Gedichte

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07 Feb 2019 07:33 #21540 von Kaninchen



Der Eislauf

Der See ist zugefroren
Und hält schon seinen Mann.
Die Bahn ist wie ein Spiegel
Und glänzt uns freundlich an.

Das Wetter ist so heiter,
Die Sonne scheint so hell.
Wer will mit mir ins Freie?
Wer ist mein Mitgesell?

Da ist nicht viel zu fragen:
Wer mit will, macht sich auf.
Wir geh'n hinaus ins Freie,
Hinaus zum Schlittschuhlauf.

Was kümmert uns die Kälte?
Was kümmert uns der Schnee?
Wir wollen Schlittschuh laufen
Wohl auf dem blanken See.

Da sind wir ausgezogen
Zur Eisbahn also bald,
Und haben uns am Ufer
Die Schlittschuh angeschnallt.

Das war ein lustig Leben
Im hellen Sonnenglanz!
Wir drehten uns und schwebten,
Als wär's ein Reigentanz.


Hoffmann von Fallersleben

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08 Feb 2019 06:17 #21546 von Feschtbrueder
Drei Hasen

Eine groteske Ballade

Drei Hasen tanzen im Mondenschein
im Wiesenwinkel am See:
Der eine ist ein Löwe,
der andre eine Möwe,
der dritte ist ein Reh.

Wer fragt, der ist gerichtet,
hier wird nicht kommentiert,
hier wird an sich gedichtet;
doch fühlst du dich verpflichtet,

erheb sie ins Geviert,
und füge dazu den Purzel
von einem Purzelbaum,
und zieh aus dem Ganzen die Wurzel
und träum den Extrakt als Traum.

Dann wirst du die Hasen sehen
im Wiesenwinkel am See,
wie sie auf silbernen Zehen
im Mondschein sich wunderlich drehen
als Löwe, Möwe und Reh.

Christian Morgenstern

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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08 Feb 2019 07:57 #21557 von Kaninchen


Vorfrühling

Da draussen rauscht der Regen,
Der Wind braust überm Land;
Doch leise webt den Segen
Des neuen Lenzes Hand.

Sie lockt aus Strauch und Bäumen
Der Knospen grünen Schein,
Sie schmückt mit lichten Säumen
Der Wälder düstre Reih'n.

Sie webt schon an dem Kleide
Der stillen Erdenbraut,
Die bald zu aller Freude
Dem Frühling wird getraut.

Mag jetzt der Sturm nur tosen,
Er knickt die Hoffnung nicht.
Bald winken uns die Rosen
Und blüh'n Vergissmeinnicht.



(Emerenz Meier

(* 3. Oktober 1874 in Schiefweg, heute Ortsteil von Waldkirchen/Niederbayern; † 28. Februar 1928 in Chicago) war eine deutsche Schriftstellerin. Neben Lena Christ gilt sie als die bedeutendste bayerische Volksdichterin.

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09 Feb 2019 07:44 #21576 von Kaninchen


Feuerwehrfrust

Aufgewacht mit schweren Schädel –
grad´ noch geträumt von einem Mädel -,
der Piepser singt das Lied vom Brand.
„Zwei“ zeigt die Uhr dort an der Wand.
Raus, ins kalte Auto rein;
frostig ist´s, es wird bald schnei´n.
Im Eis auf der Scheibe nur ein Schlitz,
eiskalt ist der Fahrersitz.
Motor blubbert, kommt in Gang,
kriegt schnell jenen hohen Klang,
den man vom Nürburgring her kennt
und den man „höhertourig“ nennt.
Reifen quietschen schon beim Start,
Kurventechnik: herzlich/hart,
„Ideallinie“ nehmen, gradeaus –
da ist auch schon das „Spritzenhaus“.
Klar, jetzt ist der Motor warm,
die Scheibe frei und –
Fehlalarm!
Ein „Bürger“ tat den Melder drücken,
um dann fröhlich abzurücken.
Erwischen müsst´ man diesen Knaben,
um ihm – die Meinung mal zu sagen.

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10 Feb 2019 08:44 #21596 von Kaninchen
Meine Liebe

Meine Liebe gleicht der Sonne nicht,
Die flammend auf- und untergeht,
Sie gleicht dem stillen Nordstern,
Der fest am Himmel steht.

Meine Liebe ist kein Rosenstrauch,
Der flüchtig tausend Blüthen treibt;
Sie gleicht dem grünen Epheu,
Es blüht nicht, doch es bleibt.

Meine Liebe gleicht dem Strome nicht,
Der durch den Thau der Wolken schwillt,
Sie ist ein Born, ein tiefer,
Der aus sich selber quillt.

Meine Liebe ist nicht Altarbrand,
Der glühend seine Opfer zehrt,
Sie ist die ew'ge Lampe,
Die still den Dom verklärt.

Meine Liebe ist nicht Jubelglanz,
Der strahlend aus dem Auge blickt,
Sie ist die heil'ge Wonne,
Die vor sich selbst erschrickt.




Salomon Hermann Ritter von Mosenthal (* 14. Januar 1821 in Kassel, Kurfürstentum Hessen; † 17. Februar 1877 in Wien, Österreich-Ungarn) war ein deutscher Dramatiker und Librettist.


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11 Feb 2019 07:44 #21613 von Kaninchen
Wie ein Land ohne Herrn,
Wie die Nacht ohne Stern,
Wie der Becher ohne Wein,
Wie der Vogel ohne Hain,
Wie ohne Auge ein Gesicht,
Wie ohne Reim ein Gedicht:
So ohne der Liebe Scherz und Schmerz
– das Herz.

Wilhelm Müller (1794 - 1827), genannt Griechen-Müller, deutscher Liederdichter und Philhellene

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