Gedichte
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23 Jun 2021 07:29 #36487
von Kaninchen
Warum
Warum, wenn mir's am Tag gelang,
Mit dir, mein Lieb, zu kosen,
Träum' ich oft ganze Nächte lang
Von nichts als wilden Rosen ?
Und - blick' ich wilde Rosen an,
Wo ich am Tage gehe,
Wie kommt es, Mädchen, dass ich dann
Dich nachts im Traume sehe ?
Maximilian Bern
1849-1923
deutscher Schriftsteller
Warum, wenn mir's am Tag gelang,
Mit dir, mein Lieb, zu kosen,
Träum' ich oft ganze Nächte lang
Von nichts als wilden Rosen ?
Und - blick' ich wilde Rosen an,
Wo ich am Tage gehe,
Wie kommt es, Mädchen, dass ich dann
Dich nachts im Traume sehe ?
Maximilian Bern
1849-1923
deutscher Schriftsteller
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24 Jun 2021 07:27 #36504
von Kaninchen
Das ertrunkene Weib
Ein böses Weib, das keinem Drachen wich,
Die schrecklichste von allen Ruten
Des strafenden Geschicks, ersäufte sich
Und ward ein Spiel der Fluten.
Ihr Mann sucht den entseelten Leib,
Den er mit Sang und Klang begraben wollte,
Damit als Poltergeist auch nach dem Tod sein Weib
Ihn ja nicht plagen sollte.
Er fuhr in einem Kahn mit bangem Fleiß
Den Fluß hinab: er wühlt in Moor und Schlünden,
Fand ihren Modehut und ihren Modesteiß;
Sie selbst war nicht zu finden.
Laßt uns die Gondel drehn, rief endlich Nachbar Veit,
Sein Bootsmann, aus: ist sie sich gleich geblieben,
So hat sie wohl der Geist der Widerspenstigkeit
Den Strom hinaufgetrieben.
Gottlieb Konrad Pfeffel (1736 - 1809), deutscher Fabeldichter und Erzähler
Ein böses Weib, das keinem Drachen wich,
Die schrecklichste von allen Ruten
Des strafenden Geschicks, ersäufte sich
Und ward ein Spiel der Fluten.
Ihr Mann sucht den entseelten Leib,
Den er mit Sang und Klang begraben wollte,
Damit als Poltergeist auch nach dem Tod sein Weib
Ihn ja nicht plagen sollte.
Er fuhr in einem Kahn mit bangem Fleiß
Den Fluß hinab: er wühlt in Moor und Schlünden,
Fand ihren Modehut und ihren Modesteiß;
Sie selbst war nicht zu finden.
Laßt uns die Gondel drehn, rief endlich Nachbar Veit,
Sein Bootsmann, aus: ist sie sich gleich geblieben,
So hat sie wohl der Geist der Widerspenstigkeit
Den Strom hinaufgetrieben.
Gottlieb Konrad Pfeffel (1736 - 1809), deutscher Fabeldichter und Erzähler
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25 Jun 2021 07:13 #36519
von Kaninchen
Zum Rendezvous
Kam er oder kam er nicht ?
Sicher wird er meiner warten,
Lief von links die Katze auch
Übern Weg mir schon im Garten.
Zwar die Mutter fest und steif
Glaubt, das muß stets Unglück bringen,
Aber alte Leute sind
Wunderlich in solchen Dingen.
Kätzchen schlich ins Grüne nur,
Einen Vogel sich zu fangen.
Ach, mir ist der schönste schon
Längst und leicht ins Netz gegangen.
Wo sich aus dem Park ins Feld
Stehlen die umbuschten Wege,
Lief er eines Sonntags früh
Ahnungslos mir ins Gehege.
Dorthin hat er heute auch
Mich zum Rendezvous geladen.
Komm ich auch ein wenig spät,
Etwas Warten kann nicht schaden.
Allzupünktlich jetzt schon sein,
Kann den Herrn mir leicht verwöhnen.
Schmollt er, wird ein Küßchen schnell
Den verliebten Schelm versöhnen.
Gustav Falke
1853 - 1916
deutscher Lyriker und Kinderbuchautor
Kam er oder kam er nicht ?
Sicher wird er meiner warten,
Lief von links die Katze auch
Übern Weg mir schon im Garten.
Zwar die Mutter fest und steif
Glaubt, das muß stets Unglück bringen,
Aber alte Leute sind
Wunderlich in solchen Dingen.
Kätzchen schlich ins Grüne nur,
Einen Vogel sich zu fangen.
Ach, mir ist der schönste schon
Längst und leicht ins Netz gegangen.
Wo sich aus dem Park ins Feld
Stehlen die umbuschten Wege,
Lief er eines Sonntags früh
Ahnungslos mir ins Gehege.
Dorthin hat er heute auch
Mich zum Rendezvous geladen.
Komm ich auch ein wenig spät,
Etwas Warten kann nicht schaden.
Allzupünktlich jetzt schon sein,
Kann den Herrn mir leicht verwöhnen.
Schmollt er, wird ein Küßchen schnell
Den verliebten Schelm versöhnen.
Gustav Falke
1853 - 1916
deutscher Lyriker und Kinderbuchautor
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26 Jun 2021 07:12 #36532
von Kaninchen
Sternschnuppenfall, Sternschnuppenfall!
Heut will ich nicht schlafen und immer nur wünschen,
Und alles wird in Erfüllung gehn:
Ein Kleid aus Seide, aus schneeweißer Seide,
Mit uralten Spitzen aus Brabant,
Und jeder Knopf ein Diamant;
Ein Diadem aus lauter Türkisen,
Dazwischen Brillanten, wie Wasser klar,
Das paßt am besten ins schwarze Haar;
Sternschnuppe, ein Halsband aus großen Perlen;
Und du, Sternschnuppe, ich bitte dich,
Such Perlen ohne Thränen für mich;
Dann wünsch' ich ein Paar ganz kleiner Pantoffel,
Kleiner, viel kleiner als mein Fuß,
Aber das mir doch passen muß !
