Gedichte
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13 Aug 2026 18:50 #60552
von Kaninchen
Weil's so schön war
Paulus schrieb an die Apachen:
Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.
Paulus schrieb an die Komantschen:
Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen.
Paulus schrieb an die Navajo:
Oblaten isst man nicht mit Majo!
Paulus schrieb den Irokesen:
Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen!
Hommage an Robert Gernhardt (1937 - 2006): Gernhardt war ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Zeichner und Maler, der vor allem durch seine Satiren und seine komischen Gedichte und Zeichnungen in der Tradition Wilhelm Buschs bekannt wurde
Paulus schrieb an die Apachen:
Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.
Paulus schrieb an die Komantschen:
Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen.
Paulus schrieb an die Navajo:
Oblaten isst man nicht mit Majo!
Paulus schrieb den Irokesen:
Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen!
Hommage an Robert Gernhardt (1937 - 2006): Gernhardt war ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Zeichner und Maler, der vor allem durch seine Satiren und seine komischen Gedichte und Zeichnungen in der Tradition Wilhelm Buschs bekannt wurde
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14 Aug 2026 20:55 #60584
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Lied eines versimpelten Junggesellen
Keine Frau befiehlt ihm was,
Hindert ihn durch dies und das,
Und er sorgt für sich allein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Mancherlei gibt's Zeitvertreib
Auf den Gassen, in der Kneip',
Auch gefäll'ge Mägdelein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Sitzt er abends lang beim Bier,
Schilt ihn nicht die Frau dafür,
Darum schenkt noch einmal ein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Geht er endlich selig fort,
Winket Ruh im Bette dort,
Ei wie gut schläft's sich allein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Wenn er morgens schlafen will,
Störet ihn kein Kindsgebrüll,
Keine Frau redt ihm was drein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Zieht ein frisches Hemd er an,
Fehlt gar oft ein Knopf daran,
Fröhlich näht er ihn dann ein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Und noch manche andre Freud
Sich der Junggesell bereit't,
Auch geht er mitunter ein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Harmlos lebt er so dahin
Und versimpelt oft im Sinn;
Manchmal ist er auch ein Schwein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Heut stolziert er auf und ab,
Morgen scheißt der Hund aufs Grab,
Dies ist dann sein Leichenstein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Wilhelm Busch
Keine Frau befiehlt ihm was,
Hindert ihn durch dies und das,
Und er sorgt für sich allein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Mancherlei gibt's Zeitvertreib
Auf den Gassen, in der Kneip',
Auch gefäll'ge Mägdelein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Sitzt er abends lang beim Bier,
Schilt ihn nicht die Frau dafür,
Darum schenkt noch einmal ein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Geht er endlich selig fort,
Winket Ruh im Bette dort,
Ei wie gut schläft's sich allein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Wenn er morgens schlafen will,
Störet ihn kein Kindsgebrüll,
Keine Frau redt ihm was drein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Zieht ein frisches Hemd er an,
Fehlt gar oft ein Knopf daran,
Fröhlich näht er ihn dann ein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Und noch manche andre Freud
Sich der Junggesell bereit't,
Auch geht er mitunter ein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Harmlos lebt er so dahin
Und versimpelt oft im Sinn;
Manchmal ist er auch ein Schwein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Heut stolziert er auf und ab,
Morgen scheißt der Hund aufs Grab,
Dies ist dann sein Leichenstein -
Schön ist's, Junggeselle sein!
Wilhelm Busch
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15 Aug 2026 18:42 - 15 Aug 2026 18:44 #60610
von Kaninchen
Mit fünf Jahren…
Das Gedicht „Mit fünf Jahren…“ stammt aus der Feder von Arno Holz.
Mit
fünf Jahren
war ich mir über alles
klar.
In China
wurde französisch gesprochen,
in Afrika
gab es einen Vogel, der Känguru hieß,
und die Jungfrau Maria war katholisch und hatte ein himmelblaues Kleid an.
Sie war aus Wachs und dem lieben Gott seine Mutter.
Wenn ich groß war,
wollte ich Schiller und Goethe werden
und in Berlin
hinterm Schloss wohnen.
