Gedichte
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05 Sep 2018 07:48 #19068
von Kaninchen
Herbsttag
von Rainer Maria Rilke
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Herbsttag
von Rainer Maria Rilke
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
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06 Sep 2018 08:02 #19086
von Kaninchen
Kartoffellied
Pasteten hin, Pasteten her,
was kümmern uns Pasteten?
Die Kumme hier ist auch nicht leer
und schmeckt so gut als bonne chère
von Fröschen und von Kröten.
Und viel Pastet und Leckerbrot
verdirbt nur Blut und Magen.
Die Köche kochen lauter Not,
sie kochen uns viel eher tot;
Ihr Herren, laßt Euch sagen!
Schön rötlich die Kartoffeln sind
und weiß wie Alabaster!
Sie däun sich lieblich und geschwind
und sind für Mann und Frau und Kind
ein rechtes Magenpflaster.
Matthias Claudius
Kartoffellied
Pasteten hin, Pasteten her,
was kümmern uns Pasteten?
Die Kumme hier ist auch nicht leer
und schmeckt so gut als bonne chère
von Fröschen und von Kröten.
Und viel Pastet und Leckerbrot
verdirbt nur Blut und Magen.
Die Köche kochen lauter Not,
sie kochen uns viel eher tot;
Ihr Herren, laßt Euch sagen!
Schön rötlich die Kartoffeln sind
und weiß wie Alabaster!
Sie däun sich lieblich und geschwind
und sind für Mann und Frau und Kind
ein rechtes Magenpflaster.
Matthias Claudius
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07 Sep 2018 08:05 #19096
von Kaninchen
Bei Goldhähnchens
Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast!
Sie wohnen im grünen Fichtenpalast,
in einem Nestchen klein,
sehr niedlich und sehr fein.
Was hat es gegeben? Schmetterlingsei,
Mückensalat und Gnitzenbrei,
und Käferbraten famos -
Zwei Millimeter groß.
Dann sang uns Vater Goldhähnchen was:
So zierlich klang´s wie gesponnenes Glas.
Dann wurden die Kinder besehn:
Sehr niedlich alle zehn !
Dann sagt´ ich "Adieu" und: "danke sehr!"
Sie sprachen: "Bitte, wir hatten die Ehr´,
und hat uns mächtig gefreut!"
Es sind doch reizende Leut´!
Heinrich Seidel
1842-1906
Bei Goldhähnchens
Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast!
Sie wohnen im grünen Fichtenpalast,
in einem Nestchen klein,
sehr niedlich und sehr fein.
Was hat es gegeben? Schmetterlingsei,
Mückensalat und Gnitzenbrei,
und Käferbraten famos -
Zwei Millimeter groß.
Dann sang uns Vater Goldhähnchen was:
So zierlich klang´s wie gesponnenes Glas.
Dann wurden die Kinder besehn:
Sehr niedlich alle zehn !
Dann sagt´ ich "Adieu" und: "danke sehr!"
Sie sprachen: "Bitte, wir hatten die Ehr´,
und hat uns mächtig gefreut!"
Es sind doch reizende Leut´!
Heinrich Seidel
1842-1906
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08 Sep 2018 07:48 - 08 Sep 2018 07:52 #19106
von Kaninchen
Abschiedslied der Zugvögel
Wie war so schön doch Wald und Feld!
Wie traurig ist anjetzt die Welt!
Hin ist die schöne Sommerzeit
Und nach der Freude kam das Leid.
Wir wussten nichts von Ungemach,
Wir saßen unterm Laubesdach
Vergnügt und froh im Sonnenschein
Und sangen in die Welt hinein.
Wir armen Vögel trauern sehr:
Wir haben keine Heimat mehr,
Wir müssen jetzt von hinnen flieh'n
Und in die weite Fremde zieh'n.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Wie war so schön doch Wald und Feld!
Wie traurig ist anjetzt die Welt!
Hin ist die schöne Sommerzeit
Und nach der Freude kam das Leid.
Wir wussten nichts von Ungemach,
Wir saßen unterm Laubesdach
Vergnügt und froh im Sonnenschein
Und sangen in die Welt hinein.
Wir armen Vögel trauern sehr:
Wir haben keine Heimat mehr,
Wir müssen jetzt von hinnen flieh'n
Und in die weite Fremde zieh'n.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Letzte Änderung: 08 Sep 2018 07:52 von Kaninchen.
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09 Sep 2018 08:19 #19125
von Kaninchen
Bild : Die alte Schildkröte, die Charles Darwin auf den Galapagos Inseln sah
Die Schildkrökröte
Ich bin nun tausend Jahre alt
Und werde täglich älter;
Der Gotenkönig Theobald
Erzog mich im Behälter.
Seitdem ist mancherlei geschehn,
Doch weiß ich nichts davon;
Zur Zeit, da läßt für Geld mich sehn
Ein Kaufmann zu Heilbronn.
Ich kenne nicht des Todes Bild
Und nicht des Sterbens Nöte:
Ich bin die Schild ich bin die Schild
Ich bin die Schild krö kröte.
Christian Morgenstern
Bild : Die alte Schildkröte, die Charles Darwin auf den Galapagos Inseln sah
Die Schildkrökröte
Ich bin nun tausend Jahre alt
Und werde täglich älter;
Der Gotenkönig Theobald
Erzog mich im Behälter.
Seitdem ist mancherlei geschehn,
Doch weiß ich nichts davon;
Zur Zeit, da läßt für Geld mich sehn
Ein Kaufmann zu Heilbronn.
Ich kenne nicht des Todes Bild
Und nicht des Sterbens Nöte:
Ich bin die Schild ich bin die Schild
Ich bin die Schild krö kröte.
Christian Morgenstern
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09 Sep 2018 13:02 #19129
von Kaninchen
binged.it/2NrdTrS
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Braune Blätter fallen müd vom Baum
Und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum
Möcht einmal noch wie damals kosen
Möcht vom Frühling träumen und vom Glück
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Ach die Jugendzeit kehrt nie zurück
Versunken ist die Frühlingszeit
Kein Vogel singt im Lindenhain
Die Welt verliert ihr Blütenkleid
Und bald wird Winter sein
Verlassen ist der Holderstrauch
An dem ich einst geküsst
Es blieb ein Duft der wie ein Hauch
Aus fernen Tagen ist
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Braune Blätter fallen müd vom Baum
Und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum
Möcht einmal noch wie damals kosen
Möcht vom Frühling träumen und vom Glück
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Ach die Jugendzeit kehrt nie zurück
Holde Jugend, holde Jugend
kämst du einmal doch zu mir zurück
Robert Stolz
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Braune Blätter fallen müd vom Baum
Und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum
Möcht einmal noch wie damals kosen
Möcht vom Frühling träumen und vom Glück
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Ach die Jugendzeit kehrt nie zurück
Versunken ist die Frühlingszeit
Kein Vogel singt im Lindenhain
Die Welt verliert ihr Blütenkleid
Und bald wird Winter sein
Verlassen ist der Holderstrauch
An dem ich einst geküsst
Es blieb ein Duft der wie ein Hauch
Aus fernen Tagen ist
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Braune Blätter fallen müd vom Baum
Und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum
Möcht einmal noch wie damals kosen
Möcht vom Frühling träumen und vom Glück
Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
Ach die Jugendzeit kehrt nie zurück
Holde Jugend, holde Jugend
kämst du einmal doch zu mir zurück
Robert Stolz
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