Gedichte
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24 Jan 2020 07:41 #26609
von Kaninchen
Schneemann
„Seht den Mann, o große Not!
Wie er mit dem Stocke droht
gestern schon und heute noch!
Aber niemals schlägt er doch.
Schneemann, bist ein armer Wicht,
hast den Stock und wehrst dich nicht.“
Freilich ist’s ein gar armer Mann,
der nicht schlagen noch laufen kann.
Schleierweiß ist sein Gesicht.
Liebe Sonne, scheine nur nicht,
sonst wird er gar wie Butter weich
und zerfließt zu Wasser gleich.
Wilhelm Hey
Schneemann
„Seht den Mann, o große Not!
Wie er mit dem Stocke droht
gestern schon und heute noch!
Aber niemals schlägt er doch.
Schneemann, bist ein armer Wicht,
hast den Stock und wehrst dich nicht.“
Freilich ist’s ein gar armer Mann,
der nicht schlagen noch laufen kann.
Schleierweiß ist sein Gesicht.
Liebe Sonne, scheine nur nicht,
sonst wird er gar wie Butter weich
und zerfließt zu Wasser gleich.
Wilhelm Hey
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25 Jan 2020 07:55 #26624
von Kaninchen
Ins Blaue
Ins Blaue, da schau‘ ich oft lange hinein,
So oft mir die blühende Erde zu klein;
Es drängt mich ins blaue Geflimmer zu sehn,
Bis still mir die Augen in Tränen vergehn.
Wohl sanken die Blätter, es starrt die Au,
Doch leuchtet unendlich das himmlische Blau,
Drum seh ich viel lieber als irdische Pracht
Ins Blaue, das wandellos über mir lacht.
Und wird es oft dunkel und wüst um mich her,
Das eigene Herz in der Brust mir zu schwer,
Dann blick‘ ich hinauf in den Mondenschein,
Dann dicht’ und träum‘ ich ins Blaue hinein.
Und ist nun gar einmal dein Auge umhüllt,
Mit irdischem Dunkel mein Himmel erfüllt,
Da fasst mich vor Allem hienieden ein Graus,
Da wein‘ ich und liebe ins Blaue hinaus.
Adolf Ritter von Tschabuschnigg
(* 20. Juli 1809 in Klagenfurt; † 1. November 1877 in Wien;
Ins Blaue, da schau‘ ich oft lange hinein,
So oft mir die blühende Erde zu klein;
Es drängt mich ins blaue Geflimmer zu sehn,
Bis still mir die Augen in Tränen vergehn.
Wohl sanken die Blätter, es starrt die Au,
Doch leuchtet unendlich das himmlische Blau,
Drum seh ich viel lieber als irdische Pracht
Ins Blaue, das wandellos über mir lacht.
Und wird es oft dunkel und wüst um mich her,
Das eigene Herz in der Brust mir zu schwer,
Dann blick‘ ich hinauf in den Mondenschein,
Dann dicht’ und träum‘ ich ins Blaue hinein.
Und ist nun gar einmal dein Auge umhüllt,
Mit irdischem Dunkel mein Himmel erfüllt,
Da fasst mich vor Allem hienieden ein Graus,
Da wein‘ ich und liebe ins Blaue hinaus.
Adolf Ritter von Tschabuschnigg
(* 20. Juli 1809 in Klagenfurt; † 1. November 1877 in Wien;
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26 Jan 2020 08:04 - 26 Jan 2020 08:06 #26642
von Kaninchen
Edouard Manet - Roses, Tulips et Lilas dans un vase
Stilles Glück
Wir sitzen am Tisch beim Lampenschein
Und seh´n in das selbe Buch hinein
Und Wange an Wange und Hand in Hand,
Eine stille Zärtlichkeit uns umspannt,
Ich fühle ruhig Dein Herzchen pochen :
Eine Stunde schon hat keines gesprochen,
Und keins dem andern ins Auge geblickt.
Wir haben die Wünsche schlafen geschickt.
Hugo Saulus
1866-1929
Schriftsteller
Edouard Manet - Roses, Tulips et Lilas dans un vase
Stilles Glück
Wir sitzen am Tisch beim Lampenschein
Und seh´n in das selbe Buch hinein
Und Wange an Wange und Hand in Hand,
Eine stille Zärtlichkeit uns umspannt,
Ich fühle ruhig Dein Herzchen pochen :
Eine Stunde schon hat keines gesprochen,
Und keins dem andern ins Auge geblickt.
Wir haben die Wünsche schlafen geschickt.
Hugo Saulus
1866-1929
Schriftsteller
Letzte Änderung: 26 Jan 2020 08:06 von Kaninchen.
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27 Jan 2020 07:26 #26659
von Kaninchen
Kunigunde
Das Köhlerweib ist trunken
Und singt im Wald;
Hört ihr, wie ihre Stimme
Im Grünen hallt?
Ruht auf der roten Nase
Der Abendstrahl:
Glüht sie, wie wilde Rosen
Im dunklen Tal.
Sie war die feinste Blume,
Berühmt im Land;
Es warben Reich' und Arme
Um ihre Hand.
Sie trat in Gürtelketten
So stolz einher;
Den Bräutigam zu wählen
Fiel ihr zu schwer!
Da hat sie überlistet
Der rote Wein –
Wie müssen alle Dinge
Vergänglich sein!
Das Köhlerweib ist trunken
Und singt im Wald;
Wie durch die Dämmrung gellend
Ihr Lied erschallt!
Gottfried Keller
1819 - 1890
Schweizer Dichter und Romanautor
Kunigunde
Das Köhlerweib ist trunken
Und singt im Wald;
Hört ihr, wie ihre Stimme
Im Grünen hallt?
Ruht auf der roten Nase
Der Abendstrahl:
Glüht sie, wie wilde Rosen
Im dunklen Tal.
Sie war die feinste Blume,
Berühmt im Land;
Es warben Reich' und Arme
Um ihre Hand.
Sie trat in Gürtelketten
So stolz einher;
Den Bräutigam zu wählen
Fiel ihr zu schwer!
Da hat sie überlistet
Der rote Wein –
Wie müssen alle Dinge
Vergänglich sein!
Das Köhlerweib ist trunken
Und singt im Wald;
Wie durch die Dämmrung gellend
Ihr Lied erschallt!
Gottfried Keller
1819 - 1890
Schweizer Dichter und Romanautor
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28 Jan 2020 07:55 #26671
von Kaninchen
Wankelmut
Was bin ich alter Bösewicht
So wankelig von Sinne.
Ein leeres Glas gefällt mir nicht,
Ich will, daß was darinne.
Das ist mir so ein dürr Geklirr;
He, Kellnerin, erscheine!
Laß dieses öde Trinkgeschirr
Befeuchtet sein von Weine!
Nun will mir aber dieses auch
Nur kurze Zeit gefallen;
Hinunter muß es durch den Schlauch
Zur dunklen Tiefe wallen. –
So schwank ich ohne Unterlaß
Hinwieder zwischen beiden.
Ein volles Glas, ein leeres Glas
Mag ich nicht lange leiden.
Ich bin gerade so als wie
Der Erzbischof von Köllen,
Er leert sein Gläslein wuppheidi
Und läßt es wieder völlen.
Wilhelm Busch
Wankelmut
Was bin ich alter Bösewicht
So wankelig von Sinne.
Ein leeres Glas gefällt mir nicht,
Ich will, daß was darinne.
Das ist mir so ein dürr Geklirr;
He, Kellnerin, erscheine!
Laß dieses öde Trinkgeschirr
Befeuchtet sein von Weine!
Nun will mir aber dieses auch
Nur kurze Zeit gefallen;
Hinunter muß es durch den Schlauch
Zur dunklen Tiefe wallen. –
So schwank ich ohne Unterlaß
Hinwieder zwischen beiden.
Ein volles Glas, ein leeres Glas
Mag ich nicht lange leiden.
Ich bin gerade so als wie
Der Erzbischof von Köllen,
Er leert sein Gläslein wuppheidi
Und läßt es wieder völlen.
Wilhelm Busch
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29 Jan 2020 08:14 #26695
von Kaninchen
Die Kälte
Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.
Oh, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
Und die Klavierkonzerte
Zerreissen uns die Ohren.
Weit besser ist es im Sommer,
Da kann ich im Walde spazieren,
Allein mit meinem Kummer,
Und Liebeslieder skandieren.
Heinrich Heine
Die Kälte
Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.
Oh, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
Und die Klavierkonzerte
Zerreissen uns die Ohren.
Weit besser ist es im Sommer,
Da kann ich im Walde spazieren,
Allein mit meinem Kummer,
Und Liebeslieder skandieren.
Heinrich Heine
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