Wenn ich Kinder kriegte,
wollte ich sie alles … anstreichen lassen.
Das kostete nicht soviel,
und sie zerrissen sich nicht die Hosen.
Beim Buchbinder Pollakowski
hing ein großer, bunter, sonnenvergilbter
Bilderbogen
mit einem weißen Schimmel, der auf seinen Hinterbeinen stand.
Der dicke Türke mit dem blanken Säbel drauf
hieß Ali Pascha.
Wenn ich mal einen Groschen hatte,
wollte ich mir den
kaufen.
Am liebsten aber
wollte ich doch … die Nilquellen entdecken.
Ich wusste genau,
wie man das machte.
Wo er rausfloss,
setzte man sich einfach in ein Boot
und fuhr dann immerzu weiter, bis wo alles aufhört.
Da war man denn da.
Dort gab es Affen,
die sich mit Apfelsinen und Kokusnüssen beschmissen,
Goldstreusand
und Traubrosinenbäume mit Knackmandeln dran.
Und damit ich nicht so lange verhungerte,
wollte ich mir
lauter Gerstenzucker und eine Unmasse Johannisbrot
mitnehmen.
Aber das sagte ich keinem.
Das behielt ich ganz für mich alleine.
Bloß
ich wunderte mich bei mir,
dass die andern alle … so dumm waren!
Das Gedicht „Mit fünf Jahren…“ stammt aus der Feder von Arno Holz.
Mit
fünf Jahren
war ich mir über alles
klar.
In China
wurde französisch gesprochen,
in Afrika
gab es einen Vogel, der Känguru hieß,
und die Jungfrau Maria war katholisch und hatte ein himmelblaues Kleid an.
Sie war aus Wachs und dem lieben Gott seine Mutter.
Wenn ich groß war,
wollte ich Schiller und Goethe werden
und in Berlin
hinterm Schloss wohnen.
Wenn ich Kinder kriegte,
wollte ich sie alles … anstreichen lassen.
Das kostete nicht soviel,
und sie zerrissen sich nicht die Hosen.
Beim Buchbinder Pollakowski
hing ein großer, bunter, sonnenvergilbter
Bilderbogen
mit einem weißen Schimmel, der auf seinen Hinterbeinen stand.
Der dicke Türke mit dem blanken Säbel drauf
hieß Ali Pascha.
Wenn ich mal einen Groschen hatte,
wollte ich mir den
kaufen.
Am liebsten aber
wollte ich doch … die Nilquellen entdecken.
Ich wusste genau,
wie man das machte.
Wo er rausfloss,
setzte man sich einfach in ein Boot
und fuhr dann immerzu weiter, bis wo alles aufhört.
Da war man denn da.
Dort gab es Affen,
die sich mit Apfelsinen und Kokusnüssen beschmissen,
Goldstreusand
und Traubrosinenbäume mit Knackmandeln dran.
Und damit ich nicht so lange verhungerte,
wollte ich mir
lauter Gerstenzucker und eine Unmasse Johannisbrot
mitnehmen.
Aber das sagte ich keinem.
Das behielt ich ganz für mich alleine.
Bloß
ich wunderte mich bei mir,
dass die andern alle … so dumm waren!
Letzte Änderung: 15 Aug 2026 18:44 von Kaninchen.
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16 Aug 2026 16:18 #60622
von Kaninchen
Sommerfrische
Das Gedicht „Sommerfrische“ stammt aus der Feder von Joachim Ringelnatz.
Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.
Weil's wohltut, weil's frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und laß deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiß dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.
Sommerfrische
Das Gedicht „Sommerfrische“ stammt aus der Feder von Joachim Ringelnatz.
Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.
Weil's wohltut, weil's frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und laß deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiß dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.
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17 Aug 2026 16:18 #60642
von Kaninchen
Die Entwicklung der Menschheit
Das Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ stammt aus der Feder von Erich Kästner.
Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.
Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.
Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.
Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.
Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.
So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.
Das Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ stammt aus der Feder von Erich Kästner.
Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.
Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.
Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.
Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.
Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.
So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.
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18 Aug 2026 18:33 #60675
von Kaninchen
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