Gedichte

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31 Aug 2026 18:36 #60911 von Kaninchen
"Schnitterlied"
Verfasser unbekannt.

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Hat Gewalt vom höchsten Gott,
Heut wetzt er das Messer,
Es schneidt schon viel besser,
Bald wird er drein schneiden,
Wir müssens nur leiden.
Hüte dich schöns Blümelein!

Was heut noch grün und frisch da steht,
Wird morgen schon hinweggemäht:
Die edlen Narzissen,
Die Zierden der Wiesen,
Die schön' Hyazinthen,
Die türkischen Binden.
Hüte dich schöns Blümelein!

Viel hundert tausend ungezählt,
Was nur unter die Sichel fällt,
Ihr Rosen, ihr Lilien,
Euch wird er austilgen,
Auch die Kaiser-Kronen,
Wird er nicht verschonen.
Hüte dich schöns Blümelein!

Das himmelfarbe Ehrenpreis,
Die Tulipanen gelb und weiß,
Die silbernen Glocken,
Die goldenen Flocken,
Senkt alles zur Erden,
Was wird daraus werden?
Hüte dich schöns Blümelein!

Ihr hübsch Lavendel, Rosmarein,
Ihr vielfärbige Röselein.
Ihr stolze Schwertlilien,
Ihr krause Basilien,
Ihr zarte Violen,
Man wird euch bald holen.
Hüte dich schöns Blümelein!

Trotz! Tod, komm her, ich fürcht dich nicht,
Trotz, eil daher in einem Schnitt.
Werd ich nur verletzet,
So werd ich versetzet
In den himmlischen Garten,
Auf den alle wir warten.
Freu' dich du schöns Blümelein.

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01 Sep 2026 17:33 - 01 Sep 2026 17:33 #60935 von Feschtbrueder
September

September trägt den Morgen still und kühl,
die ersten Blätter tanzen durch die Gassen,
der Sommer muss nun seine Wärme lassen,
und Nebel liegt wie Silber auf dem Mühl.

Am Abend sinkt die Sonne ohne Ziel,
ihr goldenes Licht ruht auf den Dächern,
der Wind beginnt in alten Zweigen zu fächern,
und über Felder zieht ein Wolkenspiel.

Die Tage werden kürzer, leis und sacht,
im Garten welken Rosen, rot und müde,
doch reift im Apfel noch des Sommers Pracht.

Der Herbst legt seine Hand auf Wald und Flur,
und was der Sommer einst hervorgebracht,
verwandelt sich in Abschied und Natur.

Feschbrueder
 

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Letzte Änderung: 01 Sep 2026 17:33 von Feschtbrueder.

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01 Sep 2026 18:22 - 01 Sep 2026 23:52 #60936 von Kaninchen
 

Herbst

Das Gedicht „Herbst“ stammt aus der Feder von Joachim Ringelnatz.

Der Herbst schert hurtig Berg und Tal
Mit kalter Schere ratzekahl.
Der Vogel reist nach warmer Ferne;
Wir alle folgten ihm so gerne.

Das Laub ist gelb und welk geworden,
Grün blieb nur Fichte noch und Tann'.
Huhu! Schon meldet sich im Norden
Der Winter mit dem Weihnachtsmann.
Letzte Änderung: 01 Sep 2026 23:52 von Feschtbrueder. Grund: Korr.

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02 Sep 2026 19:20 #60958 von Kaninchen
 

Der Einsame
Das Gedicht „Der Einsame“ stammt aus der Feder von Wilhelm Busch.

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.

Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.

Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.

Nur allerhöchstens fragt mal einer:
»Was, lebt er noch? Ei Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.«
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
»Wer einsam ist, der hat es gut.«

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03 Sep 2026 19:17 #60980 von Kaninchen
 

Drei Wandrer
Das Gedicht „Drei Wandrer“ stammt aus der Feder von Carl Busse.

Drei Wandrer sind gegangen,
Und als der Abend fiel,
Da trugen sie Verlangen
Nach frohem Kartenspiel.

Der Jüngste sprach: "Ich bitte,
Sagt an, geht es um Geld?"
Und Antwort gab der Dritte:
"Wir spielen um die Welt."

Der Jüngste, frei vom Grame,
Und wie ein Maitag frisch,
Der warf die Herzendame
Helllachend auf den Tisch:

"Dann mag's euch nur nicht grämen,
Mir blieb das beste Stück,
Das soll mir keiner nehmen,
Juchhei! Ich bin das Glück"

Der Zweite mit dem fahlen,
Durchfurchten Angesicht
Sprach: "Bruder, laß dein Prahlen,
Die Karte fürcht' ich nicht!

Was scheert mich deine Träne
Und was dein rotes Herz!
Ich stech' mit der Kreuz-Zehne,
Gebt Raum - ich bin der Schmerz!"

Der Dritte dumpfen Tones
Hat heimlich nur gelacht,
Sprach dann voll bittern Hohnes:
"Was ihr für Späße macht!

Ich lös' die Welt vom Leide.
Von Glück und Schmerz und Not,
Ich nehm' euch alle beide,
Trumpfaß! Ich bin der Tod."

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04 Sep 2026 16:29 #60992 von Kaninchen
 

Lied vom Reisen
Das Gedicht „Lied vom Reisen“ stammt aus der Feder von Ludwig Tieck.

Willt du dich zur Reis' bequemen
Über Feld
Berg und Tal
Durch die Welt,
Fremde Städte allzumal,
Mußt Gesundheit mit dir nehmen.

Neue Freunde aufzufinden
Läßt die alten du dahinten,
Früh am Morgen bist du wach,
Mancher sieht dem Wandrer nach
Weint dahinten,
Kann die Freud' nicht wiederfinden.

Eltern, Schwester, Bruder, Freund,
Auch vielleicht das Liebchen weint;
Laß sie weinen, traurig und froh
Wechselt das Leben bald so bald so
Nimmer ohne Ach! und O!
Heimat bleibt dir treu und bieder,
Kehrst du nur als Treuer wieder,
Reisen und Scheiden
Bringt des Wiedersehens Freuden.

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