Zu alledem wünsch' ich mir einen Liebsten…
O weh, die Mutter! Sie jagt mich ins Bett !
Ach, wenn ich nur erst einen Liebsten hätt !
Hugo Salus
1866 - 1929
Arzt aus Böhmen und deutschsprachiger Schriftsteller
Heut will ich nicht schlafen und immer nur wünschen,
Und alles wird in Erfüllung gehn:
Ein Kleid aus Seide, aus schneeweißer Seide,
Mit uralten Spitzen aus Brabant,
Und jeder Knopf ein Diamant;
Ein Diadem aus lauter Türkisen,
Dazwischen Brillanten, wie Wasser klar,
Das paßt am besten ins schwarze Haar;
Sternschnuppe, ein Halsband aus großen Perlen;
Und du, Sternschnuppe, ich bitte dich,
Such Perlen ohne Thränen für mich;
Dann wünsch' ich ein Paar ganz kleiner Pantoffel,
Kleiner, viel kleiner als mein Fuß,
Aber das mir doch passen muß !
Zu alledem wünsch' ich mir einen Liebsten…
O weh, die Mutter! Sie jagt mich ins Bett !
Ach, wenn ich nur erst einen Liebsten hätt !
Hugo Salus
1866 - 1929
Arzt aus Böhmen und deutschsprachiger Schriftsteller
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27 Jun 2021 08:20 #36549
von Kaninchen
Achim von Arnim / Clemens Brentano
Sub rosa
Mitten im Garten ist
Ein schönes Paradies,
Ist so schön anzusehn,
Daß ich möcht' drinnen gehn.
Als ich im Gärtlein war,
Nahm ich der Blümlein wahr,
Brach mir ein Röselein,
Das sollt mein eigen sein.
Das Röslein glänzt so fein,
Wie Gold und Edelstein
War so fein übergüldt,
Daß es mein Herz erfüllt.
Ich nahm das Röslein fein,
Schloß es ins Kämmerlein,
Stellt es an einen Ort,
Da es ja nicht verdorrt.
Komm ich ins Kämmerlein,
Find nicht mein Röselein,
Als ich herummer sah,
Sitzt ein schön Jungfrau da.
Sprach, ach erschrick nur nicht,
Denn ich bin dir verpflichte
Denn ich bin dir vertraut,
Denn ich bin deine Braut.
aus: Des Knaben Wunderhorn
Wissenswertes zum Ausspruch: Sub Rosa - unter der Rose gesagt
Sub rosa
Mitten im Garten ist
Ein schönes Paradies,
Ist so schön anzusehn,
Daß ich möcht' drinnen gehn.
Als ich im Gärtlein war,
Nahm ich der Blümlein wahr,
Brach mir ein Röselein,
Das sollt mein eigen sein.
Das Röslein glänzt so fein,
Wie Gold und Edelstein
War so fein übergüldt,
Daß es mein Herz erfüllt.
Ich nahm das Röslein fein,
Schloß es ins Kämmerlein,
Stellt es an einen Ort,
Da es ja nicht verdorrt.
Komm ich ins Kämmerlein,
Find nicht mein Röselein,
Als ich herummer sah,
Sitzt ein schön Jungfrau da.
Sprach, ach erschrick nur nicht,
Denn ich bin dir verpflichte
Denn ich bin dir vertraut,
Denn ich bin deine Braut.
aus: Des Knaben Wunderhorn
Wissenswertes zum Ausspruch: Sub Rosa - unter der Rose gesagt
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28 Jun 2021 07:17 #36571
von Kaninchen
Unglücksrabe
So oft ich der alten Nachbarin
In ihrem Shawltuch begegnet bin,
Wenn die Sonne grade recht hell gestrahlt,
Als bekäm sie's heute extra bezahlt –
Dann zeigte die alte Nachbarin
Mit der welken Hand nach dem Himmel hin
Und kniff den Mund so besonders ein,
Als biß sie in etwas Saures hinein,
Und meinte: "Wenn's nur so bleibt !"
So ist's mir im Leben mit Vielen ergangen,
Die wußten mit Freude nichts anzufangen
Und riefen in jeden Sonnenschein
Ihr krächzendes "Wenn's nur so bleibt" hinein !
Sie hätten am liebsten der ganzen Welt
Das arme bißchen Lachen vergällt
Und trauen noch in der Grabesruh
Dem Herrgott den ewigen Frieden nicht zu
Und meinen: "Wenn's nur so bleibt !"
Anna Ritter
1865 - 1921
deutsche Dichterin und Novellistin
So oft ich der alten Nachbarin
In ihrem Shawltuch begegnet bin,
Wenn die Sonne grade recht hell gestrahlt,
Als bekäm sie's heute extra bezahlt –
Dann zeigte die alte Nachbarin
Mit der welken Hand nach dem Himmel hin
Und kniff den Mund so besonders ein,
Als biß sie in etwas Saures hinein,
Und meinte: "Wenn's nur so bleibt !"
So ist's mir im Leben mit Vielen ergangen,
Die wußten mit Freude nichts anzufangen
Und riefen in jeden Sonnenschein
Ihr krächzendes "Wenn's nur so bleibt" hinein !
Sie hätten am liebsten der ganzen Welt
Das arme bißchen Lachen vergällt
Und trauen noch in der Grabesruh
Dem Herrgott den ewigen Frieden nicht zu
Und meinen: "Wenn's nur so bleibt !"
Anna Ritter
1865 - 1921
deutsche Dichterin und Novellistin
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