Gedichte
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24 Okt 2021 07:37 #38360
von Kaninchen
Merke jeder fein die Lehre:
Nicht verzweifeln, das ist Ehre –
Ist ja kein Wald so dunkel und dicht,
Es kommt am Ende doch Luft und Licht –
Ist keine Heide so groß und breit,
Steht doch am Ende ein Haus bereit,
Nur wenn man zögert und mutlos spricht:
»Es wird nicht gehen«, dann geht´s auch nicht.
Auguste Kurs
Nicht verzweifeln, das ist Ehre –
Ist ja kein Wald so dunkel und dicht,
Es kommt am Ende doch Luft und Licht –
Ist keine Heide so groß und breit,
Steht doch am Ende ein Haus bereit,
Nur wenn man zögert und mutlos spricht:
»Es wird nicht gehen«, dann geht´s auch nicht.
Auguste Kurs
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25 Okt 2021 07:34 #38370
von Kaninchen
Mit den Kindern am Kamin
Der Herbst ist jetzt gekommen,
Wir liegen am Kamin
Und sehen rot erglommen
Die frohen Funken ziehn.
Sie tanzen mit Gefunkel
Und wenn sie müde sind,
vergehen sie im Dunkel
In Wolken, Nacht und Wind.
Wir aber schaun und schweigen
Und unsre Flamme kracht,
Und tausend Funken steigen
In einem stillen Reigen
Frohlockend in die Nacht.
Hermann Hesse
Der Herbst ist jetzt gekommen,
Wir liegen am Kamin
Und sehen rot erglommen
Die frohen Funken ziehn.
Sie tanzen mit Gefunkel
Und wenn sie müde sind,
vergehen sie im Dunkel
In Wolken, Nacht und Wind.
Wir aber schaun und schweigen
Und unsre Flamme kracht,
Und tausend Funken steigen
In einem stillen Reigen
Frohlockend in die Nacht.
Hermann Hesse
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26 Okt 2021 07:35 #38380
von Kaninchen
Soll der Käse etwas taugen,
hab er nicht 10 000 Augen
wie einst Argus. Auch nicht klein,
breit und dick, so soll er sein !
Kein Methusalem an Jahren
werd er durch zu langes Sparen;
nein, der Büßrin reich an Thränen
soll er gleichen, Magdalenen.
Habakuk einst kochte Brei,
breiig nicht der Käse sei!
Was man liest von Lazarus,
gelte auch vom caseus:
Dort hört man's im Klageton,
hier als Ruhm: »er stinket schon«.
Martin Luther (1483 - 1546), deutscher Theologe und Reformator
hab er nicht 10 000 Augen
wie einst Argus. Auch nicht klein,
breit und dick, so soll er sein !
Kein Methusalem an Jahren
werd er durch zu langes Sparen;
nein, der Büßrin reich an Thränen
soll er gleichen, Magdalenen.
Habakuk einst kochte Brei,
breiig nicht der Käse sei!
Was man liest von Lazarus,
gelte auch vom caseus:
Dort hört man's im Klageton,
hier als Ruhm: »er stinket schon«.
Martin Luther (1483 - 1546), deutscher Theologe und Reformator
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27 Okt 2021 07:27 #38390
von Kaninchen
In trauter Verborgenheit
Wilhelm Busch
Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.
Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.
Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.
Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.
Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.
Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu.
Wilhelm Busch
Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.
Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.
Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.
Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.
Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.
Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu.
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28 Okt 2021 07:37 #38399
von Kaninchen
Vorschneller Schwur
Schwor ein junges Mädchen:
Blumen nie zu tragen
Niemals Wein zu trinken,
Knaben nie zu küssen.
Gestern schwor das Mädchen
Heute schon bereut es:
Wenn ich Blumen trüge,
Wär' ich doch noch schöner !
Wenn ich Rotwein tränke,
Wär' ich doch noch froher !
Wenn ich den Liebsten küßte,
Wär' mich doch noch wohler !
Siegfried Kapper (1820 - 1879), Isaac Salomon Kapper, tschechischer Arzt, Schriftsteller und Übersetzer
Schwor ein junges Mädchen:
Blumen nie zu tragen
Niemals Wein zu trinken,
Knaben nie zu küssen.
Gestern schwor das Mädchen
Heute schon bereut es:
Wenn ich Blumen trüge,
Wär' ich doch noch schöner !
Wenn ich Rotwein tränke,
Wär' ich doch noch froher !
Wenn ich den Liebsten küßte,
Wär' mich doch noch wohler !
Siegfried Kapper (1820 - 1879), Isaac Salomon Kapper, tschechischer Arzt, Schriftsteller und Übersetzer
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29 Okt 2021 07:49 #38408
von Kaninchen
Müdigkeit
Ich hab' geruht an allen Quellen,
Ich fuhr dahin auf allen Wellen,
Und keine Straße ist, kein Pfad,
Den irrend nicht mein Fuß betrat.
Ich hab' verjubelt manche Tage,
Und manche hin gebracht in Klage,
Bei Büchern manche lange Nacht,
Und andere beim Wein durchwacht.
Viel mißt' ich, viel hab' ich errungen,
Auch Lieder hab' ich viel gesungen,
Und ausgeschöpft hat dieses Herz
Des Lebens Lust, des Lebens Schmerz.
Nun ist der Becher leer getrunken,
Das Haupt mir auf die Brust gesunken,
Nun legt' ich gern mich hin und schlief',
Unweckbar, traumlos, still und tief !
Mir ist, mir ist, als hört ich locken
Von fernher schon die Abendglocken,
Und süße, weiche Traurigkeit
Umweht mich: Komm, 's ist Schlafenszeit.
Adalbert Stifter (1805 - 1868), österreichischer Erzähler, Romanschriftsteller, Novellist und Maler
Ich hab' geruht an allen Quellen,
Ich fuhr dahin auf allen Wellen,
Und keine Straße ist, kein Pfad,
Den irrend nicht mein Fuß betrat.
Ich hab' verjubelt manche Tage,
Und manche hin gebracht in Klage,
Bei Büchern manche lange Nacht,
Und andere beim Wein durchwacht.
Viel mißt' ich, viel hab' ich errungen,
Auch Lieder hab' ich viel gesungen,
Und ausgeschöpft hat dieses Herz
Des Lebens Lust, des Lebens Schmerz.
Nun ist der Becher leer getrunken,
Das Haupt mir auf die Brust gesunken,
Nun legt' ich gern mich hin und schlief',
Unweckbar, traumlos, still und tief !
Mir ist, mir ist, als hört ich locken
Von fernher schon die Abendglocken,
Und süße, weiche Traurigkeit
Umweht mich: Komm, 's ist Schlafenszeit.
Adalbert Stifter (1805 - 1868), österreichischer Erzähler, Romanschriftsteller, Novellist und Maler
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