Gedichte
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25 Okt 2019 07:44 #25197
von Kaninchen
Auf den Wolken ruht der Mond
Auf den Wolken ruht der Mond,
Eine Riesenpomeranze,
Überstrahlt das graue Meer,
Breiten Streifs, mit goldnem Glanze.
Einsam wandl ich an dem Strand,
Wo die weißen Wellen brechen,
Und ich hör viel süßes Wort,
Süßes Wort im Wasser sprechen.
Ach, die Nacht ist gar zu lang,
Und mein Herz kann nicht mehr schweigen –
Schöne Nixen, kommt hervor,
Tanzt und singt den Zauberreigen!
Nehmt mein Haupt in euren Schoß,
Leib und Seel sei hingegeben!
Singt mich tot und herzt mich tot,
Küßt mir aus der Brust das Leben!
Heinrich Heine
Auf den Wolken ruht der Mond
Auf den Wolken ruht der Mond,
Eine Riesenpomeranze,
Überstrahlt das graue Meer,
Breiten Streifs, mit goldnem Glanze.
Einsam wandl ich an dem Strand,
Wo die weißen Wellen brechen,
Und ich hör viel süßes Wort,
Süßes Wort im Wasser sprechen.
Ach, die Nacht ist gar zu lang,
Und mein Herz kann nicht mehr schweigen –
Schöne Nixen, kommt hervor,
Tanzt und singt den Zauberreigen!
Nehmt mein Haupt in euren Schoß,
Leib und Seel sei hingegeben!
Singt mich tot und herzt mich tot,
Küßt mir aus der Brust das Leben!
Heinrich Heine
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26 Okt 2019 07:50 #25209
von Kaninchen
Unaussprechliches
Die Vogelkehlen, die in Farben brennen,
Sind nur ein Gruß vom reichen Tropenland;
Die Muschel läßt dich ahnen nur, nicht kennen
Die Wunderwelt am fernen Meeresstrand.
Der Veilchenstrauß, den sie dir duftend brachten,
Verkündet nimmermehr den Frühling ganz;
Die Rosenbüsche, die in Glut erwachten,
Erschließen nicht des Sommers vollen Glanz.
Und wenn im Lied, umsprüht von Geistesfunken,
Des Wohllauts Welle labend dich umspült,
So hast du doch den Tropfen nur getrunken
Vom ew'gen Born, der Dichterlippen kühlt.
Ein Blick, ein Händedruck läßt dich erraten,
Daß du die Freude eines Herzens bist,
Doch nicht ein Leben treu vollführter Thaten
Kann ganz dir sagen, was die Liebe ist!
Josephine Freiin von Knorr
1827-1908
österreichische Dichterin
Unaussprechliches
Die Vogelkehlen, die in Farben brennen,
Sind nur ein Gruß vom reichen Tropenland;
Die Muschel läßt dich ahnen nur, nicht kennen
Die Wunderwelt am fernen Meeresstrand.
Der Veilchenstrauß, den sie dir duftend brachten,
Verkündet nimmermehr den Frühling ganz;
Die Rosenbüsche, die in Glut erwachten,
Erschließen nicht des Sommers vollen Glanz.
Und wenn im Lied, umsprüht von Geistesfunken,
Des Wohllauts Welle labend dich umspült,
So hast du doch den Tropfen nur getrunken
Vom ew'gen Born, der Dichterlippen kühlt.
Ein Blick, ein Händedruck läßt dich erraten,
Daß du die Freude eines Herzens bist,
Doch nicht ein Leben treu vollführter Thaten
Kann ganz dir sagen, was die Liebe ist!
Josephine Freiin von Knorr
1827-1908
österreichische Dichterin
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27 Okt 2019 08:07 #25227
von Kaninchen
Sie liebten sich so zärtlich
Sie liebten sich so zärtlich
Wohl manches liebe Jahr;
Sie litten füreinander
Und seufzten immerdar -
Doch mieden sie sich wie Feinde,
An jedem dritten Orte
Kalt waren ihre Mienen,
Kurz waren ihre Worte.
Sie mieden sich und litten
In stolzem Schweigen - kaum
Dass Einem das Bild des Andern
Einmal erschien im Traum.
Da kam der Tod - sie mussten
Sich auch im Tode trennen,
Und konnten in jener Welt
Sich gar nicht wiedererkennen.
Michail Lermontow
1814-1841
russischer Dichter
Sie liebten sich so zärtlich
Wohl manches liebe Jahr;
Sie litten füreinander
Und seufzten immerdar -
Doch mieden sie sich wie Feinde,
An jedem dritten Orte
Kalt waren ihre Mienen,
Kurz waren ihre Worte.
Sie mieden sich und litten
In stolzem Schweigen - kaum
Dass Einem das Bild des Andern
Einmal erschien im Traum.
Da kam der Tod - sie mussten
Sich auch im Tode trennen,
Und konnten in jener Welt
Sich gar nicht wiedererkennen.
Michail Lermontow
1814-1841
russischer Dichter
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27 Okt 2019 09:00 #25231
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Z‘Basel isch Herbschtmäss
Wenn's Martinsgleggli lytet
Wenn's Martinsgleggli lytet,
waiss z'Basel jedes Kind,
dass das e Fraid bedytet,
und längt sy Kässeli gschwind.
Denn d'Resslerytti locke
und d'Rosekiechliständ.
Me lullt e siesse Mogge,
und s'Gligg nimmt gar kai Änd.
Die brave Kinder dängge
an d'Orgelimännli no,
und d'Gotte derfe schängge,
's wird jede Batze gno.
Zwai Wuuche duurt si numme,
die liebi, scheeni Mäss.
Derno isch alles umme
und waidlig im Vergäss.
Anna Keller
Wenn's Martinsgleggli lytet
Wenn's Martinsgleggli lytet,
waiss z'Basel jedes Kind,
dass das e Fraid bedytet,
und längt sy Kässeli gschwind.
Denn d'Resslerytti locke
und d'Rosekiechliständ.
Me lullt e siesse Mogge,
und s'Gligg nimmt gar kai Änd.
Die brave Kinder dängge
an d'Orgelimännli no,
und d'Gotte derfe schängge,
's wird jede Batze gno.
Zwai Wuuche duurt si numme,
die liebi, scheeni Mäss.
Derno isch alles umme
und waidlig im Vergäss.
Anna Keller
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28 Okt 2019 07:38 - 28 Okt 2019 07:40 #25245
von Kaninchen
Christian Morgenstern
Der Hecht
Ein Hecht, vom heiligen Anton
bekehrt, beschloss, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.
Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrieß.
Doch Grieß, Gras, Rose floss,
o Graus, entsetzlich wieder hinten aus.
Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Anton, gerufen eilig,
sprach nichts als »Heilig! heilig! heilig!«
Der Hecht
Ein Hecht, vom heiligen Anton
bekehrt, beschloss, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.
Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrieß.
Doch Grieß, Gras, Rose floss,
o Graus, entsetzlich wieder hinten aus.
Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Anton, gerufen eilig,
sprach nichts als »Heilig! heilig! heilig!«
Letzte Änderung: 28 Okt 2019 07:40 von Kaninchen.
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29 Okt 2019 07:37 #25261
von Kaninchen
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