Gedichte
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
07 Jul 2018 08:42 - 07 Jul 2018 08:44 #18365
von Kaninchen
Regen
Am Wald geht der Sturm, und es regnet laut,
Die Heide fröstelt und schauert,
Das Waldmännlein hockt unterm Farrenkraut,
Am Fuß der Tanne gekauert.
Der Häher ruft, und die Föhre knarrt,
Es rauscht und strömet der Regen,
Es rinnt und tropft von der Tanne Bart,
Es hüpft und spielt auf den Wegen.
Es rieselt und plätschert und leise spricht’s,
Und im Walde beginnt es zu dunkeln,
Das Männlein kauert und regt sich nicht,
Seine Augen im Dickichte funkeln.
Es sieht das Häslein dicht neben sich
In der Heide zu Lager gehen
Und den Fuchs. der über die Lichtung schlich,
Windschnüffelnd am Waldrande stehen.
Es spürt, wie das Reh zu ihm niederschaut
Mit regentropfenden Zacken,
Sein Atem geht heiß, und sein Herz schlägt laut,
Und es horcht mit gebogenem Nacken.
Es hört, wie mit rauschendem Flügelschlag
Der Falke sich setzt ins Geäste,
Und die Brut dort oben allgemach
Verstummt im schaukelnden Neste.
Und still ist’s geworden im Waldesrund
Und Nacht auf Wegen und Stegen,
In weiter Ferne nur bellt ein Hund,
Und heimlich rieselt der Regen.
Karl Ferdinand von Fircks
* 14. August 1870 in Rettingen im Gouvernement Kowno; † 10. Dezember 1933 in Riga) war ein deutsch-baltischer Bergbauingenieur und Politiker.
Am Wald geht der Sturm, und es regnet laut,
Die Heide fröstelt und schauert,
Das Waldmännlein hockt unterm Farrenkraut,
Am Fuß der Tanne gekauert.
Der Häher ruft, und die Föhre knarrt,
Es rauscht und strömet der Regen,
Es rinnt und tropft von der Tanne Bart,
Es hüpft und spielt auf den Wegen.
Es rieselt und plätschert und leise spricht’s,
Und im Walde beginnt es zu dunkeln,
Das Männlein kauert und regt sich nicht,
Seine Augen im Dickichte funkeln.
Es sieht das Häslein dicht neben sich
In der Heide zu Lager gehen
Und den Fuchs. der über die Lichtung schlich,
Windschnüffelnd am Waldrande stehen.
Es spürt, wie das Reh zu ihm niederschaut
Mit regentropfenden Zacken,
Sein Atem geht heiß, und sein Herz schlägt laut,
Und es horcht mit gebogenem Nacken.
Es hört, wie mit rauschendem Flügelschlag
Der Falke sich setzt ins Geäste,
Und die Brut dort oben allgemach
Verstummt im schaukelnden Neste.
Und still ist’s geworden im Waldesrund
Und Nacht auf Wegen und Stegen,
In weiter Ferne nur bellt ein Hund,
Und heimlich rieselt der Regen.
Karl Ferdinand von Fircks
* 14. August 1870 in Rettingen im Gouvernement Kowno; † 10. Dezember 1933 in Riga) war ein deutsch-baltischer Bergbauingenieur und Politiker.
Letzte Änderung: 07 Jul 2018 08:44 von Kaninchen.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
08 Jul 2018 09:09 #18378
von Kaninchen
Gefunden
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie die Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt´es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub´s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich´s
Am hübschen Haus.
Und pflanzt´ es wieder
Am stillen Ort,
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
Johann Wolfgang von Goethe
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie die Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt´es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub´s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich´s
Am hübschen Haus.
Und pflanzt´ es wieder
Am stillen Ort,
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
Johann Wolfgang von Goethe
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
09 Jul 2018 08:24 #18388
von Kaninchen
Ein Tagträumer wird bei diesem Gedicht von Wilhelm Busch vorgeführt. Wie so oft bei Busch ist das Ende ernüchternd.
Um acht, als seine werte Sippe
Noch in den Federn schlummernd lag,
Begrüßt' er von der Felsenklippe
Bereits den neuen Frühlingstag.
