Gedichte
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19 Feb 2020 07:57 #27047
von Kaninchen
Es saßen einstens beieinand
zwei Knaben, Fritz und Ferdinand.
Da sprach der Fritz:"Nun gib mal acht,
was ich geträumt vergangne Nacht. –
"Ich stieg in einen schönen Wagen,
der war mit Gold beschlagen.
Zwei Englein spannten sich davor,
die zogen mich zum Himmelstor.
Gleich kamst du auch und wolltest mit
und sprängest auf den Kutschentritt,
jedoch ein Teufel schwarz und groß,
der nahm dich hinten bei der Hos'
und hat dich in die Höll' getragen.
Es war sehr lustig, muß ich sagen." –
So hübsch nun dieses Traumgesicht,
dem Ferdinand gefiel es nicht.
Schlapp! schlug er Fritzen an das Ohr,
daß er die Zippelmütz' verlor.
Der Fritz, der dies verdrießlich fand,
haut wiederum den Ferdinand;
und jetzt entsteht ein Handgemenge,
sehr schmerzlich und von großer Länge. –
So geht durch wesenlose Träume
gar oft die Freundschaft aus dem Leime.
Wilhelm Busch
Es saßen einstens beieinand
zwei Knaben, Fritz und Ferdinand.
Da sprach der Fritz:"Nun gib mal acht,
was ich geträumt vergangne Nacht. –
"Ich stieg in einen schönen Wagen,
der war mit Gold beschlagen.
Zwei Englein spannten sich davor,
die zogen mich zum Himmelstor.
Gleich kamst du auch und wolltest mit
und sprängest auf den Kutschentritt,
jedoch ein Teufel schwarz und groß,
der nahm dich hinten bei der Hos'
und hat dich in die Höll' getragen.
Es war sehr lustig, muß ich sagen." –
So hübsch nun dieses Traumgesicht,
dem Ferdinand gefiel es nicht.
Schlapp! schlug er Fritzen an das Ohr,
daß er die Zippelmütz' verlor.
Der Fritz, der dies verdrießlich fand,
haut wiederum den Ferdinand;
und jetzt entsteht ein Handgemenge,
sehr schmerzlich und von großer Länge. –
So geht durch wesenlose Träume
gar oft die Freundschaft aus dem Leime.
Wilhelm Busch
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20 Feb 2020 07:45 #27063
von Kaninchen
Siebenkampf
Laß die Sorgen des Alltags hinter dir.
Spring über deinen Schatten.
Stürz dich Herz über Kopf in gute Beziehungen.
Flieg auf Menschen, die zu dir stehen.
Nimm dir Zeit für Begegnungen.
Jag deine Hintergedanken über Stock und Stein.
Bring Farbe und Lebenins Leben.
Ernst Ferstl
(*1955)
österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Laß die Sorgen des Alltags hinter dir.
Spring über deinen Schatten.
Stürz dich Herz über Kopf in gute Beziehungen.
Flieg auf Menschen, die zu dir stehen.
Nimm dir Zeit für Begegnungen.
Jag deine Hintergedanken über Stock und Stein.
Bring Farbe und Lebenins Leben.
Ernst Ferstl
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21 Feb 2020 07:50 #27074
von Kaninchen
Solang mein Himmel heiter blaut,
Will ich nicht an die Wolke denken;
Solang die Locke nicht ergraut,
Will ich mein blühend Haupt nicht senken.
Denkt denn die Blume an's Verblüh'n,
Wenn sie der Knospe sich entwindet?
Denkt denn der Stern in seinem Glüh'n,
Daß er am Morgen schon erblindet?
Oskar von Redwitz
1823 - 1891
deutscher Schriftsteller
Will ich nicht an die Wolke denken;
Solang die Locke nicht ergraut,
Will ich mein blühend Haupt nicht senken.
Denkt denn die Blume an's Verblüh'n,
Wenn sie der Knospe sich entwindet?
Denkt denn der Stern in seinem Glüh'n,
Daß er am Morgen schon erblindet?
Oskar von Redwitz
1823 - 1891
deutscher Schriftsteller
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22 Feb 2020 07:56 #27089
von Kaninchen
Spatzensalat
Auf dem Kirschbaum schmiroschmatzki
saß ein Spatz mit seinem Schatzki
spuckt die Kerne klipokleini
auf die Wäsche an der Leini
schrie dir Bäurin bulowatzki
fort ihr tiroteufels bratzki
schrie der Bauer wirowentzki
wo sind meine kirschokenzki
fladerupfki halsumdrahtski
holt der Henker alle Spatzki
Autor: unbekannt
Spatzensalat
Auf dem Kirschbaum schmiroschmatzki
saß ein Spatz mit seinem Schatzki
spuckt die Kerne klipokleini
auf die Wäsche an der Leini
schrie dir Bäurin bulowatzki
fort ihr tiroteufels bratzki
schrie der Bauer wirowentzki
wo sind meine kirschokenzki
fladerupfki halsumdrahtski
holt der Henker alle Spatzki
Autor: unbekannt
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23 Feb 2020 06:23 - 23 Feb 2020 06:43 #27096
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Zum Spatzensalat passt auch das Gedicht von Christian Morgenstern.
Die drei Spatzen
In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.
Der Erich rechts und links der Franz
und mitten drin der freche Hans.
Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!
Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hats niemand nicht.
Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.
In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.
Der Erich rechts und links der Franz
und mitten drin der freche Hans.
Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!
Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hats niemand nicht.
Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.
Letzte Änderung: 23 Feb 2020 06:43 von Feschtbrueder.
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23 Feb 2020 08:49 #27107
von Kaninchen
Frühlingseinzug
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Der alte Winter will heraus,
Er trippelt ängstlich durch das Haus,
Er windet bang sich in der Brust,
Und kramt zusammen seinen Wust
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Er spürt den Frühling vor dem Tor,
Der will ihn zupfen bei dem Ohr,
Ihn zausen an dem weißen Bart
Nach solcher wilden Buben Art,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Der Frühling pocht und klopft ja schon –
Horcht, horcht, es ist sein lieber Ton!
Er pocht und klopfet, was er kann,
Mit kleinen Blumenknospen an,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Und wenn ihr noch nicht öffnen wollt,
Er hat viel Dienerschaft im Sold,
Die ruft er sich zur Hülfe her,
Und pocht und klopfet immer mehr,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Junker Morgenwind,
Ein pausebackig rotes Kind,
Und bläst, daß alles klingt und klirrt,
Bis seinem Herrn geöffnet wird,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Ritter Sonnenschein,
Der bricht mit goldnen Lanzen ein,
Der sanfte Schmeichler Blütenhauch
Schleicht durch die engsten Ritzen auch,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Zum Angriff schlägt die Nachtigall,
Und horch, und horch, ein Widerhall,
Ein Widerhall aus meiner Brust!
Herein, herein, du Frühlingslust,
Geschwinde, geschwinde!
Wilhelm Müller
Aus der Sammlung Frühlingskranz
Frühlingseinzug
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Der alte Winter will heraus,
Er trippelt ängstlich durch das Haus,
Er windet bang sich in der Brust,
Und kramt zusammen seinen Wust
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Er spürt den Frühling vor dem Tor,
Der will ihn zupfen bei dem Ohr,
Ihn zausen an dem weißen Bart
Nach solcher wilden Buben Art,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Der Frühling pocht und klopft ja schon –
Horcht, horcht, es ist sein lieber Ton!
Er pocht und klopfet, was er kann,
Mit kleinen Blumenknospen an,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Und wenn ihr noch nicht öffnen wollt,
Er hat viel Dienerschaft im Sold,
Die ruft er sich zur Hülfe her,
Und pocht und klopfet immer mehr,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Junker Morgenwind,
Ein pausebackig rotes Kind,
Und bläst, daß alles klingt und klirrt,
Bis seinem Herrn geöffnet wird,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Ritter Sonnenschein,
Der bricht mit goldnen Lanzen ein,
Der sanfte Schmeichler Blütenhauch
Schleicht durch die engsten Ritzen auch,
Geschwinde, geschwinde.
Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Zum Angriff schlägt die Nachtigall,
Und horch, und horch, ein Widerhall,
Ein Widerhall aus meiner Brust!
Herein, herein, du Frühlingslust,
Geschwinde, geschwinde!
Wilhelm Müller
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