Gedichte
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
06 Mär 2020 07:53 #27317
von Kaninchen
Meine erste Liebe?
Erste Liebe? Ach, ein Wüstling, dessen
Herz so wahllos ist wie meins, so weit,
Hat die erste Liebe längst vergessen,
Und ihn interessiert nur seine Zeit.
Meine letzte Liebe zu beschreiben,
Wäre just so leicht wie indiskret.
Außerdem? Wird sie die letzte bleiben,
Bis ihr Name in der »Woche« steht.
Meine Abenteuer in der Minne
Müssen sehr gedrängt gewesen sein.
Wenn ich auf das erste mich besinne,
Fällt mir immer noch ein früh'res ein.
Joachim Ringelnatz
Erste Liebe? Ach, ein Wüstling, dessen
Herz so wahllos ist wie meins, so weit,
Hat die erste Liebe längst vergessen,
Und ihn interessiert nur seine Zeit.
Meine letzte Liebe zu beschreiben,
Wäre just so leicht wie indiskret.
Außerdem? Wird sie die letzte bleiben,
Bis ihr Name in der »Woche« steht.
Meine Abenteuer in der Minne
Müssen sehr gedrängt gewesen sein.
Wenn ich auf das erste mich besinne,
Fällt mir immer noch ein früh'res ein.
Joachim Ringelnatz
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
07 Mär 2020 08:13 #27334
von Kaninchen
März
Regenweiche Frühlingsluft,
Schwere Himmel, klare Ferne.
Überm Wald schonlauer Duft.
Auf den Wiesen gelbe Sterne.
Aus den Büschen zirpt und´singt´s
Und ich steh in tiefem Lauschen.
Und in meine Seele dringt´s
Wie ein fernes Frühlingsrauschen.
Und mir ist so hoffnungsfroh
Und so hell, als ob ich wüßte,
Daß das Glück nun irgendwo
Lachend mir begegnen müßte.
Fritz von Ostini
1861 -1927
März
Regenweiche Frühlingsluft,
Schwere Himmel, klare Ferne.
Überm Wald schonlauer Duft.
Auf den Wiesen gelbe Sterne.
Aus den Büschen zirpt und´singt´s
Und ich steh in tiefem Lauschen.
Und in meine Seele dringt´s
Wie ein fernes Frühlingsrauschen.
Und mir ist so hoffnungsfroh
Und so hell, als ob ich wüßte,
Daß das Glück nun irgendwo
Lachend mir begegnen müßte.
Fritz von Ostini
1861 -1927
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
08 Mär 2020 08:11 #27347
von Kaninchen
Ich habe jeden Sport getrieben,
Ich focht mit Säbel und Floret,
Ich war berühmt im Kegelschieben
Kann Tennnis, Schach, Billard, Croquet,
Ich ritt spazieren hoch zu Pferde –
Ich fuhr sogar mit Vieren schon,
Ich fuhr per Dampfschiff um die Erde,
Ich stieg empor im Luftballon;
Ich habe jeden Berg bestiegen
Und war im Eislauf äußerst flink,
Es konnte keiner mich besiegen
An Grazie auf dem Skating-Ring.
Ich fuhr mit jeglichem Vehikel
Umher auf diesem Erdenkreis,
Und dennoch ist mir mein Bicycle
Das liebste Fuhrwerk, das ich weiß…
Baron Fritz von Ostini
Schriftsteller, Literaturkritiker
* 27.7.1861 - München
† 1.6.1927 - Pöcking
Ich habe jeden Sport getrieben,
Ich focht mit Säbel und Floret,
Ich war berühmt im Kegelschieben
Kann Tennnis, Schach, Billard, Croquet,
Ich ritt spazieren hoch zu Pferde –
Ich fuhr sogar mit Vieren schon,
Ich fuhr per Dampfschiff um die Erde,
Ich stieg empor im Luftballon;
Ich habe jeden Berg bestiegen
Und war im Eislauf äußerst flink,
Es konnte keiner mich besiegen
An Grazie auf dem Skating-Ring.