Und wie die angenehme Sonne
Liebreich zu ihm herniederschaut,
Da ist in süßer Rieselwonne
Sein ganzes Wesen aufgetaut.
Es schmilzt die schwere Außenhülle.
Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht.
Er schwebt im Geist als freier Wille
Hinaus, so weit das Auge reicht.
Fort über Tal, zu fernen Hügeln,
Den Strom entlang, bis an das Meer,
Windeilig, wie auf Möwenflügeln,
Zieht er in hoher Luft einher.
Hier traf er eine Wetterwolke.
Die wählt er sich zum Herrschersitz.
Erhaben über allem Volke
Thront er in Regen, Sturm und Blitz.
O weh, der Zauber ist zu Ende!
Durchweicht vom Hut bis in die Schuh,
Der Buckel steif und lahm die Lende,
So schleicht er still der Heimat zu.
Zum Trost für seine kalten Glieder
Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß.
»Na«, hieß es, »jetzt bekommst du wieder
Dein Reißen in den Hinterfuß.«
Um acht, als seine werte Sippe
Noch in den Federn schlummernd lag,
Begrüßt' er von der Felsenklippe
Bereits den neuen Frühlingstag.
Und wie die angenehme Sonne
Liebreich zu ihm herniederschaut,
Da ist in süßer Rieselwonne
Sein ganzes Wesen aufgetaut.
Es schmilzt die schwere Außenhülle.
Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht.
Er schwebt im Geist als freier Wille
Hinaus, so weit das Auge reicht.
Fort über Tal, zu fernen Hügeln,
Den Strom entlang, bis an das Meer,
Windeilig, wie auf Möwenflügeln,
Zieht er in hoher Luft einher.
Hier traf er eine Wetterwolke.
Die wählt er sich zum Herrschersitz.
Erhaben über allem Volke
Thront er in Regen, Sturm und Blitz.
O weh, der Zauber ist zu Ende!
Durchweicht vom Hut bis in die Schuh,
Der Buckel steif und lahm die Lende,
So schleicht er still der Heimat zu.
Zum Trost für seine kalten Glieder
Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß.
»Na«, hieß es, »jetzt bekommst du wieder
Dein Reißen in den Hinterfuß.«
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
16 Jul 2018 18:39 #18450
von Kaninchen
Auf die Berge!
Auf die Berge möcht ich wieder, auf die sonnenfrohen Höhen.
Wo die schönen Lüfte wehen,
Aus der Stube, aus der Stadt!
Ha, die Brust, voll neuer Lieder,
Steig ich nieder in die Tale,
Sitze wonnig müd zum Mahle,
Das soviel der Freuden hat.
Schau dem Freund ins kühne Auge,
Lache mit dem blauen Himmel,
Mit dem ungetrübten Himmel,
Mit der ganzen heitern Welt.
Fühle wieder, was ich tauge,
So zur Freude so zum Streite, noch zuvor des Unmuts Beute,
Weiß ich heute mich ein Held.
War die Mühe doch vergebens
All der zähen Plagegeister!
Zeig ich ihnen jetzt den Meister
Wohl zum Spott und zum Verdruss!
Freue mich so recht des Lebens,
Allem Guten, Freien, Schönen
Will ich glühen, will ich frönen,
Mich erfüllt ein Genius.
Ludwig Eichrodt
1827 -1892
Auf die Berge möcht ich wieder, auf die sonnenfrohen Höhen.
Wo die schönen Lüfte wehen,
Aus der Stube, aus der Stadt!
Ha, die Brust, voll neuer Lieder,
Steig ich nieder in die Tale,
Sitze wonnig müd zum Mahle,
Das soviel der Freuden hat.
Schau dem Freund ins kühne Auge,
Lache mit dem blauen Himmel,
Mit dem ungetrübten Himmel,
Mit der ganzen heitern Welt.
Fühle wieder, was ich tauge,
So zur Freude so zum Streite, noch zuvor des Unmuts Beute,
Weiß ich heute mich ein Held.
War die Mühe doch vergebens
All der zähen Plagegeister!
Zeig ich ihnen jetzt den Meister
Wohl zum Spott und zum Verdruss!
Freue mich so recht des Lebens,
Allem Guten, Freien, Schönen
Will ich glühen, will ich frönen,
Mich erfüllt ein Genius.
Ludwig Eichrodt
1827 -1892
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
19 Jul 2018 18:18 #18493
von Kaninchen
GLÜCK
Ein Sommerabend ist's
Wir gehn auf weissen Wiesenwegen
Unserm tiefen Glück entgegen
In stummem seligem Verstehn.
O schweige, Weib, und sprich kein Wort,
Empfinde nur das volle Glück,
Und halt die Tränen selbst zurück,
Sonst fliegt es fort.
Grete Gulbransson
1882 -1934
Österr. Schriftstellerin
Ein Sommerabend ist's
Wir gehn auf weissen Wiesenwegen
Unserm tiefen Glück entgegen
In stummem seligem Verstehn.
O schweige, Weib, und sprich kein Wort,
Empfinde nur das volle Glück,
Und halt die Tränen selbst zurück,
Sonst fliegt es fort.
Grete Gulbransson
1882 -1934
Österr. Schriftstellerin
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
21 Jul 2018 20:19 #18518
von Kaninchen
Nachtfantasien
Ich sah mich in Träumen der Mitternacht
Verlassen und verachtet!
Des Auges milde Glut und Pracht, das liebend einst über mir gewacht, ich sah es von Haß umnachtet!
Mir malte der irre Gedankenflug
Gestalten bleich und trübe!
Ich sah einen finstern Leichenzug;
Die Leiche, die man vorübertrug,
War unsre gestorbene Liebe.
Entflieh' , du gespenstische Mitternacht!
Entflieht, ihr blassen Gestalten!
Bis der selige, fröhliche Tag erwacht,
Bis Leben und Liebe mit frischer Macht
Mich jauchzend umschlungen halten.
Wie liebt ich die schöne, heilige Nacht,
Wenn die bösen Träume nicht wären!
Unheimlicher Geister wilde Jagd
Verfolgt mich, bis ich, vom Schlaf erwacht,
Mich bade in heißen Zähren.
Ich fühl' mich allein in der weiten Welt;
Was ich liebe, ist fremd und ferne!
Da scheint mir der Mond am Himmelszelt
Ein spähender Lauscher hingestellt,
Und Spione die ewigen Sterne!
Ich liebe die Nacht; Ich liebe die Nacht!
Doch nicht die einsame, trübe!
Nein, die aus seligen Augen lacht,
In flammender Pracht, in Zaubermacht,
Die heilige Nacht der Liebe.
Louise Franziska Aston
Ich sah mich in Träumen der Mitternacht
Verlassen und verachtet!
Des Auges milde Glut und Pracht, das liebend einst über mir gewacht, ich sah es von Haß umnachtet!
Mir malte der irre Gedankenflug
Gestalten bleich und trübe!
Ich sah einen finstern Leichenzug;
Die Leiche, die man vorübertrug,
War unsre gestorbene Liebe.
Entflieh' , du gespenstische Mitternacht!
Entflieht, ihr blassen Gestalten!
Bis der selige, fröhliche Tag erwacht,
Bis Leben und Liebe mit frischer Macht
Mich jauchzend umschlungen halten.
Wie liebt ich die schöne, heilige Nacht,
Wenn die bösen Träume nicht wären!
Unheimlicher Geister wilde Jagd
Verfolgt mich, bis ich, vom Schlaf erwacht,
Mich bade in heißen Zähren.
Ich fühl' mich allein in der weiten Welt;
Was ich liebe, ist fremd und ferne!
Da scheint mir der Mond am Himmelszelt
Ein spähender Lauscher hingestellt,
Und Spione die ewigen Sterne!
Ich liebe die Nacht; Ich liebe die Nacht!
Doch nicht die einsame, trübe!
Nein, die aus seligen Augen lacht,
In flammender Pracht, in Zaubermacht,
Die heilige Nacht der Liebe.
Louise Franziska Aston
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.162 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte