Gedichte

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07 Jul 2026 16:00 - 07 Jul 2026 16:01 #59837 von Kaninchen
 

Das Gedicht „Die Biene“ stammt aus der Feder von Gotthold Ephraim Lessing.

Als Amor in den goldnen Zeiten
Verliebt in Schäferlustbarkeiten
Auf bunten Blumenfeldern lief,
Da stach den kleinsten von den Göttern
Ein Bienchen, das in Rosenblättern,
Wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Amor klüger.
Der unerschöpfliche Betrüger
Sann einer neuen Kriegslist nach:
Er lauscht in Rosen und Violen;
Und kam ein Mädchen sie zu holen,
Flog er als Bien heraus, und stach.
Letzte Änderung: 07 Jul 2026 16:01 von Kaninchen.

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09 Jul 2026 09:27 #59852 von Kaninchen
 

Im Grün der Wiese.

Dämmernd liegt der Sommerabend
Über Wald und grünen Wiesen;
Goldner Mond, im blauen Himmel,
Strahlt herunter, duftig labend.

An dem Bache zirpt die Grille,
Und es regt sich in dem Wasser,
Und der Wandrer hört ein Plätschern
Und ein Atmen in der Stille.

Dorten an dem Bach alleine,
Badet sich die schöne Elfe;
Arm und Nacken, weiß und lieblich,
Schimmern in dem Mondenscheine.

Heinrich Heine

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10 Jul 2026 16:10 #59867 von Kaninchen
 

Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.
Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk',
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
"Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut."

Theodor Storm

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11 Jul 2026 16:23 #59878 von Kaninchen
 

Sommernacht

An ferne Berge schlug wie Donnerkeulen
ein rasch verrauschtes Nachmittagsgewitter.
Die Bauern zogen heim auf müden Gäulen,
und singend kehrten Winzervolk und Schnitter.
Auf allen Dächern qualmten blaue Säulen
genügsam himmelan, ein luftig Gitter.
Nun ist es Nacht, es geistern schon die Eulen,
einsam aus einer Laube klingt die Zither.

Detlev von Liliencron (1844 - 1909)
eigentlich Friedrich (Fritz) Adolf Axel Freiherr von Liliencron,
deutscher Lyriker des Impressionismus und Naturalismus

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12 Jul 2026 18:25 #59889 von Kaninchen
 

Heinrich Heine

Warum sind denn die Rosen so blaß,
O sprich mein Lieb, warum ?
Warum sind denn im grünen Gras
die blauen Veilchen so stumm?

Warum singt denn mit so kläglichem Laut
die Lerche in der Luft?
Warum steigt denn aus dem Balsamkraut
verwelkter Blütenduft?

Warum scheint denn die Sonn' auf die Au
so kalt und verdrießlich herab?
Warum ist denn die Erde so grau,
und öde wie ein Grab?

Warum bin ich selbst so krank und trüb?
Mein liebes Herzchen sprich,
O sprich mein herzallerliebstes Lieb,
warum verließest Du mich?

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13 Jul 2026 16:49 #59896 von Kaninchen
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Der Klügere

Da bist du ja wieder, alter Mond
und lachst
wie damals
da du uns im Boot ertapptest, draußen auf
den stillen Wassern, und da wir uns ins Abendrot
verirrt hätten, wenn du nicht plötzlich hinter
uns gestanden...
alter mißgünstiger Gesell du!
ewig allein und einsam!

Freilich
so allein und einsam bin ich ja nun auch!
und wenn ichs recht bedenke,
möchte ich eigentlich nur: es könnte mir Alles
auch so wurst sein, was auf dieser Welt vorgeht,
wie dir...
alter, lieber, kluger Mond!

Cäsar Flaischlen (1864 - 1920), 
deutscher Schriftsteller, 

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