Gedichte
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13 Okt 2024 11:16 #49973
von Kaninchen
Der Schmetterling ist in die Rose verliebt
Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber goldig zart
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.
Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt‘ ich gar so gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?
Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb‘ euch all?:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.
Heinrich Heine
Der Schmetterling ist in die Rose verliebt
Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber goldig zart
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.
Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt‘ ich gar so gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?
Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb‘ euch all?:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.
Heinrich Heine
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15 Okt 2024 13:16 #49996
von Kaninchen
Bierbaum, Otto (1865-1910)
Düfte aus dem Rosenbusche
Meiner Jugend, süße Düfte,
Endlich seid ihr wiederkommen,
Wiederkommen in der Wolke
Dort.
Seht', ich wußt' es, daß ihr kämet;
Meine Seele sagte heute
Früh zu mir: Wach auf, Geselle,
Deine Jugend will Dich grüßen
Hier.
Und sie nahm von meinen Augen
Alle Schleier meiner Dumpfheit,
Und sie nahm von meinen Sinnen
Alle Härten, alle Hüllen
Fort.
Darum seh' ich, darum fühl' ich
Heut' in jeder hellen Wolke
Düfte aus dem Rosenbusche
Meiner Jugend, süße Düfte
Hier und dort.
Bierbaum, Otto (1865-1910)
Düfte aus dem Rosenbusche
Meiner Jugend, süße Düfte,
Endlich seid ihr wiederkommen,
Wiederkommen in der Wolke
Dort.
Seht', ich wußt' es, daß ihr kämet;
Meine Seele sagte heute
Früh zu mir: Wach auf, Geselle,
Deine Jugend will Dich grüßen
Hier.
Und sie nahm von meinen Augen
Alle Schleier meiner Dumpfheit,
Und sie nahm von meinen Sinnen
Alle Härten, alle Hüllen
Fort.
Darum seh' ich, darum fühl' ich
Heut' in jeder hellen Wolke
Düfte aus dem Rosenbusche
Meiner Jugend, süße Düfte
Hier und dort.
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16 Okt 2024 11:25 #50010
von Kaninchen
Fahrten
Das Gedicht „Fahrten“ stammt aus der Feder von Stefan Zweig.
Noch immer hat kein liebes Band
Mich angeschmiegt an stillen Sinn,
Noch wird mir Heimat jedes Land,
Dem ich gerad zu Gaste bin.
Den hellen Straßen geh ich nach
Wie Staub, der nach den Rädern rennt,
Gern rastend unter einem Dach,
Wo nicht ein Herz das meine kennt.
Landfahrer ward ich mit dem Wind
Und des Gedenkens ganz entwöhnt,
Daß mir daheim noch Freunde sind,
Die ich mir einst als Glück ersehnt,
Ein Träumer in die runde Welt,
Der wegwärtswandernd schon vergißt,
Wohin der eigne Sinn ihn schnellt
Und wo sein Herz zu Hause ist.
Ein Wandrer, der zwei Fremden
Und keine Heimat hat.
Fahrten
Das Gedicht „Fahrten“ stammt aus der Feder von Stefan Zweig.
Noch immer hat kein liebes Band
Mich angeschmiegt an stillen Sinn,
Noch wird mir Heimat jedes Land,
Dem ich gerad zu Gaste bin.
Den hellen Straßen geh ich nach
Wie Staub, der nach den Rädern rennt,
Gern rastend unter einem Dach,
Wo nicht ein Herz das meine kennt.
Landfahrer ward ich mit dem Wind
Und des Gedenkens ganz entwöhnt,
Daß mir daheim noch Freunde sind,
Die ich mir einst als Glück ersehnt,
Ein Träumer in die runde Welt,
Der wegwärtswandernd schon vergißt,
Wohin der eigne Sinn ihn schnellt
Und wo sein Herz zu Hause ist.
Ein Wandrer, der zwei Fremden
Und keine Heimat hat.