Ich fuhr mit jeglichem Vehikel
Umher auf diesem Erdenkreis,
Und dennoch ist mir mein Bicycle
Das liebste Fuhrwerk, das ich weiß…
Baron Fritz von Ostini
Schriftsteller, Literaturkritiker
* 27.7.1861 - München
† 1.6.1927 - Pöcking
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
09 Mär 2020 07:57 #27374
von Kaninchen
Faschingsvollmond
Ein Freund, ein Dieb aus der Nähe von Metz,
Wollte mich betrunken machen.
Es gelang ihm durch dauerndes Anstoßen.
Wir stolperten über ein Polizeigesetz,
Lagen dann in zwei stecknadelgroßen
Blutlachen.
„Warum willst du mich denn betrunken machen?“
Frug ich. - „Um Dich zu berauben!“ -
Diesem Freunde konnte ich glauben;
Er küßte mir oft die Hände, in Wien. -
Nun lag er mit rührend blutender Nase
Mitten in der Theresienstraße
Neben mir. Wo uns der Vollmond beschien.
Wir wollten einander aufraffen,
Aber Der Mann im Monde trat
Eben in den Hof seines Mondes
Und signalisierte uns: Lohnt es
Sich, einen Hofhund hier anzuschaffen?
Oder empfehlen Sie Stacheldraht?
Ein Schutzmann kam und nahm eins von uns beiden.
Ich ließ meinem Freunde zur Aufbewahrung
Die Brieftasche. Aber nicht nur das Scheiden,
Auch andres tut weh. Zum Beispiel Erfahrung.
Ich kann die Gegend um Metz nicht leiden.
Faschingsvollmond
Ein Freund, ein Dieb aus der Nähe von Metz,
Wollte mich betrunken machen.
Es gelang ihm durch dauerndes Anstoßen.
Wir stolperten über ein Polizeigesetz,
Lagen dann in zwei stecknadelgroßen
Blutlachen.
„Warum willst du mich denn betrunken machen?“
Frug ich. - „Um Dich zu berauben!“ -
Diesem Freunde konnte ich glauben;
Er küßte mir oft die Hände, in Wien. -
Nun lag er mit rührend blutender Nase
Mitten in der Theresienstraße
Neben mir. Wo uns der Vollmond beschien.
Wir wollten einander aufraffen,
Aber Der Mann im Monde trat
Eben in den Hof seines Mondes
Und signalisierte uns: Lohnt es
Sich, einen Hofhund hier anzuschaffen?
Oder empfehlen Sie Stacheldraht?
Ein Schutzmann kam und nahm eins von uns beiden.
Ich ließ meinem Freunde zur Aufbewahrung
Die Brieftasche. Aber nicht nur das Scheiden,
Auch andres tut weh. Zum Beispiel Erfahrung.
Ich kann die Gegend um Metz nicht leiden.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
10 Mär 2020 07:46 #27391
von Kaninchen
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
11 Mär 2020 07:59 #27408
von Kaninchen
Adolf Glaßbrenner
1810-1876
An den Mond
O wandle durch die stille Nacht,
Du Liebessonne, Mond !
Doch weile einen Augenblick
Da, wo mein Liebchen wohnt.
Und wirf ihr einen blanken Gruß
Von mir ins Kämmerlein,
Daß sie auf Morgen nicht vergißt
das süße Stelldichein !
Und morgen Nacht, mein guter Freund,
Da spar Dein golden Licht,
Da ruh in Deinem Wolkenbett,
Da brauchen wir Dich nicht.
1810-1876
An den Mond
O wandle durch die stille Nacht,
Du Liebessonne, Mond !
Doch weile einen Augenblick
Da, wo mein Liebchen wohnt.
Und wirf ihr einen blanken Gruß
Von mir ins Kämmerlein,
Daß sie auf Morgen nicht vergißt
das süße Stelldichein !
Und morgen Nacht, mein guter Freund,
Da spar Dein golden Licht,
Da ruh in Deinem Wolkenbett,
Da brauchen wir Dich nicht.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.118 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte