Gedichte
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
28 Jun 2019 07:33 #23720
von Kaninchen
Nettchens Aussteuer
Mein Nettchen hat zwar nicht wie andre Mädchen
Viel Gut und Gold,
Und doch bin ich in unserm ganzen Städtchen
Ihr einzig hold.
Sie weiß nicht alle Pflanzen schön zu sticken
Aus Süd und Ost,
Doch weiß sie, welche sich am besten schicken
Zur Hausmannskost.
Sie plappert zwar nicht vier verschiedne Sprachen
Recht fertig her,
Doch ihre schönen schwarzen Augen sagen
Mir zehnmal mehr.
Sie trillert bei'm Klavier nach Beifall strebend
Kein Opernlied,
Doch singt sie in der Kirche herzerhebend
Das "Heilig" mit.
Stirbt ihr ein Hund, ein Kätzchen, niemals weinet
Sie da vor Schmerz,
Doch wenn ein Mensch ihr arm und elend scheinet,
Da bricht ihr Herz.
Sie hat zwar Siegwarts Leiden nicht gelesen,
Stirbt nicht für mich,
Doch athmet Liebe nur ihr ganzes Wesen,
Sie lebt für mich.
_____
Ignaz Franz Castelli
Mein Nettchen hat zwar nicht wie andre Mädchen
Viel Gut und Gold,
Und doch bin ich in unserm ganzen Städtchen
Ihr einzig hold.
Sie weiß nicht alle Pflanzen schön zu sticken
Aus Süd und Ost,
Doch weiß sie, welche sich am besten schicken
Zur Hausmannskost.
Sie plappert zwar nicht vier verschiedne Sprachen
Recht fertig her,
Doch ihre schönen schwarzen Augen sagen
Mir zehnmal mehr.
Sie trillert bei'm Klavier nach Beifall strebend
Kein Opernlied,
Doch singt sie in der Kirche herzerhebend
Das "Heilig" mit.
Stirbt ihr ein Hund, ein Kätzchen, niemals weinet
Sie da vor Schmerz,
Doch wenn ein Mensch ihr arm und elend scheinet,
Da bricht ihr Herz.
Sie hat zwar Siegwarts Leiden nicht gelesen,
Stirbt nicht für mich,
Doch athmet Liebe nur ihr ganzes Wesen,
Sie lebt für mich.
_____
Ignaz Franz Castelli
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
29 Jun 2019 07:49 #23733
von Kaninchen
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
30 Jun 2019 07:44 - 01 Jul 2019 07:46 #23738
von Kaninchen
Sommerglück
Blütenschwere Tage
In Düften und Gluten rings,
Mein Herz tanzt wie auf Flügeln
Eines trunkenen Schmetterlings.
Die Rosen über den Mauern,
Der Birnbaum darüber her,
Alles so reich und schwer
In sehnenden Sommerschauern.
Das juligelbe Land
Mit dem träumenden Wälderschweigen
Fern am duftigen Rand,
Darüber die Wolken steigen -
O, wie sag ich nur,
Was alles mein Wünschen ins Weite führt!
Mich hat des Glücks eine leuchtende Spur
Mit zitternder Schwinge berührt.
Gustav Falke
Sommerglück
Blütenschwere Tage
In Düften und Gluten rings,
Mein Herz tanzt wie auf Flügeln
Eines trunkenen Schmetterlings.
Die Rosen über den Mauern,
Der Birnbaum darüber her,
Alles so reich und schwer
In sehnenden Sommerschauern.
Das juligelbe Land
Mit dem träumenden Wälderschweigen
Fern am duftigen Rand,
Darüber die Wolken steigen -
O, wie sag ich nur,
Was alles mein Wünschen ins Weite führt!
Mich hat des Glücks eine leuchtende Spur
Mit zitternder Schwinge berührt.
Gustav Falke
Letzte Änderung: 01 Jul 2019 07:46 von Feschtbrueder. Grund: Leerraum entfernt
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
01 Jul 2019 07:20 #23744
von Kaninchen
Ora et labora
Ein Fuhrmann saß im Schlamme fest
mit seiner Fracht. Das nächste Nest
fünf Meilen fern. Kein Mensch ringsrum.
Der Abend nah, der Tag bald um.
Voll Wut verflucht er fürchterlich
Pferd, Straße, Wagen, Welt und sich.
Zuletzt fleht leise er zu Gott:
"Hilf! Mach den Karren wieder flott!"
Da hört er eines Engels Stimme:
"Gott mag nicht, daß man rasch ergrimme.
Selbst ist der Mann! Sei rührig, rege!
Wo liegt das Hindernis im Wege?
Schau nach! Die Achsen sind voll Dreck.
Schaff erst den Schlamm von ihnen weg!
Schütt Steine in das Loch! Getan?"
"Ja." – "Nun die Peitsche!" – "Ja." – "Treib an!"
Hauruck! Hü hott! Und was passiert?
Der Karren läuft wie frisch geschmiert.
"Nun", ruft es, "merkst du was, du Lümmel?
Hilf dir selbst, dann hilft dir auch der Himmel!"
August Lafontaine
1758 - 1831
deutscher Schriftsteller
Ora et labora
Ein Fuhrmann saß im Schlamme fest
mit seiner Fracht. Das nächste Nest
fünf Meilen fern. Kein Mensch ringsrum.
Der Abend nah, der Tag bald um.
Voll Wut verflucht er fürchterlich
Pferd, Straße, Wagen, Welt und sich.
Zuletzt fleht leise er zu Gott:
"Hilf! Mach den Karren wieder flott!"
