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05 Aug 2026 16:37 - 05 Aug 2026 16:38 #60380 von Kaninchen
   

Kokochanel

Hundstage

So bleiern liegt die Hitze überm Haus,
als wolle sie sein Backsteinherz versengen.
Petunien lassen ihre Köpfe hängen.
Der alte Hund schaut stumm zur Tür hinaus.

Er schnuppert in die Luft, die stille steht,
als wisse er um Werden und Vergehen.
Nein, keinen Schritt wird er nach vorne gehen,
wo nicht einmal ein laues Lüftchen weht.

Allein der Mensch rafft seine Badesachen,
als wäre lustvoll einzig ihm das Sein,
gäb er sich in die Glut der Sonne ein.
Ach, nur im Sommer kann man so viel machen!

Dann schau ich stumm aus meiner Tür hinaus,
ich schnuppere, ich atme schwere Luft,
die mich umgibt wie eine dunkle Gruft.
Nein, keinen Schritt tu ich aus diesem Haus!

Die Nachbarn fahren fort zum Tennis-Glück.
Ich hör das Heulen zweier Krankenwagen,
schau meinen Hund an, brauche nichts zu sagen.
Zur Couch hin wandert unser beider Blick.
Letzte Änderung: 05 Aug 2026 16:38 von Kaninchen.

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07 Aug 2026 16:45 #60421 von Kaninchen
 

Die Badewanne

Das Gedicht „Die Badewanne“ stammt aus der Feder von Joachim Ringelnatz.

Die Badewanne prahlte sehr.
Sie hielt sich für das Mittelmeer
Und ihre eine Seitenwand
Für Helgoländer Küstenland.

Die andre Seite - gab sie an -
Sei das Gebirge Hindostan
Und ihre große Rundung sei
Bestimmt die Delagoabai.

Von ihrem schmalen Ende vorn
Erklärte sie, es sei Kap Horn.
Den Kettenzug am Regulator
Hielt sie sogar für den Äquator.

Sie war - nicht wahr, das merken Sie? -
Sehr schwach in der Geographie.
Dies eingebildete Bassin,
Es wohnte im Quartier latin.

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09 Aug 2026 09:25 #60459 von Kaninchen
 

Die alten Bäume

Sie stehn so da, ganz still und sacht,
als hätten sie die Welt durchdacht.
Der Specht klopft laut — sie stört es kaum;
man wird gelassen mit dem Traum.

Und wenn ein Sturm die Kronen rührt,
dann knarrt es leis, doch ungeniert:
„Nur zu, mein Sohn, hab deinen Spaß —
wir alten Kerle halten das.“

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09 Aug 2026 17:11 - 09 Aug 2026 17:12 #60477 von Feschtbrueder
Das Lied vom dicken Fritz 

Warum ist doch der Fritz so rund?
Er sitzt den ganzen Tag im Grund,
Und ist der Tag auch noch so schwül,
Am Wasserfall da ist es kühl,
Da kann er ganz gemütlich sitzen,
Braucht nicht wie andre Leut zu schwitzen,
Und naht die Mittagsstunde sich,
So lagert er sich im Grunde,
Zwölf Eier sind dann auch ein Grund,
Ein schönes Essen und gesund.

(:Chor der Dünnen)

Seht, seht: Behaglich streicht er sich den Bauch!
Du lieber Gott, ich wollte -
Ich wollte, wir könnten's auch.

Warum ist doch der Fritz so rund?
Er schiebt die Wurscht in seinen Mund,
Und Rindfleisch ißt er gleich für vier
Und leert dazu vom guten Bier
Manch volles Glas bis auf den Grund.
Poussieren, denkt er, macht nicht rund,
Laubobern ist auch nicht gesund,
Drum schleicht er sich ganz still allein
Ins Bett hinauf schon um halb neun.
Und wenn's kein Bier gegeben hätt',
Wer weiß, er läg' noch heut im Bett.

Wilhelm Busch

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Letzte Änderung: 09 Aug 2026 17:12 von Feschtbrueder.

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10 Aug 2026 18:41 #60499 von Kaninchen
 

Die Sternschnuppe

Wißt ihr, was es bedeutet,
Wenn von dem Himmelszelt
Ein Stern hernieder gleitet
Und schnell zur Erde fällt?

Die Lichter, die dort glänzen
Mit wundermildem Schein,
Das sind in Strahlenkränzen
Viel tausend Engelein.

Die sind als treue Wachten
Am Himmel aufgestellt,
Daß sie auf Alles achten.
Was vorgeht in der Welt.

Wenn unten auf der Erde
Ein guter Mensch, gedrückt
Von Kummer und Beschwerde,
Voll Andacht aufwärts blickt,

Und sich zum Vater wendet
In seinem tiefen Weh,
Dann wird herabgesendet
Ein Engel aus der Höh',

Der schwebt in seine Kammer
Mit mildem Friedensschein
Und wieget seinen Jammer
In sanften Schlummer ein.

Das ist's, was es bedeutet,
Wenn von dem Himmelszelt
Ein Stern herniedergleitet
Und schnell zur Erde fällt.

Friedrich von Sallet

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11 Aug 2026 15:48 #60519 von Kaninchen
 

Christiane

Es stand ein Sternlein am Himmel,
Ein Sternlein guter Art;
Das tät so lieblich scheinen,
So lieblich und so zart!

Ich wußte seine Stelle
Am Himmel, wo es stand;
Trat abends vor die Schwelle,
Und suchte, bis ich's fand;

Und blieb denn lange stehen,
Hatt große Freud in mir:
Das Sternlein anzusehen;
Und dankte Gott dafür.

Das Sternlein ist verschwunden;
Ich suche hin und her
Wo ich es sonst gefunden,
Und find es nun nicht mehr.

Matthias Claudius

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