der Lagune.
Ich male sie nicht, ich atme sie.
Die Frauen lachen irgendwo im Dunkel, die Palmen rauschen wie alte Freunde,
und ich weiß: Ich bin weit weg von allem, was mich je festhalten wollte.
Ich genieße jeden Tag, als wäre er ein neuer Strich auf einer Leinwand,
die nur mir gehört.
Und ich bin ohne Sorgen,
weil ich sie alle im letzten Sonnenuntergang zurückgelassen habe.
Paul Gauguin
Ich sitze vor meiner Tür, die Nacht riecht nach warmem Holz und Meer.
Der Rauch meiner Zigarette steigt auf wie ein dünner, frecher Geist,
der sich über die Sterne lustig macht.
Der Absinth glimmt grün wie eine verbotene Frucht,
ich schlürfe ihn langsam, als würde ich die Tropen selbst trinken.
Um mich herum schläft die Insel, doch in mir brennen die Farben —
Ocker, Purpur, das tiefe Blau der Lagune.
Ich male sie nicht, ich atme sie.
Die Frauen lachen irgendwo im Dunkel, die Palmen rauschen wie alte Freunde,
und ich weiß: Ich bin weit weg von allem, was mich je festhalten wollte.
Ich genieße jeden Tag, als wäre er ein neuer Strich auf einer Leinwand,
die nur mir gehört.
Und ich bin ohne Sorgen,
weil ich sie alle im letzten Sonnenuntergang zurückgelassen habe.
Letzte Änderung: 04 Jan 2026 13:01 von Kaninchen.
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