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28 Jul 2019 07:49 #24017
von Kaninchen
Das Veilchen und der Schmetterling
Nikolaus Lenau
Ein Veilchen auf der Wiese stand
an Baches Rand und sandte ungesehen,
bei sanftem Frühlingswehen
süßen Duft durch die Luft.
Da kommt auf schwankendem Flügel
ein Schmetterling über den Hügel
und senket zur kurzen Rast
zum Veilchen sich nieder als Gast.
Schmetterling:
Ei! Veilchen! Wie du töricht bist,
zu blühen, wo niemand dein genießt!
Veilchen
Nicht ungenossen blüh ich hier,
ein Schäfer kommt gar oft zu mir
und atmet meinen Duft und spricht:
"Ein solches Blümchen fand ich nicht,
wie Veilchen du! Auf Wiesen, Auen
ist keines mehr wie du zu schauen!
Schmetterling
`s ist schöner doch, glaub meinem Wort,
zu blühn auf freier Wiese dort,
in jener bunten Blumenwelt,
als hier im dunklen Schattenzelt!
Veilchen
Hier bin ich meines Schäfers Wonne,
dort aber bleichet mich die Sonne,
und ohne Farbe, ohne Duft,
find ich zu früh dort meine Gruft,
drum blüh ich in der Einsamkeit,
wenn auch nur Einer mein sich freut.
Das Veilchen und der Schmetterling
Nikolaus Lenau
Ein Veilchen auf der Wiese stand
an Baches Rand und sandte ungesehen,
bei sanftem Frühlingswehen
süßen Duft durch die Luft.
Da kommt auf schwankendem Flügel
ein Schmetterling über den Hügel
und senket zur kurzen Rast
zum Veilchen sich nieder als Gast.
Schmetterling:
Ei! Veilchen! Wie du töricht bist,
zu blühen, wo niemand dein genießt!
Veilchen
Nicht ungenossen blüh ich hier,
ein Schäfer kommt gar oft zu mir
und atmet meinen Duft und spricht:
"Ein solches Blümchen fand ich nicht,
wie Veilchen du! Auf Wiesen, Auen
ist keines mehr wie du zu schauen!
Schmetterling
`s ist schöner doch, glaub meinem Wort,
zu blühn auf freier Wiese dort,
in jener bunten Blumenwelt,
als hier im dunklen Schattenzelt!
Veilchen
Hier bin ich meines Schäfers Wonne,
dort aber bleichet mich die Sonne,
und ohne Farbe, ohne Duft,
find ich zu früh dort meine Gruft,
drum blüh ich in der Einsamkeit,
wenn auch nur Einer mein sich freut.
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29 Jul 2019 07:47 #24023
von Kaninchen
Das Stelldichein
Das ist die richtige Stelle:
die Linde am Straßenrain
und drüben die alte Kapelle;
hier ist das Stelldichein.
Die Sterne am Himmel stehen,
die Glocke im Dorf schlägt acht.
Von Elsbeth nichts zu sehen –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Sie kann sich nicht trennen, ich wette,
vom Spiegel daheim an der Wand
und nestelt an Spange und Kette
und zupft an Tüchlein und Band.
Am Ende läßt sie mich harren
die liebe, lange Nacht.
Gewiß, sie hat mich zum Narren. –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Vielleicht – o du falsche Schlange!
Jetzt wird mir's auf einmal klar,
warum der Frieder, der lange,
heut morgen so lustig war.
Der Schrecken lähmt mir die Glieder,
ich bin betrogen, verlacht,
die Elsbeth hält's mit dem Frieder. –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Ich hebe zum Schwure die Hände
zum Sternenhimmel – doch halt,
was kommt durch das Wiesengelände
vom Dorf herüber gewallt?
Ich sehe zwei niedliche Füße,
sie nahen sich zaghaft und sacht,
sie kommt, die Treue, die Süße. –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Rudolf Baumbach
Das Stelldichein
Das ist die richtige Stelle:
die Linde am Straßenrain
und drüben die alte Kapelle;
hier ist das Stelldichein.
Die Sterne am Himmel stehen,
die Glocke im Dorf schlägt acht.
Von Elsbeth nichts zu sehen –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Sie kann sich nicht trennen, ich wette,
vom Spiegel daheim an der Wand
und nestelt an Spange und Kette
und zupft an Tüchlein und Band.
Am Ende läßt sie mich harren
die liebe, lange Nacht.
Gewiß, sie hat mich zum Narren. –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Vielleicht – o du falsche Schlange!
Jetzt wird mir's auf einmal klar,
warum der Frieder, der lange,
heut morgen so lustig war.
Der Schrecken lähmt mir die Glieder,
ich bin betrogen, verlacht,
die Elsbeth hält's mit dem Frieder. –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Ich hebe zum Schwure die Hände
zum Sternenhimmel – doch halt,
was kommt durch das Wiesengelände
vom Dorf herüber gewallt?
Ich sehe zwei niedliche Füße,
sie nahen sich zaghaft und sacht,
sie kommt, die Treue, die Süße. –
Ich hab' mir's ja gleich gedacht.
Rudolf Baumbach
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30 Jul 2019 07:21 - 30 Jul 2019 07:23 #24034
von Kaninchen
Was die Welt morgen bringt
ob sie mir Sorgen bringt
Leid oder Freud?
Komme, was kommen mag
Sonnenschein, Wetterschlag
morgen ist auch ein Tag
heute ist heut!
Wenn´s dem Geschick gefällt
sind wir in alle Welt
morgen zerstreut
Drum laßt uns lustig sein!
Wirt, roll´ das Faß herein!
Mädel, schenk ein, schenk ein
heute ist heut
Ob ihren Rosenmund
morgen schön Hildegund
anderen beut´
Darnach ich nimmer frag
das schafft mir keinen Plag
wenn sie mich heut nur mag
heute ist heut!
Klingklang, stoßt an und singt
morgen vielleicht erklingt
Sterbegeläut
Wer weiß, ob nicht die Welt
morgen in Schutt zerfällt
wenn sie nur heut noch hält
heute ist heut!
Rudolf Baumbach
Quelle: Baumbach, Von der Landstraße. Lieder, 1882
binged.it/2SNXLki
ob sie mir Sorgen bringt
Leid oder Freud?
Komme, was kommen mag
Sonnenschein, Wetterschlag
morgen ist auch ein Tag
heute ist heut!
Wenn´s dem Geschick gefällt
sind wir in alle Welt
morgen zerstreut
Drum laßt uns lustig sein!
Wirt, roll´ das Faß herein!
Mädel, schenk ein, schenk ein
heute ist heut
Ob ihren Rosenmund
morgen schön Hildegund
anderen beut´
Darnach ich nimmer frag
das schafft mir keinen Plag
wenn sie mich heut nur mag
heute ist heut!
Klingklang, stoßt an und singt
morgen vielleicht erklingt
Sterbegeläut
Wer weiß, ob nicht die Welt
morgen in Schutt zerfällt
wenn sie nur heut noch hält
heute ist heut!
Rudolf Baumbach
Quelle: Baumbach, Von der Landstraße. Lieder, 1882
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Letzte Änderung: 30 Jul 2019 07:23 von Kaninchen.
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31 Jul 2019 08:46 #24044
von Kaninchen
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01 Aug 2019 07:36 #24053
von Kaninchen
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02 Aug 2019 07:39 #24065
von Kaninchen
Rosenzeit
Da ließ der Lenz sich leis‘ hernieder
Beim Festgesang der Nachtigall.
Und als er kam, erwachten wieder
Die kleinen Blumen überall.
Das ist ein Flüstern, ist ein Kosen,
Das ist der Liebe süße Macht,
Und überall sind auch die Rosen
Im grünen Strauch‘ schon aufgewacht.
Und sollte meine Tat es sprechen,
Wie du mir lieb bist, du allein,
Ich müßte alle, alle brechen
Und dir sie vor die Füße streu’n!
Johann Meyer
Rosenzeit
Da ließ der Lenz sich leis‘ hernieder
Beim Festgesang der Nachtigall.
Und als er kam, erwachten wieder
Die kleinen Blumen überall.
Das ist ein Flüstern, ist ein Kosen,
Das ist der Liebe süße Macht,
Und überall sind auch die Rosen
Im grünen Strauch‘ schon aufgewacht.
Und sollte meine Tat es sprechen,
Wie du mir lieb bist, du allein,
Ich müßte alle, alle brechen
Und dir sie vor die Füße streu’n!
Johann Meyer
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