Gedichte
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11 Jun 2021 07:47 #36265
von Kaninchen
Der Abgekühlte
Und ist man tot, so muß man lang
Im Grabe liegen; ich bin bang,
Ja, ich bin bang, das Auferstehen
Wird nicht so schnell vonstatten gehen.
Noch einmal, eh' mein Lebenslicht
Erlöschet, eh' mein Herze bricht –
Noch einmal möcht ich vor dem Sterben
Um Frauenhuld beseligt werben.
Und eine Blonde müßt es sein,
Mit Augen sanft wie Mondenschein –
Denn schlecht bekommen mir am Ende
Die wild brünetten Sonnenbrände.
Das junge Volk voll Lebenskraft
Will den Tumult der Leidenschaft,
Das ist ein Rasen, Schwören, Poltern
Und wechselseit'ges Seelenfoltern !
Unjung und nicht mehr ganz gesund,
Wie ich es bin zu dieser Stund',
Möcht ich noch einmal lieben, schwärmen
Und glücklich sein – doch ohne Lärmen.
Johann Nepomuk Nestroy
(1801 - 1862)
österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor
Und ist man tot, so muß man lang
Im Grabe liegen; ich bin bang,
Ja, ich bin bang, das Auferstehen
Wird nicht so schnell vonstatten gehen.
Noch einmal, eh' mein Lebenslicht
Erlöschet, eh' mein Herze bricht –
Noch einmal möcht ich vor dem Sterben
Um Frauenhuld beseligt werben.
Und eine Blonde müßt es sein,
Mit Augen sanft wie Mondenschein –
Denn schlecht bekommen mir am Ende
Die wild brünetten Sonnenbrände.
Das junge Volk voll Lebenskraft
Will den Tumult der Leidenschaft,
Das ist ein Rasen, Schwören, Poltern
Und wechselseit'ges Seelenfoltern !
Unjung und nicht mehr ganz gesund,
Wie ich es bin zu dieser Stund',
Möcht ich noch einmal lieben, schwärmen
Und glücklich sein – doch ohne Lärmen.
Johann Nepomuk Nestroy
(1801 - 1862)
österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor
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12 Jun 2021 08:08 #36280
von Kaninchen
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13 Jun 2021 07:53 #36301
von Kaninchen
Ja, das möcht ich noch erleben
Eigentlich ist mir alles gleich,
Der eine wird arm, der andre wird reich,
Aber mit Bismarck – was wird das noch geben ?
Das mit Bismarck, das möcht' ich noch erleben.
Eigentlich ist alles soso,
Heute traurig, morgen froh,
Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
Ach, es ist nicht viel dahinter.
Aber mein Enkel, so viel ist richtig,
Wird mit nächstem vorschulpflichtig,
Und in etwa vierzehn Tagen
Wird er eine Mappe tragen,
Löschblätter will ich ins Heft ihm kleben –
Ja, das möcht' ich noch erleben.
Eigentlich ist alles nichts,
Heute hält's, und morgen bricht's,
Hin stirbt alles, ganz geringe
Wird der Wert der ird'schen Dinge;
Doch wie tief herabgestimmt
Auch das Wünschen Abschied nimmt,
Immer klingt es noch daneben:
Ja, das möcht' ich noch erleben.
Theodor Fontane
1819 - 1898
dt. Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker
Eigentlich ist mir alles gleich,
Der eine wird arm, der andre wird reich,
Aber mit Bismarck – was wird das noch geben ?
Das mit Bismarck, das möcht' ich noch erleben.
Eigentlich ist alles soso,
Heute traurig, morgen froh,
Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
Ach, es ist nicht viel dahinter.
Aber mein Enkel, so viel ist richtig,
Wird mit nächstem vorschulpflichtig,
Und in etwa vierzehn Tagen
Wird er eine Mappe tragen,
Löschblätter will ich ins Heft ihm kleben –
Ja, das möcht' ich noch erleben.
Eigentlich ist alles nichts,
Heute hält's, und morgen bricht's,
Hin stirbt alles, ganz geringe
Wird der Wert der ird'schen Dinge;
Doch wie tief herabgestimmt
Auch das Wünschen Abschied nimmt,
Immer klingt es noch daneben:
Ja, das möcht' ich noch erleben.
Theodor Fontane
1819 - 1898
dt. Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker
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14 Jun 2021 06:57 #36318
von Kaninchen
Fannerl
Hab dich doch lieb,
Fannerl,
Wenn die Sterne fallen,
Wenn die Sonne steigt.
Du duftest wie das Ried.
Du bist frisch wie ein Taumorgen.
Deine Hände betten mich an deine Brust,
Als wäre ich dein Enkelkind.
Unten im Gries
Fliesst die Isar.
Wollen wir Floss fahren
Bis ins Meer ?
Tags ist es kühl bei dir
Wie im Schatten der Leutaschklamm.
Aber nachts
Brennst du wie der Mittag auf den Karwendelsteinen.
Wenn der Herbst kommt,
Wenn ich weiter muss –
Weine nicht,
Fannerl.
