Gedichte
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03 Aug 2019 07:49 #24071
von Kaninchen
Die Fledermaus
Die Fledermaus, die Fledermaus
putzt dir den Obstbaum sauber aus
des Nachts im leisen Fluge.
Doch stiehlt sie dir die Früchte nicht,
ist auf die Diebe nur erpicht,
des Nachts im leisen Fluge.
Wenn er die Raupeneier legt,
den Schmetterling der Nacht sie schlägt
im leisen Zickzackfluge.
Des frechen Maikäfers Gebrumm
macht sie mit scharfen Zähnen stumm
im leisen Zichackfluge.
Die Mücke, die uns stechen will —
die Fledermaus verschluckt sie still
in jagend raschem Fluge.
Sie streift durch Wald und Feld und Haus
und treibt die Plagegeister aus
in jagend raschem Fluge.
Doch bricht dann an der junge Tag,
sie nicht mehr weiter jagen mag,
hört auf in ihrem Fluge.
Sie schlägt die Krallen ins Gestein,
hüllt sich in ihre Flughaut ein
und ruht von ihrem Fluge.
Kopfabwärts spinnt sie ihren Traum
in Mauern, Scheunen, dunklem Raum
von neuem Räuberfluge.
Das helle Leben sieht sie nie,
doch durch den Raub behütet sie
es nachts im leisen Fluge.
Otto Nebelthau
Aus der Sammlung Die guten Räuber
Die Fledermaus
Die Fledermaus, die Fledermaus
putzt dir den Obstbaum sauber aus
des Nachts im leisen Fluge.
Doch stiehlt sie dir die Früchte nicht,
ist auf die Diebe nur erpicht,
des Nachts im leisen Fluge.
Wenn er die Raupeneier legt,
den Schmetterling der Nacht sie schlägt
im leisen Zickzackfluge.
Des frechen Maikäfers Gebrumm
macht sie mit scharfen Zähnen stumm
im leisen Zichackfluge.
Die Mücke, die uns stechen will —
die Fledermaus verschluckt sie still
in jagend raschem Fluge.
Sie streift durch Wald und Feld und Haus
und treibt die Plagegeister aus
in jagend raschem Fluge.
Doch bricht dann an der junge Tag,
sie nicht mehr weiter jagen mag,
hört auf in ihrem Fluge.
Sie schlägt die Krallen ins Gestein,
hüllt sich in ihre Flughaut ein
und ruht von ihrem Fluge.
Kopfabwärts spinnt sie ihren Traum
in Mauern, Scheunen, dunklem Raum
von neuem Räuberfluge.
Das helle Leben sieht sie nie,
doch durch den Raub behütet sie
es nachts im leisen Fluge.
Otto Nebelthau
Aus der Sammlung Die guten Räuber
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04 Aug 2019 08:31 #24081
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05 Aug 2019 07:55 #24087
von Kaninchen
Foto mit freundlicher Genehmigung von WillY
Wasserrose
Im waldgeschützten Grunde
ein stiller Weiher ruht,
Von Abendsonnenstrahlen
glimmt rosigroth die Fluth,
Viel breite glänzende Blätter,
die schwimmen auf dem Teich
Und träumend schließt die Krone
die Wasserrose bleich.
Gaudy, Franz Bernhard Heinrich Wilhelm Freiherr von
(19.4.1800 - 1840)
Foto mit freundlicher Genehmigung von WillY
Wasserrose
Im waldgeschützten Grunde
ein stiller Weiher ruht,
Von Abendsonnenstrahlen
glimmt rosigroth die Fluth,
Viel breite glänzende Blätter,
die schwimmen auf dem Teich
Und träumend schließt die Krone
die Wasserrose bleich.
Gaudy, Franz Bernhard Heinrich Wilhelm Freiherr von
(19.4.1800 - 1840)
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06 Aug 2019 07:59 #24093
von Kaninchen
Schmetterlingslied
Es blühen die Blumen in buntem Schein;
Sie laden zum Flattern und Kosen uns ein!
So lieblich ihr Duft!
So linde die Luft!
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit!
Laßt heut uns genießen
Die goldene Zeit!
Es duften die Blumen und blühen so bunt,
Und jede Blüth' ist ein rosiger Mund!
Wir flattern im Wind
Und küssen geschwind!
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit!
Laßt heut uns genießen
Die goldene Zeit!
Heinrich Seidel
Das Goldene Zeitalter.
Fresko von Pietro da Cortona, 1637,
Palazzo Pitti, Florenz
Es blühen die Blumen in buntem Schein;
Sie laden zum Flattern und Kosen uns ein!
So lieblich ihr Duft!
So linde die Luft!
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit!
Laßt heut uns genießen
Die goldene Zeit!
Es duften die Blumen und blühen so bunt,
Und jede Blüth' ist ein rosiger Mund!
Wir flattern im Wind
Und küssen geschwind!
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit!
Laßt heut uns genießen
Die goldene Zeit!
Heinrich Seidel
Das Goldene Zeitalter.
Fresko von Pietro da Cortona, 1637,
Palazzo Pitti, Florenz
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07 Aug 2019 08:37 #24108
von Kaninchen
Das ist doch eine üppige Zeit
Das ist doch eine üppige Zeit,
Wo alles so schweigend blüht und glüht
Und des Sommers stolze Herrlichkeit
Still durch die grünenden Lande zieht.
Das Himmelblau und der Sonnenschein,
Die zehren und trinken mich gänzlich auf!
Ich welke dahin in müßiger Pein,
In Rosen versiegt mein Lebenslauf!
Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn,
Nachdenklich und düster auf brennender Au!
Ich höre ein heimliches Dröhnen gehn
Rings in der Berge dämmerndem Blau.
Ich sehne mich nach Gewitternacht,
Nach Sturm und Regen und Donnerschlag!
Nach einer tüchtigen Freiheitsschlacht
Und einem entscheidenden Völkertag!
Gottfried Keller
Das ist doch eine üppige Zeit,
Wo alles so schweigend blüht und glüht
Und des Sommers stolze Herrlichkeit
Still durch die grünenden Lande zieht.
Das Himmelblau und der Sonnenschein,
Die zehren und trinken mich gänzlich auf!
Ich welke dahin in müßiger Pein,
In Rosen versiegt mein Lebenslauf!
Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn,
Nachdenklich und düster auf brennender Au!
Ich höre ein heimliches Dröhnen gehn
Rings in der Berge dämmerndem Blau.
Ich sehne mich nach Gewitternacht,
Nach Sturm und Regen und Donnerschlag!
Nach einer tüchtigen Freiheitsschlacht
Und einem entscheidenden Völkertag!
Gottfried Keller
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08 Aug 2019 07:39 #24118
von Kaninchen
Du warest mir ein täglich Wanderziel,
viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen;
ich hatte dir geträumten Glücks so viel
anzuvertraun, so wahren Schmerz zu klagen.
Und wieder such ich dich, du dunkler Hort,
und deines Wipfelmeers gewaltig Rauschen /
jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort!
Verstummt ist Klag und Jubel. Ich will lauschen.
Conrad Ferdinand Meyer
Du warest mir ein täglich Wanderziel,
viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen;
ich hatte dir geträumten Glücks so viel
anzuvertraun, so wahren Schmerz zu klagen.
Und wieder such ich dich, du dunkler Hort,
und deines Wipfelmeers gewaltig Rauschen /
jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort!
Verstummt ist Klag und Jubel. Ich will lauschen.
Conrad Ferdinand Meyer
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