Da hört er eines Engels Stimme:
"Gott mag nicht, daß man rasch ergrimme.
Selbst ist der Mann! Sei rührig, rege!
Wo liegt das Hindernis im Wege?
Schau nach! Die Achsen sind voll Dreck.
Schaff erst den Schlamm von ihnen weg!
Schütt Steine in das Loch! Getan?"
"Ja." – "Nun die Peitsche!" – "Ja." – "Treib an!"
Hauruck! Hü hott! Und was passiert?
Der Karren läuft wie frisch geschmiert.
"Nun", ruft es, "merkst du was, du Lümmel?
Hilf dir selbst, dann hilft dir auch der Himmel!"
August Lafontaine
1758 - 1831
deutscher Schriftsteller
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
02 Jul 2019 07:51 - 03 Jul 2019 14:15 #23760
von Kaninchen
Der Bäcker und die Maus
Gedicht von Magnus Gottfried Lichtwer
Ein Mäuschen, dass an einer Semmel
In eines Bäckers Laden fraß,
Versah’s und nahte sich dem Schemel,
Darauf der Meister lauschend saß.
Und sieh! da hatt’ er sie beim Felle,
»So, so! Herr Mausekopf«, rief er,
»Bist du mein Dieb? Steht auf Geselle,
Und holet unsern Kater her.«
»Ich?« sprach die Maus, » ein Dieb? das wäre
Ein Schimpf für mich und mein Geschlecht!
Gottlob, ich halte noch auf Ehre,
Beleidigt nicht das Völkerrecht.
Ich bin ein Fremder, lieber Bäcker.«
»Was Völkerrecht?« warf dieser ein,
»Du hast den Tod verdient, du Lecker,
Du magst Frank’ oder Schwabe sein.«
»Wie?« sprach die Maus, »wenn ich Euch sage« –
»Und was?« – »was hier geschehen ist.
Der Knecht hat« – »Rede!« – dieser Tage
Dein Weib« – »Was hat er sie?« – »geküsst.«
Der Bäcker geht dem Knecht zu Leibe,
Er schäumt, er flucht, der Knecht erschrickt,
Die Maus entwischt, Gott helf dem Weibe.
Der Bäcker und die Maus
Gedicht von Magnus Gottfried Lichtwer
Ein Mäuschen, dass an einer Semmel
In eines Bäckers Laden fraß,
Versah’s und nahte sich dem Schemel,
Darauf der Meister lauschend saß.
Und sieh! da hatt’ er sie beim Felle,
»So, so! Herr Mausekopf«, rief er,
»Bist du mein Dieb? Steht auf Geselle,
Und holet unsern Kater her.«
»Ich?« sprach die Maus, » ein Dieb? das wäre
Ein Schimpf für mich und mein Geschlecht!
Gottlob, ich halte noch auf Ehre,
Beleidigt nicht das Völkerrecht.
Ich bin ein Fremder, lieber Bäcker.«
»Was Völkerrecht?« warf dieser ein,
»Du hast den Tod verdient, du Lecker,
Du magst Frank’ oder Schwabe sein.«
»Wie?« sprach die Maus, »wenn ich Euch sage« –
»Und was?« – »was hier geschehen ist.
Der Knecht hat« – »Rede!« – dieser Tage
Dein Weib« – »Was hat er sie?« – »geküsst.«
Der Bäcker geht dem Knecht zu Leibe,
Er schäumt, er flucht, der Knecht erschrickt,
Die Maus entwischt, Gott helf dem Weibe.
Letzte Änderung: 03 Jul 2019 14:15 von Feschtbrueder. Grund: Doppeltes Gedicht gelöscht
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
03 Jul 2019 07:34 - 03 Jul 2019 07:47 #23765
von Kaninchen
Das Lesezeichen
"Kein Feuer, keine Kohle
Kann brennen so heiß,
Als heimliche Liebe,
Von der Niemand nichts weiß."
So hast du's gehalten,
Du liebliche Maid –
Wie Vater und Mutter
Zu ihrer Zeit.
Warum nun der Zorn
In des Vaters Gesicht?
Und die Mutter thut auch fast,
Als wüßt' sie es nicht!
Was hilft's, daß der Brief
In der Bibel sich fand,
Wo geschrieben steht "Liebt euch
Unter einand'"
Du hast gar zu fromm
Deine Liebe versteckt –
Und die Frömmigkeit hat sie
Am Sonntag entdeckt.
Konnt' am Herzen dir sicher
Sein Brieflein nicht ruh'n?
Was hat denn dein Schatz
In der Bibel zu thun?
Unbekannt
1872
Das Lesezeichen
"Kein Feuer, keine Kohle
Kann brennen so heiß,
Als heimliche Liebe,
Von der Niemand nichts weiß."
So hast du's gehalten,
Du liebliche Maid –
Wie Vater und Mutter
Zu ihrer Zeit.
Warum nun der Zorn
In des Vaters Gesicht?
Und die Mutter thut auch fast,
Als wüßt' sie es nicht!
Was hilft's, daß der Brief
In der Bibel sich fand,
Wo geschrieben steht "Liebt euch
Unter einand'"
Du hast gar zu fromm
Deine Liebe versteckt –
Und die Frömmigkeit hat sie
Am Sonntag entdeckt.
Konnt' am Herzen dir sicher
Sein Brieflein nicht ruh'n?
Was hat denn dein Schatz
In der Bibel zu thun?
Unbekannt
1872
Letzte Änderung: 03 Jul 2019 07:47 von Kaninchen.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.166 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte