Gedichte

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25 Aug 2022 13:04 #41795 von Kaninchen
Hörst Du, wie um unser Haus
geht der Wind ?

Wein Dir nicht die Augen aus,
liebes Kind !

Wolke, Wind und Herzensgram
bald vergeht,

Blauer Himmel wundersam
drübersteht.

Weine, weine nicht so sehr !
Längst hat Ruh´,
Eine, die - ´s ist lange her -
litt wie Du.


Paul Keller
dt. Schriftsteller
Quelle : Keller, P., Gedichte und Gedanken

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27 Aug 2022 14:21 #41814 von Kaninchen
 
Otto von Leixner
dt. Novellist

Im Meinungskampf zu allen Zeiten
die gleichen Waffen Sieg erstreiten :
Es sind die schärfsten Zungen
und allerstärksten Lungen.
Da hat die Wahrheit liebe Not -
Sie wird zumeist geschlagen tot.

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28 Aug 2022 09:57 #41824 von Kaninchen
Das befreiende Wort

Ein Wort hab ich erkoren,
das in der Lebensschlacht
ein Schutz stets unverloren,
mich hieb- und schußfest macht.
Man lernt es nur mit Schmerzen,
doch wer´s erlernen kann,
der preist in seinem Herzen
das Wort : "Was liegt daran ?!"

Wenn Falsches und Verkehrtes
die Welt von ihm ersinnt,
ein Mann, bar jeden Wertes,
den Rang ihm abgewinnt.
Wenn ihn die blöde Menge
belegt mit Acht und Bann,
ihn bringt´s nicht ins Gedränge -
Er denkt : "Was liegt daran ?!"

Nah´n ihm des Alters Schatten,
wird ohne Groll und Streit
er ihr zurükerstatten,
was die Natur nur leiht.
Geht selbst der Ruhm zu Trümmern,
den er vordem gewann,
es wird ihn wenig kümmern -
Er denkt : "Was liegt daran ?!"

Betty Paoli
österr. Lyrikerin

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29 Aug 2022 11:09 #41834 von Kaninchen
 

Die Erschaffung des Weibes

Erst als vollendet ganz der Schöpfung Bau,
schuf unser Herrgott endlich auch die Frau.
Warum denn wohl, hat mancher schon gedacht,
ward mit der Frau der Anfang nicht gemacht ?
Weil mit den Weibern, wie ihr alle wißt,
nun einmal doch nichts anzufangen ist.

Unbekannt
Quelle : Die zehnte Muse
Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl
aus vergangnen Jahrhunderten und aus unseren Tagen

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31 Aug 2022 11:35 #41853 von Kaninchen
Das Mädchen mit dem Muttermal

Chason

Woher sie kam, wohin sie ging,
das hab´ ich nie erfahren.
Sie war ein namenloses Ding
von etwa achtzehn Jahren,
sie küßte selten ungestüm.
Dann duftete es wie Parfüm
aus ihren keuschen Haaren.

Wir spielten nur, wir scherzten nur;
Wir haben nie gesündigt.
Sie leistete mir jeden Schwur
und floh dann ungekündigt.
Entfloh mit meiner goldnen Uhr
am selben Tag, da ich erfuhr,
man habe mich entmündigt.

Verschwunden war mein Siegelring
beim Spielen oder Scherzen.
Sie war ein zarter Schmetterling.
Ich werde nie verschmerzen,
wie vieles Goldene sie stahl,
das Mädchen mit dem Muttermal
zwei Handbreit unterm Herzen.

Joachim Ringelnatz
dt. Lyriker, Erzähler und Maler

Quelle : Ringelnatz, J., Gedichte Allerdings 1928 

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01 Sep 2022 08:00 #41865 von Kaninchen
 

Herr Luchs spricht keinem Menschen
nach dem Mund
und doch gelang es ihm
so hoch zu steigen ?
Ja, denn der Schalk versteht
die fein´re Kunst,
den großen Herren
nach dem Mund zu schweigen.

Otto Ernst
1862-1926
deutscher Erzähler

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