Klabund
(1890 - 1928), eigentlich Alfred Henschke, deutscher Schriftsteller, Übersetzer ostasiatischer Dichtkunst, Lyriker, Dramatiker und Komödienschreiber
Dieses Gedicht erzählt von Mittenwald, einem Ort, in dem ich einige Jahre gelebt habe
Hab dich doch lieb,
Fannerl,
Wenn die Sterne fallen,
Wenn die Sonne steigt.
Du duftest wie das Ried.
Du bist frisch wie ein Taumorgen.
Deine Hände betten mich an deine Brust,
Als wäre ich dein Enkelkind.
Unten im Gries
Fliesst die Isar.
Wollen wir Floss fahren
Bis ins Meer ?
Tags ist es kühl bei dir
Wie im Schatten der Leutaschklamm.
Aber nachts
Brennst du wie der Mittag auf den Karwendelsteinen.
Wenn der Herbst kommt,
Wenn ich weiter muss –
Weine nicht,
Fannerl.
Klabund
(1890 - 1928), eigentlich Alfred Henschke, deutscher Schriftsteller, Übersetzer ostasiatischer Dichtkunst, Lyriker, Dramatiker und Komödienschreiber
Dieses Gedicht erzählt von Mittenwald, einem Ort, in dem ich einige Jahre gelebt habe
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15 Jun 2021 07:26 #36331
von Kaninchen
Wechsel
Mit Brünetten hat's eine Ende !
Ich gerate dieses Jahr
Wieder in die blauen Augen,
Wieder in das blonde Haar.
Die Blondine, die ich liebe,
Ist so fromm, so sanft, so mild !
In der Hand den Lilienstengel,
Wäre sie ein Heil'genbild.
Schlanke, schwärmerische Glieder,
Wenig Fleisch, sehr viel Gemüt;
Und für Liebe, Hoffnung, Glaube
Ihre ganze Seele glüht.
Sie behauptet, sie verstünde
Gar kein Deutsch – ich glaub es nicht.
Niemals hättest du gelesen
Klopstocks himmlisches Gedicht ?
Heinrich Heine
1797-1856
deutscher Dichter
Mit Brünetten hat's eine Ende !
Ich gerate dieses Jahr
Wieder in die blauen Augen,
Wieder in das blonde Haar.
Die Blondine, die ich liebe,
Ist so fromm, so sanft, so mild !
In der Hand den Lilienstengel,
Wäre sie ein Heil'genbild.
Schlanke, schwärmerische Glieder,
Wenig Fleisch, sehr viel Gemüt;
Und für Liebe, Hoffnung, Glaube
Ihre ganze Seele glüht.
Sie behauptet, sie verstünde
Gar kein Deutsch – ich glaub es nicht.
Niemals hättest du gelesen
Klopstocks himmlisches Gedicht ?
Heinrich Heine
1797-1856
deutscher Dichter
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16 Jun 2021 07:36 - 16 Jun 2021 07:37 #36359
von Kaninchen
Ich trat hinein zur Küchentür ...
Ich trat hinein zur Küchentür
Und brannte an mein Pfeifchen mir,
Das heißt, ich hätt' es angebrannt,
Hätt' es nicht ohnehin gebrannt.
Mein Pfeifchen, ei das brannte fein,
Ich trat auch nicht deshalb hinein,
Ich trat nur ein, weil ich gesehn
Ein Mädel drin am Herde stehn.
Sie schürt die Glut, legt Holz darauf,
Die Flamme lodert lustig auf,
Doch heller flammt es noch fürwahr
Aus ihrem dunklen Augenpaar !
Ich trat hinein, sie sah mich an,
Da hatte sie mir's angetan:
Mein brennend Pfeiflein ging mir aus,
Ich trug ein brennend Herz nach Haus !
Sándor Petőfi (1823 - 1849, gefallen), eigentlich Alexander Petrovics (Petrovič), ungarischer Schauspieler, Soldat, Student und Dichter, übersetzte u. a. Schiller und Shakespeare
Ich trat hinein zur Küchentür
Und brannte an mein Pfeifchen mir,
Das heißt, ich hätt' es angebrannt,
Hätt' es nicht ohnehin gebrannt.
Mein Pfeifchen, ei das brannte fein,
Ich trat auch nicht deshalb hinein,
Ich trat nur ein, weil ich gesehn
Ein Mädel drin am Herde stehn.
Sie schürt die Glut, legt Holz darauf,
Die Flamme lodert lustig auf,
Doch heller flammt es noch fürwahr
Aus ihrem dunklen Augenpaar !
Ich trat hinein, sie sah mich an,
Da hatte sie mir's angetan:
Mein brennend Pfeiflein ging mir aus,
Ich trug ein brennend Herz nach Haus !
Sándor Petőfi (1823 - 1849, gefallen), eigentlich Alexander Petrovics (Petrovič), ungarischer Schauspieler, Soldat, Student und Dichter, übersetzte u. a. Schiller und Shakespeare
Letzte Änderung: 16 Jun 2021 07:37 von Kaninchen.
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