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17 Okt 2024 12:59 #50019
von Kaninchen
Der Esel
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn Mut und ohn Gewalt;
Mein spotten, und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muss Stroh und Disteln käuen;
Werd unter Säcken alt –
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts, als eine schöne Stimme.
Matthias Claudius
Der Esel
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn Mut und ohn Gewalt;
Mein spotten, und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muss Stroh und Disteln käuen;
Werd unter Säcken alt –
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts, als eine schöne Stimme.
Matthias Claudius
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18 Okt 2024 10:49 #50032
von Kaninchen
Wanderlebensregeln
Das Gedicht „Wanderlebensregeln“ stammt aus der Feder von Max Eyth.
Willst du hinaus in die weite Welt,
So laß das Sorgen dahinten.
Nimm nicht zu viel, doch ein wenig Geld,
Das weitere solltest du finden.
Ein flinker Fuß, eine stetige Hand,
Und das Herz am richtigen Flecke,
So kommst du sicher im fernsten Land
Auch um die gefährlichste Ecke.
Und den Schulsack - vergiss den Schulsack nicht,
Um den uns der Erdkreis beneidet.
Erfreu dich an seinem schönen Gewicht,
Solange dein Rücken es leidet.
Doch hab' er ein Loch, hübsch lang und weit,
Wenn nötig, gebrauche die Schere,
Damit er beim Wandern, im Laufe der Zeit,
Sich heimlich und schmerzlos entleere.
Was alles du siehst, ist dein Wandersold,
Den magst in die Tasche du rammen;
Vielleicht ist es Plunder, vielleicht ist es Gold,
So lag's auch im Schulsack beisammen.
Dann: - fährt dich niemand, und du mußt gehn,
Greif aus, kein Weg mach' dir bange.
Und siehst du das Glück auf der Straße stehn:
Greif zu, besinn dich nicht lange.
Doch wendet den Rücken es manches Mal
Und zeigt dir boshaft die Kralle,
Geh weiter! Bleib treu deinem Eisen und Stahl,
Und pfeif auf die Edelmetalle.
So ziehe getrost bergauf, bergab,
Und trage und schaffe und scherze;
Bringst du nur zurück, was Gott dir gab,
Dein altes, fröhliches Herze.
Wanderlebensregeln
Das Gedicht „Wanderlebensregeln“ stammt aus der Feder von Max Eyth.
Willst du hinaus in die weite Welt,
So laß das Sorgen dahinten.
Nimm nicht zu viel, doch ein wenig Geld,
Das weitere solltest du finden.
Ein flinker Fuß, eine stetige Hand,
Und das Herz am richtigen Flecke,
So kommst du sicher im fernsten Land
Auch um die gefährlichste Ecke.
Und den Schulsack - vergiss den Schulsack nicht,
Um den uns der Erdkreis beneidet.
Erfreu dich an seinem schönen Gewicht,
Solange dein Rücken es leidet.
Doch hab' er ein Loch, hübsch lang und weit,
Wenn nötig, gebrauche die Schere,
Damit er beim Wandern, im Laufe der Zeit,
Sich heimlich und schmerzlos entleere.
Was alles du siehst, ist dein Wandersold,
Den magst in die Tasche du rammen;
Vielleicht ist es Plunder, vielleicht ist es Gold,
So lag's auch im Schulsack beisammen.
Dann: - fährt dich niemand, und du mußt gehn,
Greif aus, kein Weg mach' dir bange.
Und siehst du das Glück auf der Straße stehn:
Greif zu, besinn dich nicht lange.
Doch wendet den Rücken es manches Mal
Und zeigt dir boshaft die Kralle,
Geh weiter! Bleib treu deinem Eisen und Stahl,
Und pfeif auf die Edelmetalle.
So ziehe getrost bergauf, bergab,
Und trage und schaffe und scherze;
Bringst du nur zurück, was Gott dir gab,
Dein altes, fröhliches Herze.
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20 Okt 2024 10:48 #50052
von Kaninchen
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse
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