Gedichte
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16 Nov 2021 07:29 #38669
von Kaninchen
Treff ich ein Grautier in der Stadt,
Sich stets noch dies bestätigt hat:
Wohlwollend sieht der kluge Mann
Und mit Humor den Esel an.
Ihn hänseln und zu höhnen pflegen
Nur Kinder und – die Herrn Kollegen.
Der Esel, der sich bescheiden hält,
Ist etwas, das dem Weisen nicht mißfällt.
Entsetzlich lästig kann er aber werden,
Will er sich wichtig-feierlich gebärden.
Und leider finden sich an jedem Orte
Sehr viel der Esel just von dieser Sorte !
Georg Bötticher (1849 - 1918), deutscher Schriftsteller, Vater von Joachim Ringelnatz
Treff ich ein Grautier in der Stadt,
Sich stets noch dies bestätigt hat:
Wohlwollend sieht der kluge Mann
Und mit Humor den Esel an.
Ihn hänseln und zu höhnen pflegen
Nur Kinder und – die Herrn Kollegen.
Der Esel, der sich bescheiden hält,
Ist etwas, das dem Weisen nicht mißfällt.
Entsetzlich lästig kann er aber werden,
Will er sich wichtig-feierlich gebärden.
Und leider finden sich an jedem Orte
Sehr viel der Esel just von dieser Sorte !
Georg Bötticher (1849 - 1918), deutscher Schriftsteller, Vater von Joachim Ringelnatz
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17 Nov 2021 07:34 #38682
von Kaninchen
Das Käuzlein
sitzt der Kauz im Ulmenbaum
Und heult und heult im Ulmenbaum.
Die Welt hat für uns beide Raum !
Was heult der Kauz im Ulmenbaum
Von Sterben und von Sterben ?
Und übern Weg die Nachtigall,
Genüber pfeift die Nachtigall.
O weh, die Lieb ist gangen all !
Was pfeift so süß die Nachtigall
Von Liebe und von Liebe ?
Zur Rechten hell ein Liebeslied,
Zur Linken grell ein Sterbelied!
Ach, bleibt denn nichts, wenn Liebe schied,
Denn nichts als nur ein Sterbelied
Kaum wegbreit noch hinüber ?
Theodor Storm
deutscher Dichter
sitzt der Kauz im Ulmenbaum
Und heult und heult im Ulmenbaum.
Die Welt hat für uns beide Raum !
Was heult der Kauz im Ulmenbaum
Von Sterben und von Sterben ?
Und übern Weg die Nachtigall,
Genüber pfeift die Nachtigall.
O weh, die Lieb ist gangen all !
Was pfeift so süß die Nachtigall
Von Liebe und von Liebe ?
Zur Rechten hell ein Liebeslied,
Zur Linken grell ein Sterbelied!
Ach, bleibt denn nichts, wenn Liebe schied,
Denn nichts als nur ein Sterbelied
Kaum wegbreit noch hinüber ?
Theodor Storm
deutscher Dichter
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18 Nov 2021 07:33 #38704
von Kaninchen
Der Leiermann
Drüben hinterm Dorfe
Steht ein Leiermann
Und mit starren Fingern
Dreht er was er kann.
Barfuß auf dem Eise
Wankt er hin und her
Und sein kleiner Teller
Bleibt ihm immer leer.
Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an,
Und die Hunde knurren
Um den alten Mann.
Und er läßt es gehen,
Alles wie es will,
Dreht, und seine Leier
Steht ihm nimmer still.
Wunderlicher Alter !
Soll ich mit dir geh'n ?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier dreh'n ?
Wilhelm Müller
1794 - 1827)genannt Griechen-Müller, Philhellene
Drüben hinterm Dorfe
Steht ein Leiermann
Und mit starren Fingern
Dreht er was er kann.
Barfuß auf dem Eise
Wankt er hin und her
Und sein kleiner Teller
Bleibt ihm immer leer.
Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an,
Und die Hunde knurren
Um den alten Mann.
Und er läßt es gehen,
Alles wie es will,
Dreht, und seine Leier
Steht ihm nimmer still.
Wunderlicher Alter !
Soll ich mit dir geh'n ?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier dreh'n ?
Wilhelm Müller
1794 - 1827)genannt Griechen-Müller, Philhellene
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19 Nov 2021 07:34 #38716
von Kaninchen
Der alte Wirt steht vor der Tür,
aufs Glatteis tropft der Regen,
a Fremder, der geht aa grad für,
plumps – is er dorten g'legen.
Jetzt hat der Fremde aufbegehrt:
"Dös Glatteis is so z'wider !"
"Ja", sagte der Wirt, "hab mirs schon denkt:
Sie schlagen dorten nieder.
Denn auf dem Fleck san heut schon g'falln
g'wiß zehne, darf i sagen,
i paß jetzt schon die ganze Zeit,
ob Sie net aa hinschlagen."
Karl Stieler (1842 - 1885), deutscher Jurist und Schriftsteller
aufs Glatteis tropft der Regen,
a Fremder, der geht aa grad für,
plumps – is er dorten g'legen.
Jetzt hat der Fremde aufbegehrt:
"Dös Glatteis is so z'wider !"
"Ja", sagte der Wirt, "hab mirs schon denkt:
Sie schlagen dorten nieder.
Denn auf dem Fleck san heut schon g'falln
g'wiß zehne, darf i sagen,
i paß jetzt schon die ganze Zeit,
ob Sie net aa hinschlagen."
Karl Stieler (1842 - 1885), deutscher Jurist und Schriftsteller
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20 Nov 2021 07:28 #38735
von Kaninchen
Der schönste Nam' im Erdenrund,
Das schönste Wort im Menschenmund
Ist: Mutter !
Ja, keines ist so tief und weich,
So ungelehrt gedankenreich,
Als: Mutter !
Carmen Sylva (1843 - 1916), eigentlich Prinzessin Elisabeth Pauline Ottilie Luise zu Wied VA (Royal Order of Victoria and Albert), deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin, durch Heirat Königin Elisabeth von Rumänien
Das schönste Wort im Menschenmund
Ist: Mutter !
Ja, keines ist so tief und weich,
So ungelehrt gedankenreich,
Als: Mutter !
Carmen Sylva (1843 - 1916), eigentlich Prinzessin Elisabeth Pauline Ottilie Luise zu Wied VA (Royal Order of Victoria and Albert), deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin, durch Heirat Königin Elisabeth von Rumänien
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21 Nov 2021 07:15 #38754
von Kaninchen
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