Gedichte

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20 Aug 2019 08:17 #24226 von Kaninchen
Die Rose stand im Tau,
es waren Perlen grau,
als Sonne sie beschienen,
wurden sie zu Rubinen.




Friedrich Rückert

(1788 - 1866), alias Freimund Raimar, deutscher Dichter, Lyriker und Übersetzer arabischer, hebräischer, indischer und chinesischer Dichtung



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21 Aug 2019 07:51 #24233 von Kaninchen


Es regnet

Es regnet, es regnet
Der Kuh auf den Schwanz;
Es regnet, es regnet
Der Braut in den Kranz.

Es regnet, es regnet,
Die Welt ist schon naß;
Hol's Töpfchen,
Fang's Tröpfchen,
Dann sag ich dir was:

Wäschst du die Nase,
Bleibt sie fein grade,
Wäschst du das Mündchen,
Bist du'n lieb Kindchen,
Wäschst du aber die Augen schön,
Kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn!

Paula Dehmel
(* 31.10.1862, † 09.07.1918)

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22 Aug 2019 08:07 #24246 von Kaninchen
Ach weh mir unglückhaftem Mann

Gedicht von Felix Dahn




Ach weh mir unglückhaftem Mann,
daß ich Geld und Gut nicht habe,
sonst spannt’ ich gleich vier Schimmel an
und führ’ zu dir im Trabe.

Ich putzte sie mit Schellen aus,
daß du mich hört’st von weitem,
ich steckt’ ein’n großen Rosenstrauß
an meine linke Seiten.

Und käm’ ich an dein kleines Haus,
tät’ ich mit der Peitsche schlagen,
da gucktest du zum Fenster ’naus:
Was willst du? Tät’st du fragen.

Was soll der großen Rosenstrauß,
die Schimmel an dem Wagen?
Dich will ich, rief’ ich, komm heraus!
Da tät’st du nimmer fragen.

Nun, Vater, Mutter, seht sie an
und küßt sie rasch zum Scheiden,
weil ich nicht lange warten kann,
meine Schimmel wolln’s nicht leiden.

Ach weh mir unglückhaftem Mann,
daß ich Geld und Gut nicht hab’.

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23 Aug 2019 07:32 #24259 von Kaninchen


Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
Ich laß sie lieber leben -
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

Christian Morgenstern

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24 Aug 2019 07:56 #24268 von Kaninchen


Cäsar Flaischlen

Ende

Verträumt und müde wie ein Schmetterling im September taumelt der Sommer das Gelände entlang. Altweiberfäden wirren sich um seine zerrissenen Flügel und die Blumen, die noch blühen, haben keinen Honig mehr.
Am Hochwald drüben, hinter dem die Sonne glutet, lauert die Nacht, gleich einer großen Spinne, und wie ein engmaschiges Netz hängt sie die Dämmerung vor das verflackernde Abendrot, nach dem der Schmetterling seinen Flug nimmt.

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25 Aug 2019 08:20 #24282 von Kaninchen


Fred Endrikat

Das ewig Weibliche

Es streiten sich die großen Philosophen
seit alters her schon um das Thema Frau.
Per eine singt ihr Lied in schönsten Strophen,
der andre wünscht sie in den Höllenofen.
Nur leider stimmt das meiste nicht genau.

Das Thema lässt sich nur von Fall zu Fall behandeln,
weil unterschiedlich und sehr delikat.
Die Frauen wandeln sich, wie sich die Zeiten wandeln,
auch soll man sie nicht öffentlich verschandeln -
Volksgut in Ehren, doch Frauen sind privat.

Die Frau ist wie ein Dom, vor dem wir stehen,
geheimnisvoll, voll Mystik, wunderbar.
Man kennt sie nicht, von außen nur gesehen,
es fehlt der Schlüssel, um hineinzugehen.
Die Liebe ist der Schlüssel zum Altar.

Bist du dann endlich zum Altar gekommen -
in welcher Rolle, das liegt ganz an dir -
vielleicht hast du das höchste Glück erklommen,
wirst feierlich als Priester aufgenommen,
wer weiß? Vielleicht nur als ein Opferstier.

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