Gedichte

  • Glögglifrosch
  • Glögglifroschs Avatar
  • Offline
  • Platinum Boarder
  • Platinum Boarder
Mehr
15 Mai 2021 15:45 - 15 Mai 2021 15:47 #35717 von Glögglifrosch
Jeder weiss, was so ein Maikäfer
für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
Fliegt und kriecht und krabbelt er.

Max und Moritz, immer munter,
Schütteln sie vom Baum herunter.
In die Tüte von Papiere
Sperren sie die Krabbeltiere.

Fort damit und in die Ecke
Unter Onkel Fritzens Decke!
Bald zu Bett geht Onkel Fritze
In der spitzen Zippelmütze;

Seine Augen macht er zu,
Hüllt sich ein und schläft in Ruh.
Doch die Käfer, kritze, kratze!
Kommen schnell aus der Matratze.

Schon fasst einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.
"Bau!" schreit er. "Was ist das hier?"
Und erfasst das Ungetier.

Und den Onkel, voller Grausen,
Sieht man aus dem Bette sausen.
"Autsch!" - Schon wieder hat er einen
Im Genicke, an den Beinen;

Hin und her und rundherum
Kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.
Onkel Fritz, in dieser Not,
Haut und trampelt alles tot

Guckste wohl, jetzt ist's vorbei
Mit der Käferkrabbelei!
Onkel Fritz hat wieder Ruh
Und macht seine Augen zu.


Wilhelm Busch



Dateianhang:










































 

Nichts in der Welt wirkt so ansteckend, wie lachen und gute Laune.
Dateianhang:
Letzte Änderung: 15 Mai 2021 15:47 von Glögglifrosch.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Mai 2021 08:31 #35737 von Kaninchen
 

Weiße Narzissen

Weiße Narzissen leuchten
Über dein Bild her und sagen
Mit leisen Märchenstimmen
Von heimlichen Frühlingstagen.

Von heimlichen, warmen Tagen,
Wo sich die Blumen verfrühten,
Stille weiße Sterne
Aus meinem Herzen blühten.

Stille weiße Sterne
Der Liebe, um dich zu schmücken,
Aber du gingst vorüber,
Durftest sie nicht pflücken.

Irgendwo warten,
Gewiegt von zärtlichen Winden,
Rote Rosen deiner,
Du wirst den Weg wohl finden.

Indessen leuchten die stillen
Großen Narzissensterne
Über dein Bild, wie aus weiter,
Weißer Märchenferne.

Gustav Falke

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
17 Mai 2021 07:26 - 17 Mai 2021 07:27 #35762 von Kaninchen
Frau Werner hieß das Tier (22. Juni 1931)

 

Mein Hund, den ich einmal an Oertners gab
weil sie ihn überlieb gewonnen hatten,
den mußten sie heute bestatten.

Betteten ihn in ein Hundegrab.

Eine Terrierhündin, die vierzehn Jahr
Alt wurde und Kriegskameradin mir war,
Ist sanft und rührend entschlafen.
Nun weinen die Oertners, die braven.

Mich tröstet traurig: So ging's, so geht's.
Hat Bug wie Heck seine Wellen.
In meinem besten Erinnern wird stets
Etwas wedeln und etwas bellen.

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934), eigentlich Hans Bötticher, deutscher Lyriker, Erzähler und Maler
Letzte Änderung: 17 Mai 2021 07:27 von Kaninchen.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
18 Mai 2021 07:24 #35779 von Kaninchen
 

Sprüche der Albernheit

Hüte dich vor Hund und Katzen,
Hüte dich vor Laus und Floh,
Denn die einen können kratzen,
Und die andern beißen froh.
Darum selber thu' dich kratzen
Darum leb wie Laus' und Floh,
Aber nicht wie Hund und Katzen,
Laus und Hund und Katzen kratzen
Und zu hüten ist der Floh,
Willst du sein des Lebens froh.

Ludwig Eichrodt (1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller, seinen »Gedichten des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermeier und seines Freundes Horatius Treuherz« verdankt der Zeitstil seinen Namen ›Biedermeier‹

Quelle: Eichrodt, L., Gedichte. Lyrische Karrikaturen, 1869. Aus dem Afghanischen. Originaltext der Übersetzung

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
19 Mai 2021 07:25 #35805 von Kaninchen
Ora et labora

Ein Fuhrmann saß im Schlamme fest
mit seiner Fracht. Das nächste Nest
fünf Meilen fern. Kein Mensch ringsrum.
Der Abend nah, der Tag bald um.
Voll Wut verflucht er fürchterlich
Pferd, Straße, Wagen, Welt und sich.
Zuletzt fleht leise er zu Gott:
"Hilf ! Mach den Karren wieder flott !"
Da hört er eines Engels Stimme:
"Gott mag nicht, daß man rasch ergrimme.
Selbst ist der Mann ! Sei rührig, rege !
Wo liegt das Hindernis im Wege ?
Schau nach! Die Achsen sind voll Dreck.
Schaff erst den Schlamm von ihnen weg !
Schütt Steine in das Loch ! Getan ?"
"Ja." – "Nun die Peitsche !" – "Ja." – "Treib an !"
Hauruck ! Hü hott ! Und was passiert ?
Der Karren läuft wie frisch geschmiert.
"Nun", ruft es, "merkst du was, du Lümmel ?
Hilf dir selbst, dann hilft dir auch der Himmel !"

August Lafontaine
(1758 - 1831),
August Heinrich Julius Lafontaine, deutscher Schriftsteller

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
20 Mai 2021 07:37 #35824 von Kaninchen
 

Vier Kastanienbäume
Stehn' vor meiner Tür,
Viele goldene Träume
Dichtete ich hier.

Büchlein von der Menschheit,
Ihrer "Trefflichkeit"
Ach, vergebt dem Dichter
Solche Albernheit.

Friederike Kempner
1828 - 1904
deutsche Dichterin, berühmt für ihren unfreiwilligen Humor (Spottnamen: „schlesische Nachtigall“ und „schlesischer Schwan“)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Ladezeit der Seite: 0.205 Sekunden
Powered by Kunena Forum