Gedichte
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30 Jan 2020 05:53 #26708
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Die Made
Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.
Eines Morgens sprach die Made:
„Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!“
Also sprach sie und entwich. -
Made junior aber schlich
hinterdrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!
Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde ...
- Heinz Erhardt -
Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.
Eines Morgens sprach die Made:
„Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!“
Also sprach sie und entwich. -
Made junior aber schlich
hinterdrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!
Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde ...
- Heinz Erhardt -
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30 Jan 2020 07:48 #26719
von Kaninchen
Lob der Frauen
Durch Lächeln und durch Winken,
in Furcht und Scham zurück
Gewandt das holde Antlitz,
mit schlauem Seitenblick,
Mit Worten vielfach tändelnd,
halb Zorn, halb Liebes-Scherz -
So fesseln ja die Frauen,
die holden, unser Herz.
Das Winken ihres Auges,
geziert mit hoher Brau',
Der Liebesschmerz, das Lächeln
auf schöner Wangen Au',
Der stolze Schritt des Ganges,
die Ruhe hoch und hehr,
Das ist der Frauen Zierde,
das ist der Frauen Wehr.
Empor die sanften Blicke
und erdenwärts gesenkt,
Vor Scham und Furcht sich schliessend,
von Lieb' und Lust gelenkt.
Und nun das holde Antlitz
mit Augen schnell und klar,
Wie um den Lotos surrend
der Bienen muntre Schaar.
Das Antlitz mondscheinglänzend,
im Blicke süssen Harm,
Das Gold hell überstrahlend
ihr Haar wie Bienenschwarm.
Im Antlitz dieses Lächeln,
das Auge, schnell und klar,
Der Schmuck der süssen Worte
so lieblich und so wahr.
Im Gang gleich schlanken Zweigen,
o gibt es Schön'res, sagt!
Als eine Jungfrau-Blume,
die aus der Knospe ragt?
Wen lieb' ich gleich den Holden
mit dem Gazellenaug',
Was mehr als ihre Stimme,
als ihres Mundes Hauch,
Als ihre süssen Lippen,
als ihres Körpers Pracht,
Was übt wohl grössern Zauber,
als kräft'ger Jugend Macht?
Am Fuss, am Arm, am Gürtel
klingt Silberglockenklang
Ihr, die die stolzen Schwäne
besiegt durch ihren Gang.
Mit ihren Augen schüchtern
und der Gazelle gleich,
Erobert sie durch Blicke
nicht jedes Herzens Reich?
Ihr schlanker Leib, der holde,
am Sandelstaub sich lezt,
Die Perlenkränze zittern
am Busen, goldbesetzt.
Der Lotosfuss gleich Schwänen
vom Ringen hell erklingt,
Ist Einer auf der Erde,
den diese nicht bezwingt?
Wie töricht sind die Dichter,
die Jungfrau'n "schwach" genannt -
Sind nicht durch ihre Winke,
durch ihre Lieb' gebannt.
(Bhartrihari, 6.- 7. Jh., indischer Lyriker)
Übersetzt Anton Eduard Wollheim da Fonseca, 1810-1884.
Lob der Frauen
Durch Lächeln und durch Winken,
in Furcht und Scham zurück
Gewandt das holde Antlitz,
mit schlauem Seitenblick,
Mit Worten vielfach tändelnd,
halb Zorn, halb Liebes-Scherz -
So fesseln ja die Frauen,
die holden, unser Herz.
Das Winken ihres Auges,
geziert mit hoher Brau',
Der Liebesschmerz, das Lächeln
auf schöner Wangen Au',
Der stolze Schritt des Ganges,
die Ruhe hoch und hehr,
Das ist der Frauen Zierde,
das ist der Frauen Wehr.
Empor die sanften Blicke
und erdenwärts gesenkt,
Vor Scham und Furcht sich schliessend,
von Lieb' und Lust gelenkt.
Und nun das holde Antlitz
mit Augen schnell und klar,
Wie um den Lotos surrend
der Bienen muntre Schaar.
Das Antlitz mondscheinglänzend,
im Blicke süssen Harm,
Das Gold hell überstrahlend
ihr Haar wie Bienenschwarm.
Im Antlitz dieses Lächeln,
das Auge, schnell und klar,
Der Schmuck der süssen Worte
so lieblich und so wahr.
Im Gang gleich schlanken Zweigen,
o gibt es Schön'res, sagt!
Als eine Jungfrau-Blume,
die aus der Knospe ragt?
Wen lieb' ich gleich den Holden
mit dem Gazellenaug',
Was mehr als ihre Stimme,
als ihres Mundes Hauch,
Als ihre süssen Lippen,
als ihres Körpers Pracht,
Was übt wohl grössern Zauber,
als kräft'ger Jugend Macht?
