Gedichte

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12 Jan 2019 05:24 #21081 von Feschtbrueder
Genau besehn

Wenn man das zierlichste Näschen
Von seiner liebsten Braut
Durch ein Vergrösserungsgläschen
Näher beschaut,
Dann zeigen sich haarige Berge,
Dass einem graut.

Joachim Ringelnatz

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
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12 Jan 2019 08:36 #21095 von Kaninchen


Winterfreuden

Nicht nur der Sommer, sondern auch
Der Winter hat sein Schönes,
Wiewohl man friert bei seinem Hauch,
So ist doch dies und jenes
Im Winter wirklich angenehm,
Besonders daß man sich bequem
Kann vor dem Frost bewahren,
Und auch im Schlitten fahren.

Das weite Feld ist kreidenweiß,
Wem machte das nicht Freuden?
Die Knaben purzeln auf dem Eis,
Wenn sie zu hurtig gleiten,
Und ist nicht die Bemerkung schön,
Bei Leuten, die zu Fuße geh'n,
Daß sie schier alle springen
Und mit den Händen ringen?

Und wenn man sich versehen hat,
Mit Holz, um einzuheizen,
So muß die Wärme früh und spat
Uns zum Vergnügen reizen,
Man richtet mit zufried'nem Sinn
Den Rücken an den Ofen hin,
Und wärmet sich nach Kräften
Für Haus- und Hofgeschäften.

Ein altes Buch zur Abendzeit
Muß ich zumeist doch lieben,
Wenn man da liest die Albernheit
Der Vorzeit schön beschrieben,
Man sitzt und liest und freuet sich
Und danket Gott herzinniglich
Genügsam und bescheidten
Für uns're jetzgen Zeiten.


Ludwig Eichrodt (1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller, seinen »Gedichten des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermeier und seines Freundes Horatius Treuherz« verdankt der Zeitstil seinen Namen ›Biedermeier‹


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13 Jan 2019 07:01 #21101 von Feschtbrueder
Bist du schon auf der Sonne gewesen?

Bist du schon auf der Sonne gewesen?
Nein? – Dann brich dir aus einem Besen
Ein kleines Stück Spazierstock heraus
Und schleiche dich heimlich aus dem Haus
Und wandere langsam in aller Ruh
Immer direkt auf die Sonne zu.
So lange, bis es ganz dunkel geworden.
Dann öffne leise dein Taschenmesser,
Damit dich keine Mörder ermorden.
Und wenn du die Sonne nicht mehr erreichst,
Dann ist es fürs erstemal schon besser,
Dass du dich wieder nach Hause schleichst.

Joachim Ringelnatz

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13 Jan 2019 08:17 #21114 von Kaninchen


Summa summarum

Sag, wie wär es, alter Schragen,
Wenn du mal die Brille putztest,
Um ein wenig nachzuschlagen,
wie du deine Zeit benutztest.

Oft wohl hätten dich so gerne
Weiche Arme warm gebettet;
Doch du standest kühl von ferne,
Unbewegt wie angekettet.

Oft wohl kam’s daß du die schöne
Zeit vergrimmtest und vergrolltest,
Nur weil diese oder jene
Nicht gewollt, so wie du wolltest.

Demnach hast du dich vergebens
Meistenteils herumgetrieben;
Denn die Summe unsres Lebens
Sind die Stunden, wo wir lieben.



Wilhelm Busch
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14 Jan 2019 08:27 #21130 von Kaninchen


Der Winter

Der Winter kommt wie jedes Jahr
mit Minustemperatur,
verschönt mit weißem Zuckerguss
draußen die Natur.
Frau Holle holt die Betten vor
und macht sie so bereit
zum Schütteln aus dem Wolkenheim,
damit es bei uns schneit.

So rieseln leichte Flocken nieder,
bald werden es noch mehr,
und manches Kind holt seinen Schlitten
dann aus dem Schuppen her.
Selbst die Erwachsenen freuen sich
an einer Schneeballschlacht
und auch ein Schneemann wird vergnügt
aus Übermut gemacht.

Nun beginnt die Jagdsaison
für unsere armen Hasen.
Die Jäger haben früh bereits
zum Halali geblasen.
Sie kommen langsam übers Feld
und schießen los mit Schrot.
So viele Jäger sind bekanntlich
des Hasen sicherer Tod.

In den Bergen fährt man Ski,
das ist was für Geübte,
mancher brach sich schon ein Bein,
was ihn dann sehr betrübte.
Die Orthopäden mussten ran,
die Knochen zu sortieren
und für die nächste Skisaison
stabil zu präparieren.

Autor: Elke Abt


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15 Jan 2019 07:35 #21142 von Kaninchen



Heimlich ist's im trauten Zimmer
Bei der Lampe sanftem Scheine,
Wenn da draußen Wintersturm tobt.
Horchend auf sein wildes Brausen,
Auf das Heulen im Kamine,
Auf den Regen, der an's Glas schlägt,
Auf sein Rauschen und sein klingend
Tropfen in der Wasserrinne,
Drück' ich tiefer mich behaglich
In den sichern, wohlvertrauten,
Altersbraunen Lehnstuhl. - Träumend
Blaue Wölkchen von mir blasend,
Denk ich gern dann hellen Frühlings,
Denk' ich gern des lichten Sommers,
Denk' ich gern der längst entschwundnen
Sonnbeglänzten Jugendzeiten.
Wie ein Hauch aus wunderschönen
Unerreichbar fernen Gärten
Wehts mich an, ein märchenhafter
Duft verlor'nen Paradieses.
Und Erinnrung um Erinnrung
Steigt empor und schwebt vorüber;
Schaut mich an mit sanften blauen
Träumerischen Sehnsuchtsaugen,
Schaut mich an und schwebt vorüber.

Heinrich Seidel
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