Am Fuss, am Arm, am Gürtel
klingt Silberglockenklang
Ihr, die die stolzen Schwäne
besiegt durch ihren Gang.
Mit ihren Augen schüchtern
und der Gazelle gleich,
Erobert sie durch Blicke
nicht jedes Herzens Reich?
Ihr schlanker Leib, der holde,
am Sandelstaub sich lezt,
Die Perlenkränze zittern
am Busen, goldbesetzt.
Der Lotosfuss gleich Schwänen
vom Ringen hell erklingt,
Ist Einer auf der Erde,
den diese nicht bezwingt?
Wie töricht sind die Dichter,
die Jungfrau'n "schwach" genannt -
Sind nicht durch ihre Winke,
durch ihre Lieb' gebannt.
(Bhartrihari, 6.- 7. Jh., indischer Lyriker)
Übersetzt Anton Eduard Wollheim da Fonseca, 1810-1884.
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31 Jan 2020 07:26 #26730
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01 Feb 2020 07:46 #26745
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02 Feb 2020 07:33 #26762
von Kaninchen
Joachim Ringelnatz
Ruf zum Sport
Auf ihr steifen und verdorrten
Leute aus Büros,
Reißt euch mal zum Wintersporten
Von den Öfen los.
Bleiches Volk an Wirtshaustischen,
Stellt die Gläser fort.
Widme dich dem freien, frischen,
Frohen Wintersport.
Denn er führt ins lodenfreie
Gletscherfexlertum
Und bedeckt uns nach der Reihe
All mit Schnee und Ruhm.
Doch nicht nur der Sport im Winter,
Jeder Sport ist plus,
Und mit etwas Geist dahinter
Wird er zum Genuß.
Sport macht Schwache selbstbewußter,
Dicke dünn, und macht
Dünne hinterher robuster,
Gleichsam über Nacht.
Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
Kürzt die öde Zeit,
Und er schützt uns durch Vereine
Vor der Einsamkeit.
Nimmt den Lungen die verbrauchte
Luft, gibt Appetit;
Was uns wieder ins verrauchte
Treue Wirtshaus zieht.
Wo man dann die sporttrainierten
Muskeln trotzig hebt
Und fortan in illustrierten
Blättern weiterlebt.
Joachim Ringelnatz
Ruf zum Sport
Auf ihr steifen und verdorrten
Leute aus Büros,
Reißt euch mal zum Wintersporten
Von den Öfen los.
Bleiches Volk an Wirtshaustischen,
Stellt die Gläser fort.
Widme dich dem freien, frischen,
Frohen Wintersport.
Denn er führt ins lodenfreie
Gletscherfexlertum
Und bedeckt uns nach der Reihe
All mit Schnee und Ruhm.
Doch nicht nur der Sport im Winter,
Jeder Sport ist plus,
Und mit etwas Geist dahinter
Wird er zum Genuß.
Sport macht Schwache selbstbewußter,
Dicke dünn, und macht
Dünne hinterher robuster,
Gleichsam über Nacht.
Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
Kürzt die öde Zeit,
Und er schützt uns durch Vereine
Vor der Einsamkeit.
Nimmt den Lungen die verbrauchte
Luft, gibt Appetit;
Was uns wieder ins verrauchte
Treue Wirtshaus zieht.
Wo man dann die sporttrainierten
Muskeln trotzig hebt
Und fortan in illustrierten
Blättern weiterlebt.
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03 Feb 2020 07:39 #26785
von Kaninchen
Dienstfertigkeit
Dienstfertig ist nur der zu nennen,
Des Absicht wir für rein erkennen;
Der nicht verlangt, daß man ihn ehrt,
Und weder Dank noch Lohn für seinen Dienst begehrt.
Doch wer vor Eifer scheint zu brennen,
Und dennoch auf geheimer Spur
Sucht irgendeine Lust zu stillen,
Und seinen Beutel anzufüllen,
Der dient – sich selber nur.
Wilhelm Fremerey
1765 - 1832
belg. deutschsprachiger Dichter
schrieb Fabeln und Epigramme
Dienstfertig ist nur der zu nennen,
Des Absicht wir für rein erkennen;
Der nicht verlangt, daß man ihn ehrt,
Und weder Dank noch Lohn für seinen Dienst begehrt.
Doch wer vor Eifer scheint zu brennen,
Und dennoch auf geheimer Spur
Sucht irgendeine Lust zu stillen,
Und seinen Beutel anzufüllen,
Der dient – sich selber nur.
Wilhelm Fremerey
1765 - 1832
belg. deutschsprachiger Dichter
schrieb Fabeln und Epigramme
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